2001 Château Joanin Bécot

Juliette Bécot – 2001 Château Joanin Bécot – Côtes de Castillon, Frankreich

 
Sebastian Bordthäuser schreibt über Wein, Sake und Cocktails und ist Sommelier in Steinheuers Restaurant
Sebastian Bordthäuser schreibt über Wein, Sake und Cocktails und ist Sommelier in Steinheuers Restaurant

Weine aus Bordeaux braucht kein Mensch, hörte ich neulich raunen, der Untergang des Bordelaiser Systems wurde im gleichen Atemzug prophezeit. Dieses fiel mir wieder ein, als ich eine Flasche des herrlichen Joanin Bécot öffnete. Juliette Bécot, Tochter von Gérard Bécot vom bekannten Château Beau-Séjour Bécot aus Saint-Émilion, wollte sich den Traum vom eigenen Wein erfüllen. Die Latifundien in den klassischen Apellationen Bordeaux’ sind jedoch verteilt und darüber hinaus sehr teuer. Also suchte sie ein kleines Stückchen Land in der Nähe von Saint-Émilion und wurde in Saint-Philippe-d’Aiguille fündig. Die Gemeinde gehört zu den Côtes de Castillon, Joanin ist der Name der Lage, Bécot der Familien­name. Auf 6,5 Hektar stehen 35-jährige Rebstöcke. Der Wein besteht aus 75?% Merlot und 25?% Cabernet Franc. Das Terroir ist dem des Plateaus von Saint-Émilion ähnlich: Kalkige Böden mit Lehmtopping. Strenge Selektion des Rebmaterials und geringe Erträge sorgen für einen dichten, extrakt­reichen Wein. Keine klassische Bordeaux-Stilistik, sondern recht modern, mit reichlich Fleisch auf den Rippen. Dunkle Beeren, Brombeere, Blaubeere, Graphit und Erde, aber auch Leder, Holz und ein bisschen Schoko. Im Mund spüre ich dann aber doch die Herkunft, straffe Säure balanciert den dichten Extrakt und verträgt sich ganz hervorragend mit meinem Entrecôte nebst Rotweinschalotten. Fleisch und Wein: neue Sachlichkeit. Ich brauche das, dachte ich, als sich die Flasche langsam, aber sicher, leerte.

17,50 Euro bei www.bacchus-vinothek.de

Text: Sebastian Bordthäuser

Effilee #8, Januar/Februar 2010

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