Wissen

Salz

Salz ist viel­leicht das „ein­fachste“ aller Gewürze, trotz­dem (oder gerade des­halb) aber auch jenes, bei dem sich die Kunst des Koches am deut­lichs­ten zeigt.

Salz, Rechteinhaber: Fleischwolf, Lizenzvereinbarung: Creative Commons

Salz ist viel­leicht das „ein­fachste“ aller Gewürze, trotz­dem (oder gerade des­halb) aber auch jenes, bei dem sich die Kunst des Koches am deut­lichs­ten zeigt. Rich­tig dosiert ist Salz ein natür­li­cher Geschmacks­ver­stär­ker, zu viel Salz jedoch macht das beste Essen ungenießbar.

Um eine geschmack­li­che Bin­dung der Zuta­ten zu errei­chen, sollte Salz mög­lichst früh­zei­tig zuge­ge­ben wer­den, beim Abschme­cken soll­ten dann nur noch die letz­ten Fein­hei­ten kor­ri­giert werden.

Sein che­mi­scher Name ist Natri­um­chlo­rid (NaCl), jedoch greift diese Defi­ni­tion für anspruchs­volle kuli­na­ri­sche Zwe­cke zu kurz. Gerade beim Salz gibt es näm­lich eine Viel­zahl ver­schie­de­ner Qua­li­tä­ten und Dar­rei­chungs­for­men, mit denen aus­ein­an­der­zu­set­zen sich alle­mal lohnt.

Spei­se­salz

Hier­bei han­delt es sich um weit­ge­hend rei­nes NaCl, dem ledig­lich einige geschmack­lich neu­trale Stoffe beige­mengt wer­den, vor allem um die Rie­sel­fä­hig­keit zu erhal­ten. Die Her­kunft des Sal­zes (ob aus Sali­nen oder aus dem Meer) wird zwar werb­lich gern aus­ge­schlach­tet, ist ange­sichts des hohen Ver­ar­bei­tungs­gra­des aber ohne Bedeu­tung. Rei­nes Spei­se­salz schmeckt sehr ein­di­men­sio­nal, sal­zig eben.

Stein­salz (Salinensalz)

Stein­salz ent­stand durch die Aus­trock­nung vor­zeit­li­cher Meere und ist heute unter­ir­disch in Salz­stö­cken zu fin­den. Neben Natri­um­chlo­rid ist es häu­fig mit Kali­um­chlo­rid und ande­ren Spu­ren­ele­men­ten ver­un­rei­nigt. Ver­un­rei­ni­gun­gen durch Eisen­oxide kön­nen zu einer deut­lich erkenn­ba­ren braun­ro­ten Farbe füh­ren. Stein­salz schmeckt etwas mil­der als Spei­se­salz und kann neben dem sal­zi­gen durch­aus einen erkenn­ba­ren Eigen­ge­schmack entwickeln.

Auf­grund sei­ner kris­tal­li­nen Struk­tur eig­net es sich beson­ders für den Ein­satz in Salz­müh­len und über­all da, wo grob­kör­ni­ges Salz gebraucht wird.

Meer­salz

Meer­salz ent­steht, indem Meer­was­ser in gro­ßen Becken ver­duns­tet. Zurück bleibt pro Liter Meer­was­ser ca. 35 g eines Gemi­sches von NaCl und ca. 80 wei­te­ren Stof­fen. Meer­salz ent­spricht in der mine­ra­li­schen Zusam­men­set­zung weit­ge­hend dem mensch­li­chen Blut, das heißt, hier ist alles drin, was der Kör­per braucht. Meer­salz schmeckt deut­lich mil­der noch als Stein­salz und bringt schon selbst eine gewisse geschmack­li­che Tiefe mit.

Exkurs: natur­be­las­se­nes Meer­salz — der kleine große Unterschied

Salz aus Meer­was­ser besteht zu etwa 96 Pro­zent aus Natri­um­chlo­rid. Durch indus­tri­elle Be– und Ver­ar­bei­tung, durch Trock­nung und Raf­fi­na­tion wer­den han­dels­üb­li­cher Indus­trie­ware so viele Mine­ra­lien und Spu­ren­ele­mente ent­zo­gen, dass der Kochsalz-Gehalt anschlie­ßend 98 Pro­zent und mehr erreicht. Die Zusam­men­set­zung genau die­ser zwei bis drei Pro­zent Dif­fe­renz zwi­schen raf­fi­nier­tem und natur­be­las­se­nem Meer­salz macht jenen Unter­schied aus, den man auch schme­cken kann. Von den 92 Stof­fen, die Meer­was­ser von Natur aus wert­voll für den mensch­li­chen Orga­nis­mus machen, blei­ben bei raf­fi­nier­tem Meer­salz gerade ein­mal zwei übrig, denn im übli­chen Her­stel­lungs­ver­fah­ren wird das Salz maschi­nell geern­tet, in gesät­tig­ter Lösung gewa­schen und mit Gas­bren­nern oder in Elek­tro­ö­fen getrock­net. Dabei ver­ab­schie­den sich die meis­ten für den Zell­stoff­wech­sel wich­ti­gen Mine­ra­lien und Spu­ren­ele­mente, zum Bei­spiel Magne­sium, Jod 12 und Selen. Dage­gen sind in natur­be­las­se­nem Meer­salz noch über 80 ver­schie­dene Bestand­teile des Meer­was­sers nach­weis­bar. Wie im Meer lie­gen sie in ihren natür­li­chen Kom­plex­ver­bin­dun­gen und in phy­sio­lo­gisch rich­ti­ger Kon­zen­tra­tion vor und kön­nen so Zell­mi­lieu und Stoff­wech­sel güns­tig beeinflussen.

Geschmack­lich lie­gen Wel­ten zwi­schen natur­be­las­se­nem und indus­tri­ell bear­bei­te­tem Salz. Wer jemals z.B. Mal­don Meer­salz gegen Riesel-Prisen 08/15 Salz aus dem Super­markt ver­kos­tet hat, weiss was Salz in der Nah­rung dar­stel­len kann.

Zu erken­nen ist natur­be­las­se­nes Meer­salz i.d.R an sei­nem höhe­ren Feuch­tig­keits­ge­halt. Da keine Rie­sel­hil­fen ver­wen­det wer­den, haf­ten die Salz­kris­talle ohne zu klum­pen leicht zusam­men. Durch den Ver­zicht auf Auf­hel­ler kön­nen Fär­bun­gen von Weiß bis zu hel­lem Grau auf­tre­ten, abhän­gig von Was­ser­qua­li­tät und Sorg­falt bei der Ernte. Aber: graue Farbe allein gibt kei­nen Auf­schluss über die Qua­li­tät. So gefärb­tes Meer­salz kann auch aus maschi­nell bear­bei­te­ten Salz­fel­dern und/oder ver­schmutz­tem Was­ser stam­men. Daher ist die Her­kunft des Sal­zes wich­tig, denn wer will schon ein natur­be­las­se­nes Meer­salz zu sich neh­men, das aus ver­schmutz­ten Gewäs­sern stammt. Also „Augen auf“ beim Salz­kauf – und vor­her infor­mie­ren wel­che Küs­ten­re­gio­nen als unbe­las­tet gel­ten und ob der Erzeu­ger viel­leicht sogar ein Öko-Zertifikat hat (z.B. von von „Nature et Pro­grès” (Frankreich)).

Fleur de Sel (Flor de Sal)

Fleur de Sel (Salz­blume) kris­tal­li­siert als hauch­dünne Schicht an der Ober­flä­che der Salz­be­cken. Es bil­det sich nur bei Wind­stille und wird von Hand geern­tet (abge­schöpft), ist also rar und ent­spre­chend kostbar/teuer. Es hat einen gera­dezu schmel­zen­den Cha­rak­ter auf der Zunge und kann ohne Beden­ken als eigen­stän­dige Zutat auf den Tel­ler kommen.

Eine hüb­sche (aus Hygie­ne­grün­den aller­dings eher für den Pri­vat­be­reich geeig­nete) Insze­nie­rung ist auch, das edle Fleur de Sel in einem sepa­ra­ten Schäl­chen auf den Tisch zu stel­len. Da es sich auf­grund sei­ner Kon­sis­tenz leicht zwi­schen den Fin­gern zer­rei­ben läßt, kann jeder selbst nach Belie­ben wür­zen. Das macht Spaß und schmeckt ein­fach besser.

Ein Selbst­ver­such mit einem (sehr guten, fri­schen Bio-) Ei und den vier oben genann­ten Salz­sor­ten kann zu hoch­in­ter­es­san­ten geschmack­li­chen Erkennt­nis­sen füh­ren. Erst­klas­sige Kar­tof­feln und fri­sche (unge­sal­zene!) But­ter tun’s auch.

Gewürz­salze

Gewürz­salze sind Mischun­gen aus (zumeist) Spei­se­salz und Gewürz­pul­ver wie Knob­lauch, Ing­wer, Pfef­fer, Zwie­bel oder Sel­le­rie. „Zwi­schen den Wel­ten“ bewe­gen sich aller­dings aktu­ell im Trend lie­gende Mischun­gen mit z.B. Scho­ko­lade oder gemah­le­nen getrock­ne­ten Rosenblüten.

exo­ti­sche Salze

Dem aktu­el­len Inter­esse an Salz fol­gend, wer­den zuneh­mend auch unge­wöhn­li­che und exo­ti­sche Salze ange­bo­ten. Wer sich als Ken­ner aus­wei­sen will, der stellt dann auch schon mal das

  • leuch­tend rote hawaii­ani­sche Vulkan-Salz – Sel Hawai Alaea Rouge – (das seine Farbe von eisen­oxid­hal­ti­ger Vul­ka­nerde vom Alaea bekommt) oder
  • das von den Molokai-Inseln stam­mende Schwarze Salz – Hawaii Perle Noir – (Meer­salz mit Koh­le­na­tei­len) oder
  • das gra­phit­far­bene india­ni­sche Salish Alderwood-Salz (über Roter­len­holz geräu­cher­tes Meer­salz) oder
  • das zart­ro­sa­far­bene aus­tra­li­sche Mur­ray River Salz, das seine Farbe von win­zi­gen, darin ent­hal­te­nen Algen (Karotinen)erhält,

auf den Tisch. Neben der auf­fäl­li­gen Optik haben diese Salze natür­lich auch ihren jewei­li­gen indi­vi­du­el­len Geschmack…

Bezugs­quelle für sol­che Salze, die es nicht über­all gibt, ist z.B. gewürzamt.com oder das Pfef­fer­kon­tor.

9. April 2012
Dieser Beitrag wurde in Wissen veröffentlicht und getaggt , , , , , , . Kommentieren oder einen Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder weitergegeben.

Sie können diese HTML-Tags und -Attribute verwenden <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

  • Das aktuelle Heft

  • Anzeige

  • Schneller Teller

  • Kleinanzeigen

  • Neueste Kommentare