Les Rouliers Chenin

Richard Leroy – Les Rouliers Chenin – Loire, Frankreich

Stuart Pigott bezeichnet seine Art über Wein zu schreiben als Gonzo-Weinjournalismus. Sein aktuelles Buch heißt Weinwunder Deutschland

Wenn sie bernsteinfarben und trüb aussehen und nach Hamsterkäfig riechen, lassen mich viele der modischen Vins naturels kalt. Als Kind habe ich unseren Hamster gemocht, aber der Harngeruch in der Nähe seines Käfigs war nicht meine Sache. Ein Weißwein darf durchaus gewagt schmecken, aber er sollte optisch erkennbar sein und ansprechend duften. Der Les Rouliers Chenin von Richard Leroy in Rablay-sur-Layon/Loire zeigt, dass das möglich ist. Es handelt sich um einen der ausdrucksstärksten trockenen Weißweine von der Loire, die mir seit Langem begegnet sind, aber auch um einen extrem unentwickelten Wein, der immens viel Luft braucht, um sich (sehr langsam) zu öffnen. Selbst dann sollte man darauf vorbereitet sein, dass es sich nicht um einen fruchtbetonten Weißwein der leichten und charmanten Art handelt. Die Weine von Richard Leroy sind immer karg, sie erfordern Zeit und Geduld. Doch schließlich steigen Duftnoten nach Kräutergelee und getrocknetem Apfel aus dem Glas, sind mineralische Salzigkeit und kraftvolle (aber nicht dominante) Gerbstoffe am Gaumen spürbar. Wer das zu extrem findet, kann zwei Euro mehr für den etwas üppigeren, geschmeidigeren 2009 Les Noëls de Montberault investieren, der auch sehr eigen ist und, wie ich glaube, nicht weniger lagerfähig. Zeit und Geduld müssen in Jahren statt Stunden gemessen werden. Zu alldem passt es, dass keine prätentiösen Bezeichungen wie Premier Trie oder Grand Cru auf dem Etikett stehen, sondern ganz schlicht Vin de France.

23 Euro bei www.viniculture.de

Text: Stuart Pigott

aus Effilee #15, März/April 2011

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