Riesling sur lie 2009

Weingut Günther Steinmetz – Riesling sur lie 2009 – Bernkastel, Mosel

 
Mario Scheuer­mann gehört zum Urgestein des deutschen Weinjournalis­mus und ist ganz vorn, wenn es um Wein im Internet geht: drinktank.blogg.de

Kürzlich bekam ich einen Moselwein in die Hand, der mich schon wegen des Etiketts neugierig werden ließ. Neben der Lagenangabe, der Sorte Riesling und der Qualitätsstufe Spätlese stand da klein und in Anführungszeichen sur lie – das kennt man sonst nur von Muscadet an der Loire oder von einigen Gutedels im Markgräflerland und vor allem von Fendants aus der Schweiz. So wird der längere Ausbau auf den dem Wein eigenen Feinhefen bezeichnet, der im Endprodukt eine feine Gärkohlensäure zurücklässt. Und genau das hat Stefan Steinmetz (31) aus Bernkastel mit diesem Wein gemacht, dazu spontan vergoren, aber nicht im Stahltank, sondern in einem traditionellen Fuder-Fass (1000 Liter).

Das Ergebnis ist ein reicher, komplexer Riesling, der so gar nichts mehr gemein hat mit der 08/15-Moselstilistik mit Pfirsichfrucht und Zuckerschwänzchen. Das Lesegut stammt aus der Lage Geierslay. Die ist weitgehend unbekannt, liegt aber direkt südlich der bekannten Lage Großer Herrgott. Die Böden bestehen aus Schieferverwitterung, die stark mit Quarzit versetzt ist, was sich in dem Wein mit einer charakteristischen Kiesel­säure-Mineralität bemerkbar macht. Zusammen mit den Noten, die von der spontanen Vergärung und vom Hefeausbau herrühren, ergibt das ein vielschichtiges Bukett. Am Gaumen ist das ein sehr charaktervoller, markanter Wein, der kaum primäre Frucht­aromen zeigt, sondern Mineralität und Würze – das wahre Gesicht des Rieslings also.

8,50 Euro bei rieslinghaus-bernkastel.de

Text: Mario Scheuermann

aus Effilee #12, September/Oktober 2010

Aus Effilee #12, Sep/Okt 2010
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