Vin Santo 2004

Castello di Brolio – Vin Santo 2004 – Toskana, Italien

 
Hendrik Thoma ist einer der bekanntesten deutschen Sommeliers. Er lebt in Hamburg und macht unter www.tvino.de Internetfernsehen

Der Vin Santo, der heilige Wein, wird leider nur noch selten in der ganz klassischen Ausbauweise hergestellt. Die spät gelesenen Trebbiano- und Malvasiertrauben werden dafür an einer luftigen Stelle, meist auf dem Dachboden, getrocknet. Das passiert irgendwann von Ende November bis zur Karwoche, der Settimana Santa, von der auch sein Name stammt. Dann wird der Most aus den geschrumpften Beeren in kleine Eichenholzfässer, die Caratelli, gefüllt. Jetzt wird Madre, das ist der Bodensatz aus dem Wein des vorherigen Jahres, hinzugefügt. Die darin enthaltenen Hefen verleihen dem Vin Santo seinen eigentümlichen Geschmack.

Er reift mehrere Jahre und wird starken Temperaturschwankungen ausgesetzt. Im Winter fallen die Trübstoffe aus, im Sommer verdunstet ein Teil des Weines durch die Poren des Holzes. So oxydiert der Wein langsam. Jedes Fass entwickelt sich anders und nicht selten verdirbt ein Teil der Produktion.

Der 2004er Vin Santo vom alteingesessenen toskanischen Weingut Castello di Brolio ist einer der besten, die ich je gekostet habe. Leuchtendes Bernstein, getragen von einer rassigen Säure, die durch eine feine delikate Süße ausbalanciert wird. Sein Duft variiert zwischen gerösteten Nüssen, Walnüssen, Rauch, gekochten Äpfeln, getrockneten Rosen, Zedernholz, hellem Tabak, Haferflocken, Kräutern, englischer Orangenmarmelade, Aprikosen und Waldhonig. Wenn er so bernsteinfunkelnd im Glas blitzt, möchte man am liebsten ein Adjektivgeschäft aufmachen.

29,50 für 0,375 l bei www.rebsaal.de

Text: Hendrik Thoma

aus Effilee #13, November/Dezember 2010

Aus Effilee #13, Nov/Dez 2010
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