The Trans-Siberian Issue

Die Zukunft der guten Zeitschrift ist das verkappte Buch, und dieses neue Food-Heft aus New York geht mit gutem Beispiel voran. Wo auch immer man das halbjährlich als Hardcover im Heftformat erscheinende Magazin aufschlägt, erwartet einen das Abenteuer. Und das liegt nicht nur daran, dass diesmal die Route der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau über Ulan-Bator bis nach Peking aus der Sicht des Foodies abgefahren wird. Hier geht es einfach zur Sache! Wie ist die gastronomische Lage in Zentralasien? »Auch wenn die Mongolei seit langem eine friedliche Nation ist, ist ihre ›Cuisine‹ (falls man sie in aller Freundlichkeit so nennen will) eine Aneinanderreihung von Provoka- tionen und brutalen Angriffen auf den Gesichtssinn, die Geruchs- und Geschmacksnerven.« Und wie sieht es bei den Russen aus? »Sie scheren sich nichts ums Essen. Es ist ihnen egal, womit sie ihren Bauch füllen, ob mit Schokolade oder Scheiße – für sie ist es dasselbe.« Aber man muss sie gar nicht lesen, die Geschichten über Mongolen, die Murmeltiere mit dem Bunsenbrenner zubereiten, und wie man in Peking als Punk ein Lokal betreibt. Es reicht ein kurzes Blättern, um überwältigt zu sein: von den riesigen Bildern des chinesischen Künstlers Zhang Jianjun, der verlassene Tische malt, von den bröckelnden Teeziegeln, die früher in Ostasien als Zahlungsmittel genutzt wurden, von den vielen bunten Produkten, die entlang der Strecke gekauft wurden. Und in die Mongolei muss man nach dem Lesen auch nicht mehr fahren. Uff, danke!

Swallow Magazine, The Trans-Siberian Issue, Swallow Publications 2010, 25 US-Dollar

Text: Peter Lau

aus Effilee #13, November/Dezember 2010

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