Stüva

Moritz Honert im März 2017: Durchaus rasant dargeboten, aber manchmal wünscht man sich ein Bremspedal

 

In Hörweite der berüchtigten Aprés-Ski-Hölle Kuhstall liegt das Stüva: Auch hier tragen die Kellnerinnen Dirndl, auch hier wurde viel Holz verbaut, aber ansonsten trennen Welten die beiden Lokale. Als urig-kühl könnte man es beschreiben.

Dem ersten Gruß aus der Küche, einem Gurkengelee mit Fischrogen, fehlte noch etwas Säure, aber spätestens mit dem zweiten, einem frittierten Shrimpkopf auf Flusskrebstatar war klar, dass der 28-jährige Küchenchef seinem Ruf gerecht wird. Um sich vorzustellen, wie die Kombination schmeckt, schließe man die Augen, stelle sich die besten Pommes-Majo vor, die man je gegessen hat, und potenziere das mit zehn. Der folgende Seesaibling mit Enzianschaum? Butterzart. Der Fenchelflan mit Kaviar und Muscheln? Cremig-salziges Glück.

Vergleichsweise nüchtern erschien dann der an sich tadellose Hauptgang, das rosa Wagyu-Rind mit quadratisch geschnitzten Bratkartoffeln und Pfeffersauce. Sehr erfreulich wieder der Dessert-Doppelschlag, bestehend aus einer Art dekonstruiertem Apfelstrudel und einem Schokotürmchen, auch wenn man bei Letzterem von der angekündigten Bergamotte wenig merkte. Egal: So weit, so wunderbar. Leider ging es aber dann noch weiter: mit einem sowohl optisch, konzeptuell wie dramaturgisch irritierenden Rausschmeißer in Form einer Schoko-Glückskatze mit Fruchtfüllung und einem Buddha aus weißer Schokolade, der noch mächtiger war, als er aussah. Das war dann doch etwas zu viel des ansonsten mehr als Guten.

Durchaus rasant dargeboten, aber manchmal wünscht man sich ein Bremspedal
Stüva
Hotel Yscla, Dorfstraße 73,
6561 Ischgl
Österreich
www.yscla.at
Aus Effilee #40, Frühjahr 2017
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