Schlossberg Spätburgunder Großes Gewächs

Bernhard Huber – Schlossberg Spätburgunder Großes Gewächs – Malterdingen, Baden

 
Stuart Pigott bezeichnet seine Art über Wein zu schreiben als Gonzo-Weinjournalismus. Sein aktuelles Buch heißt Weinwunder Deutschland

Manche Verehrer des burgundischen Rotweins sagen, er sei so großartig, weil er quasi nur aus Terroir-Charakter (dem Geschmack des Ortes) bestehe. Halleluja! Um ehrlich zu sein, die allermeisten gelungenen burgundischen Rotweine, denen ich begegne, bestechen mit feiner Fruchtaromatik und eleganten Tanninen, doch eine mineralische, also salzige Note im Nachgeschmack fehlt ihnen. Da sogar Ausreden gefunden werden, wenn ein 2006 Echézeaux Grand Cru von Romanée Conti (Mindestpreis 350 Euro) ziemlich grün und mager schmeckt, versteht sich das für kleine Sünden wie fehlende Mineralik beinahe von selbst. Nichts gegen die wahrhaft genialen roten Burgunder, aber es gibt immer noch mehr Mythen als echten mineralischen Geschmack.

Die Spätburgunder-Rotweine von Bernhard Huber wurden oft und stark gelobt, und die Preise sind keine Schnäppchen, aber was müsste ich für einen roten Burgunder zahlen, der so viel Feinheit und ein so lang anhaltendes salzig-mineralisches Finale hat wie der 2007er Schlossberg Großes Gewächs von Huber? Mindestens hundert Euro mehr. Der Schlossberg duftet überaus fein nach Waldbeeren, er ist richtig konzentriert, hat kraftvolle, aber geschliffene Tannine und eine delikate Süße. Er schmeckt aber keinesfalls wie eine Kopie eines roten Burgunders, sondern verwirklicht die burgundische Idee im Hecklinger Schlossberg im Breisgau/Baden. Danach schmeckt dieser Wein. Was will man mehr?

48 Euro bei www.weingut-huber.com

Text: Stuart Pigott

aus Effilee #12, September/Oktober 2010

Aus Effilee #12, Sep/Okt 2010
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