Tantris

Nils Schiffhauer im November 2016: Arschteures Super-Soulfood, das jedem verständlich erscheint, dennoch manche Tiefen bietet. Den Gästen zurufend: „Mehr Mut, Münchner Millionäre!“

 

Hat Wiko seine Hüfte trotz Geld und Zeit immer noch nicht machen lassen? So erkenne ich selbst aus dem Augenwinkel, dass Martin Winterkorn ins Rot des Raumes humpelt. Gibt ja nicht nur Wolfsburg, sondern auch München. Acht Haas-Gänge, die in den Vorwegs (Sardine!) mehr Mut zeigen als danach, wenn bekannte Bilder von Aromen und Texturen in nur behütetem Rahmen erweitert werden; bei höchster Qualität von Produkt und Handwerk, wie es der lauwarme Hummer im Krustentiergang zelebriert. Huchenfilet mit sensationell eingebundenem Holunderblütenaroma. Herrlich weich konfierte Seppioline mit hafenhaften Sepianudeln. Zur Seezunge mischten sich eher geschmacksneutrale Saubohnen und Erbsenpüree in einem Limonenfond mit dem Salzgehalt fast des Toten Meeres. Entenraviolo mit knuspriger Füllung, gebratene und leicht verknorpelte Leber; sehr klassisch ohne jede Asianote. Zwei Riesenmedaillons vom Rehrücken, gerade noch sensibel mit u. a. Wacholder gewürzt, mit Pfifferlingen und Steinpilzen, deren Aroma wie Textur und Zubereitung gottähnlich. Endlich mal wieder Tonka bei den Erdbeeren und abschließend drei Eisnocken Kokos, Kakao und, mein Favorit, Sauerkirsche: bon. Einer der durchaus raren Fälle, in denen ich die Küche als solche wohl zu würdigen weiß, wenngleich sie nicht so ganz my cup of tea ist.

Arschteures Super-Soulfood, das jedem verständlich erscheint, dennoch manche Tiefen bietet. Den Gästen zurufend: „Mehr Mut, Münchner Millionäre!“
Tantris
Johann-Fichte-Straße 7
80805 München
Deutschland
www.tantris.de
Aus Effilee #38, Herbst 2016
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