Kochkurs

Kochkurs: Oktopus

Pulpo kann wun­der­bar wei­ter­ver­ar­bei­tet wer­den, zum Bei­spiel kurz gebra­ten mit ver­schie­de­nen Gemüse

ATP0173 518x344 Kochkurs: Oktopus

Wie man den wohl zart bekommt?

Der Okto­pus, bekannt auch als Krake oder Pulpo, gehört in jeder Hin­sicht zu den bemer­kens­wer­ten Tie­ren. Pro­mi­nent wurde er im Laufe der Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft als Krake Paul, der die Spiele der deut­schen Natio­nal­mann­schaft kom­plett rich­tig vor­aus­sagte. Wobei das die Mathe­ma­ti­ker unter uns nicht beein­dru­cken kann: Die Chance dafür liegt mit 1?:?128 noch im Rah­men des Mög­li­chen. Dass die Kra­ken­pro­gno­sen bei der Euro­pa­meis­ter­schaft in zwei Jah­ren ebenso treff­si­cher sein wer­den, ist aller­dings eher unwahr­schein­lich. Womit wir tat­säch­lich beim Thema wären, denn auch in der Küche kann der Pulpo genauso leicht Voll­tref­fer wer­den, wie kom­plett dane­ben­ge­hen. Mal sehen, woran das liegt, und wie man die Quote ver­bes­sern kann

Mit dem Pulpo ist es wie mit dem Ouzo: In Grie­chen­land schmeckt er sen­sa­tio­nell, doch wenn man ihn zu Hause pro­biert, eher fad. Wäh­rend man den Ouzo aber noch irgend­wie run­ter­kriegt, kann der Krake durch Kochen oder Bra­ten so wider­stands­fä­hig und gleich­zei­tig elas­tisch wer­den, dass alles Kauen letzt­lich ver­ge­bens bleibt. Trotz­dem ist der Okto­pus, gerade weil er weder Fisch noch Fleisch ist, eine inter­es­sante Berei­che­rung auf dem Speisezettel.

Der Okto­pus gehört zu den Kopf­füßern, die wie­derum zu den Weich­tie­ren gehö­ren. Das bedeu­tet, er ist ver­wandt mit Muscheln und Schne­cken. Die haben ein soge­nann­tes Exos­ke­lett, näm­lich die Schale bezie­hungs­weise das Schne­cken­haus. Die Okto­po­den (das ist der kor­rekte Plu­ral) haben kein Ske­lett, höchs­tens noch einen klei­nen Rest, der dann im Kör­per­in­ne­ren steckt, den Schulp.

Wie der Name sagt, ver­fügt er über acht Arme, die rund um den Mund, der eher eine Art Schna­bel ist, ange­ord­net sind. Dar­über ist der Kopf, und dann gibt es noch den beu­tel­för­mi­gen Kör­per, in dem sich Kie­men, Her­zen (er hat drei) und andere Organe befinden.

Die Tiere sind erstaun­lich intel­li­gent und lern­fä­hig – bei der Bewäl­ti­gung von Laby­rint­hauf­ga­ben sind sie erfolg­rei­cher als viele Säu­ge­tiere. Eine Art sam­melt Kokos­nuss­scha­len, um sie als Haus zu benut­zen. In Gefan­gen­schaft ler­nen sie zum Bei­spiel, Schraub­glä­ser zu öffnen oder eben Fuß­ball­er­geb­nisse vor­aus­zu­sa­gen. Wäh­rend bei den Kal­ma­ren vor allem der Kör­per geges­sen wird, sind beim Okto­pus die Arme inter­es­sant. Sie sind aus vie­len Schich­ten sehr fei­ner Mus­keln zusam­men­ge­setzt, die von einem Netz aus Bin­de­ge­webe zusam­men­ge­hal­ten wer­den. Durch das Bin­de­ge­webe ähnelt das Fleisch eher dem von Land­tie­ren als dem von Fischen. Roh ist das Fleisch fest, dünn auf­ge­schnit­ten aber durch­aus zart, es hat einen inten­si­ven, flei­schi­gen Eigengeschmack.

ATP0173 518x344 Kochkurs: Oktopusplay Kochkurs: Oktopus
Tren­ner

Man kann es auch kurz bra­ten, aller­dings ist das ein ris­kan­tes Geschäft: Ab einer Tem­pe­ra­tur von etwa sech­zig Grad zieht sich das Col­la­gen, aus dem das Bin­de­ge­webe besteht, zusam­men und der Okto­pus wird zäh. Man kann dem etwas abhel­fen, wenn man ihn vor dem Bra­ten mit einem Fleisch­klop­fer weich klopft. In der Regel wird er aber gekocht, denn wenn das harte, was­ser­un­lös­li­che Col­la­gen über län­gere Zeit Tem­pe­ra­tu­ren über sech­zig Grad aus­ge­setzt wird, wird es zu Gela­tine. Die ist weich und was­ser­lös­lich und so wird, jeden­falls in der Theo­rie, wenn alles Col­la­gen umge­wan­delt ist, das Fleisch zart und köst­lich sein.

In der Regel wird der Pulpo in einem Sud weich gekocht. Etwas Salz und einige Gewürze sor­gen dafür, dass er nicht zu sehr aus­laugt, denn die Koch­zeit kann drei bis vier Stun­den betra­gen. Wich­tig ist, ihn bei mög­lichst klei­ner Flamme zu sim­mern, es soll­ten gele­gent­lich ein paar Bläs­chen auf­stei­gen, nicht mehr. Man muss ihn natür­lich lange genug kochen, aber auf kei­nen Fall zu lange, sonst wird der Pulpo schwam­mig und fase­rig. Hier und da wird vor­ge­schla­gen, einen Kor­ken mit ins Koch­was­ser zu geben, das würde per­fekte Ergeb­nisse quasi garan­tie­ren. Wer dran glaubt, mag das tun. Harold McGee, ein ame­ri­ka­ni­scher Wis­sen­schaft­ler, der eines der wich­tigs­ten Grund­la­gen­werke der Küche, On Food and Coo­king, geschrie­ben hat, erklärt, dass der Kor­ken ers­tens nur mit weni­gen Qua­drat­zen­ti­me­tern Kon­takt zum Was­ser hat und Kor­ken außer­dem gründ­lich ste­ri­li­siert und aus­ge­kocht wer­den, bevor sie in die Fla­sche kom­men, damit sie eben nicht mit dem Wein rea­gie­ren. Trotz­dem hat er den Ver­such gemacht und kei­ner­lei Unter­schied beim Kochen mit und ohne Kor­ken fest­ge­stellt. Ich glaube ihm.

ATP0355 278x417 Kochkurs: Oktopus

Und was man sonst so mit Okto­pus machen kann

Bleibt immer noch die Frage, wie der Pulpo weich wird. Eine ein­fa­che und prak­ti­ka­ble Lösung ist schmo­ren: mit Gemüse, Toma­ten und etwas Wein auf­gie­ßen und auf aller­kleins­ter Flamme drei Stun­den schmo­ren. Wer kein Pro­blem mit Fleisch hat, tut etwas Speck dazu. Das funk­tio­niert zuver­läs­sig, lässt aber keine wei­tere Ver­wen­dung des Pul­pos zu. Die Lösung, die McGee für das Garen des Pul­pos fin­det, ist ebenso nahe­lie­gend wie bril­li­ant: Er legt den Pulpo bei neun­zig Grad für meh­rere Stun­den in den Ofen. Dabei tritt eine nicht uner­heb­li­che Menge Was­ser aus, das in die­sem Fall aber nicht ver­lo­ren ist: Der Sud schmeckt inten­siv flei­schig nach Pulpo und nach Meer, er kann vor­züg­lich ein­ge­kocht und als Grund­lage für eine Sauce ver­wen­det werden.

Das wirk­lich opti­male Ergeb­nis erzielt man aller­dings mit der Sous-vide-Methode. Dafür wird der Pulpo mit etwas Oli­venöl in einen Vaku­um­beu­tel ein­ge­schweißt und zehn Stun­den lang bei sieb­zig Grad gegart. Dabei tritt nur wenig Saft aus, weil die Tem­pe­ra­tur hoch genug ist, damit das Col­la­gen sich in Gela­tine umwan­delt, aber nicht so hoch, dass es sich zusam­men­zieht und die Flüs­sig­keit aus dem Fleisch drückt. Der gegarte Pulpo kann anschlie­ßend wun­der­bar wei­ter­ver­ar­bei­tet wer­den, zum Bei­spiel gebra­ten kurz mit ver­schie­de­nen Gemü­sen im Wok oder ein­ge­legt als pikan­ter Snack für heiße Sommerabende.

Rezepte

Ein­topf vom geschmor­ten Pulpo
Pulpo mit Cho­rizo, Fen­chel und Toma­ten
Ein­ge­leg­ter Pulpo nach grie­chi­scher Art

Text: Vijay Sapre
Fotos: Andrea Thode

aus Effi­lee #12, September/Oktober 2010

19. Oktober 2010
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Kochkurs und getagged , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

3 Kommentare

  1. joethebest
    Erstellt am 17. März 2011 um 15:36 | Permanent-Link

    10Stunden bei 70° C –Ich glaub es hackt!
    /Bemerkung zur Umstruk­tu­rie­rung der Seite:
    Schade, ein gro­ßer, gro­ßer Schritt rück­wärts. Lei­der blass und lang­wei­lig gewor­den!
    –Hatte doch alles vor­her gestimmt.

  2. Arnold
    Erstellt am 18. März 2011 um 22:36 | Permanent-Link

    Bild 10 ist nicht der Ein­topf. Mar­git Kunzke hatte mal dar­auf hin­ge­wie­sen, dass bereits tief­ge­fro­re­ner Pulpo zar­ter wird. Ein Tipp, den man nicht igno­rie­ren sollte.

  3. Susi Wilkat
    Erstellt am 22. März 2011 um 09:06 | Permanent-Link

    @Arnold: Danke für den Hin­weis. Das Bild 10 war dop­pelt in der Gale­rie, des­halb haben wir es jetzt gelöscht.

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

*
*

Du kannst diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Anzeige

  • Jetzt im Handel

  • Kleinanzeigen

  • Schneller Teller

  • Neueste Kommentare


  • RSS Feeds