Riesling Spätlese Saar­burger Rausch

Weingut Forstmeister Geltz-­Ziliken – Riesling Spätlese Saar­burger Rausch – Saarburg, Saar

 
Hendrik Thoma ist einer der bekanntesten deutschen Sommeliers. Er lebt in Hamburg und macht unter www.tvino.de Internetfernsehen

Bisher habe ich die feste Meinung vertreten, dass Rieslinge von der Saar reifen müssen. Sie haben besonders in ihren Flegeljahren eine jugendliche aggressive Säure, häufig ein unausgewogenes Verhältnis von Süße und Säure und zeigen jung kaum etwas von ihrer filigranen, begeisternden Schiefermineralität.

Ich bin mal wieder eines Besseren belehrt worden. Der Tatort war Hamburg-Eppen­dorf, genauer im Restaurant Poletto zur Mittagszeit. Zum Apéro wurde uns ein Riesling mit moderatem Alkohol und zarter Restsüße angeboten. Eigentlich sollte es bei einem Glas bleiben, denn fruchtiger Wein passt nicht unbedingt zu jedem Essen.

Doch die Fließgeschwindigkeit dieses Tropfens war so phänomenal, dass die Flasche innerhalb kürzester Zeit leer war. Einer der besten jungen Rieslinge die ich seit langem auf die Zunge bekommen habe. Klassisch, rassig, brillant und mit einem Feuerwerk an reifen Fruchtnoten von Weinbergspfirsich bis zu Mango. Unter der jugendlichen Nase erahnt man die pulsierende Mineralität. Eine Provokation aus traubiger Süße und einer stählernen Frische mit einem nicht enden wollenden, fruchtsüßen Geschmack. Wer gibt schon zu, dass fruchtige Süße etwas sehr anziehendes hat. Dabei ist ehrlich zu sich selber zu sein eine der wichtigsten Regeln beim Weinkonsum. Was hat neulich eine bekannte Winzerstochter gesagt? Mit so einem Wein trinkt man sich nach einer schweren Rotweinprobe wieder nüchtern.

20,50 Euro bei www.zilliken-­vdp.de

Text: Hendrik Thoma

aus Effilee #11, Juli/August 2010

Aus Effilee #11, Jul/Aug 2010
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