Restaurantkritik: The Clove Club in London EC1V 9LT, United Kingdom

  • Autor: Stefan Chmielewski

Der Traum des Hobbykochs: Aus einer Art Supperclub wird Platz 26 der welt­besten Restaurants. Dort feierte schon René Redzepi am Herd bei einer After-Show-Party seinen Aufstieg zur Nummer eins der vermeintlichen Weltrangliste. Eine gute Portion Hype also, und im düsteren, recht puristisch eingerichteten Gastraum ist es bumsvoll. Hinterm Tresen der offenen Küche stehen Profi­köche Schulter an Schulter. Zeit, den Traum zerplatzen zu lassen: Einer der drei Gründer, Küchenchef Isaac ­McHale kochte zuvor im Ledbury und im Noma, also alles andere als Amateurliga. Das hätte man schon beim Einstieg mit Buttermilk Fried Chicken und einem Haggis Doughnut kaum mehr vermutet. Die Vorspeise, geflämmte Makrele, Senf und Gurke, klingt wie ein Gericht, das man so oder so ähnlich kennt, schmeckt aber ganz anders. Vielleicht ist es der Fisch aus Cornwall oder der englische Senf: Hier wird regional, gemüselastig und modern gekocht, ganz entsprechend den aktuellen Trends. Dabei geht es schmackhaft, unterhaltsam, informiert, aber nie belehrend zu. Seinen Höhepunkt erreicht das Menü dann bei einer in Heu trockengereiften Ente mit fermentiertem Kohl. Der Gang wurde zuvor von einer traumhaften Enten-Consommé mit hundert Jahre altem Madeira passend eingeführt. Ein köstliches Plädoyer für mehr Suppen als Brücke zum Fleischgang! Weil es obendrein noch zwei verschiedene Weinbegleitungen und gute Drinks gibt, bleibt als Fazit, dass bei allem Lärm hier kulinarische Substanz herrscht.

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The Clove Club: Modern, britisch und gut: Hype und Qualität schließen sich im Clove Club nicht aus

The Clove Club


London EC1V 9LT
Shoreditch Town Hall, 380 Old St
United Kingdom
www.thecloveclub.com

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