Was haben Sie gestern gegessen?

Lisa Lieb erzählt, was eine Schwangere im neunten Monat isst.

 
Rechteinhaber: Andrea Thode, Lizenzvereinbarung: Nutzung nur auf Effilee

Lisa Lieb ist im neunten Monat schwanger. Es ist ihre zweite Schwangerschaft, und noch ist sie ganz gelassen. Auch ihr Speiseplan hat sich in den letzten Monaten nur wenig verändert

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Lisa Lieb hat gut lachen – sie kann ohne schlechtes Gewissen für zwei essen

Zum Glück ist mein zweijähriger Sohn gestern etwas später aufgewacht als sonst, es war nämlich Sonntag. Um acht Uhr hat er mich geweckt, und ich habe uns Frühstück gemacht. Mein Mann durfte etwas länger schlafen, weil er gerade sehr viel arbeiten muss, er hat vor Kurzem ein Café übernommen. Ich selbst koordiniere für die Hamburger Universität interkulturelle Beratungsprogramme und Veranstaltungen für die Studenten. Zum Frühstück gab es gestern Toast. Ich habe eins mit Lachs und Tomaten gegessen und eins mit kräftigem Schnittkäse und Honig. Diese Kombination schmeckt mir auch, wenn ich nicht schwanger bin. Am Anfang der Schwangerschaft hatte ich kaum Appetit, ich habe sogar zwei, drei Kilogramm abgenommen. Jetzt, gegen Ende, überfallen mich immer öfter Hungerattacken. Wahrscheinlich, weil das Kind noch einmal ordentlich zunimmt und Nahrung braucht. Ich könnte zwei Tafeln Schokolade essen oder einen halben Kuchen. Ich hätte auch kein Problem damit, ein Leberwurstbrot und ein Nutellabrot hintereinander zu verputzen. Ich versuche aber, viel Frisches zu essen. Manchmal gibt es trotzdem Nudeln mit Pesto, weil sich das Hungergefühl oft sehr plötzlich einstellt und ich ganz schnell etwas haben muss. Dann nehme ich, was gerade da ist. Gestern Mittag haben wir die Reste vom Vortag aufgegessen, Scampi und verschiedene Gemüse – Kohlrabi, Paprika, Möhren und Erbsen –, mit Bulgur in einem Topf vermischt. Es ist nicht ganz leicht zu kochen, wenn ich mich gleichzeitig um meinen Sohn kümmern muss, also koche ich oft eine große Portion, die für zwei Tage reicht. Nach dem Essen habe ich meinen Sohn schlafen gelegt, und weil ich schon wieder hungrig wurde, habe ich mir ein Müsli mit Obst gemacht. Dann habe ich mich auch hingelegt und bis drei Uhr geschlafen.

Nachmittags bin ich zu meinem Mann ins Café gefahren, um mir den Senioren-Tanz anzuschauen. Die Herren dort hatten unglaublich höfliche Umgangsformen. Ich habe einen Erdbeer-Rhabarberkuchen gegessen, mit ganz viel Sahne, außerdem ganz viele Salzstangen. Als ich abends nach Hause kam, war ich eigentlich satt.

Ich habe meinen Sohn ins Bett gebracht, das hat sich bis neun Uhr hingezogen. Später habe ich mir zwei Scheiben Brot mit Lachs, Tomaten, Käse und Schinken gemacht. Dazu gab es Gurke und Tomaten, alles auf einem großen Teller.

Ich trinke zur Zeit vor allem Wasser und Saftschorle aus Mineralwasser mit Holunderblütensirup. Ab und an gönne ich mir Kaffee oder, wenn es ein schönes Essen gibt, sogar mal ein Glas Wein. Aber nur ein kleines, damit habe ich kein schlechtes Gewissen.

Text: Maike Steenblock
Foto: Andrea Thode

aus Effilee #12, September/Oktober 2010

Aus Effilee #12, Sep/Okt 2010
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