Vigna Flaminio Brindisi rosso 2007

Agricole Vallone
Apulien, Italien

 

Zu italienischen Weinen habe ich ein gestörtes Verhältnis. In den Achtzigern habe ich sie geliebt, in den Neunzigern wurden sie mir zu teuer, und im letzten Jahrzehnt sind sie fast völlig aus meinem Keller verschwunden. Fast! Denn hier und da gibt es sie noch, die Widerstandsnester gegen die stilistische Langeweile, die von den überall gleichen önologischen Beratern und ihren populistischen Berlusconi-Weinen ausgeht.
Zum Beispiel Vallone aus Apulien. Das Gut bringt Weine hervor, von denen ich mich auf eine sehr persönliche Weise angesprochen fühle. Das ist authentisches Süditalien: nicht unbedingt mit dem letzten Quäntchen Raffinesse, aber mit einer in Katholizismus getränkten Ernsthaftigkeit, mit einem Stolz auf das Eigene und mit einer Würde, von dem sich mancher hippe Drei-Gläser-Wein eine Scheibe abschneiden kann.
Vigna Flaminio ist ein Roter auf Basis des Ertrags alter Buschreben der Sorte Negroamaro. In deren typische Kirschfrucht mischen sich Aromen von Salbei und macchia, am Gaumen fließt der Wein saftig und durch und durch mineralisch. Er hat das richtige Maß an Gerbstoff und endet mit einer feinen, auf delikate Weise angenehmen Bitternote. Alko­hol hat er weniger als die meisten modernen Chianti: 13 Prozent. Als Speisenbegleiter hat dieser rote Alltagswein die wunderbare Eigenschaft, sich nicht in den Vordergrund zu drängen. Zu gekräutertem Lamm passt er hervorragend, und ich kenne kein besseres Getränk zu einem Teller Pasta mit Olivenöl und Artischocken.

Kaufbar: 8,20 Euro bei www.garibaldi.de

Text: Ulrich Sautter
Aus Effilee #15, Mär/Apr 2011
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