Restaurantkritik: Ai Mercanti, Venedig, Italien

Venezianische Küche mal anders – wenn doch nur das Licht besser wäre!

 


Chefkoch: Nadia Locatello
Das Lokal ist schlecht ausgeleuchtet und schwer zu finden, bis man realisiert, dass der Corte Coppo die eigentliche Adresse ist, seitab von der Calle dei Fuseri. Freundlich begrüßt kann man erst einmal aus der ganz interessanten Weinkarte einen der fair kalkulierten Schaumweine aussuchen und sich freuen, dass man rechtzeitig reserviert hatte. Schnecken – aus dem Piemont, aber auf burgundische Art –, eine süß-aromatische geschmorte Zwiebel mit Speckbröseln und Emmentaler, ein krokantes Ei mit sehr leichtem, fedrigem Kartoffelschaum und wie es sich gehört zwei kräftig salzig-fischigen Anchovis dazu oder auch mit Meerbarsch gefüllte Tortelli mit Mohnsamen und Rote-Bete-Creme. Gerichte, die mit Mamma-Küche wenig zu tun haben, aber eine willkommene Abwechslung im venezianischen Einerlei. Wenige andere Pastagerichte, auch klassisch wie aglio olio oder ein Kürbis-Gewürzwein-Risotto für zwei (man misstraue einem Risotto für eine Person grundsätzlich) oder eine winterliche Gemüsesuppe, gut gewürzt, aber ohne Pfiff, fungieren als Zwischen-gerichte. Interessant bei den Hauptgängen der Fleischspieß mit Kichererbsen und Zaziki, klassisch und gut Kalbsnieren in dunkler Sauce mit Estragon, aromatischen Champignons und Süßholzaroma. Lakritze tauchte dann auch im erfrischenden Dessert mit Panna cotta und Meringue wieder auf. Einige Tagesgerichte, z. B. mit weißer Trüffel, werden angeboten.
Hinrich Sudeck

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Venezianische Küche mal anders – wenn doch nur das Licht besser wäre!

Aus Effilee #36, Frühjahr 2016
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