Great Depression Cooking

Clara Bonfanti Cannucciari erzählt von der sparsamen Küche ihrer Mutter in schweren Jahren

 Great Depression Cooking

»Wir hatten nichts nach dem Krieg! Nichts! Nur Trümmer! Wir haben Steine gelutscht gegen den Hunger! Das war alles: Steine! Vielleicht mal eine Brennnessel. Roh! Und sonntags eine Kartoffel. Eine! Für die ganze Familie! 15 Leute!« Ja, so erzählte früher Opa, und alle verließen zügig den Raum. Aber Opa ist im Heim, und so können wir getrost die gute, alte Zeit verklären.

Dabei hilft uns Clara Bonfanti Cannucciari, die 1915 in Chicago geboren wurde und seit 2007 in der Serie Great Depression Cooking von der sparsamen Küche ihrer Mutter in schweren Jahren erzählt. Da geht es um Löwenzahnsalat, selbst gepflückt, mager belegte Pizza, gebacken aus Teigresten, oder eine wässrige Suppe, in die Eier eingerührt werden – daneben wird das misslungenste Rührei zum Meisterwerk. Will man das essen? Natürlich nicht. Doch Clara ist erfolgreich, sie hat eine Website, einen eigenen Kanal bei YouTube und ist auch auf DVD zu haben. Sie ist eben das perfekte Beruhigungsmittel für alle, die angesichts der Krisen die Nächte durchgrübeln, getrieben von der Angst vor dem Verlust des Zweitwagens oder des zu großen Hauses. Denn: Anderen ging es auch mal schlecht! Das kann man überleben. Und wenn wir uns von Löwenzahn ernähren, reicht das Geld vielleicht doch für die Kreditraten. Nicht nur Liebe geht durch den Magen – Angst tut es auch. Außerdem hat Clara zwei Vorteile gegenüber Opa: Sie riecht nicht nach alter Mensch. Und man kann sie abschalten.

greatdepressioncooking.com

Text: Peter Lau

aus Effilee #15, März/April 2011

«
»

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.