Restaurantkritik: Restaurant am Kamin

Chefkoch: Sven Nöthel


Von , veröffentlicht am

Das Restaurant Am Kamin in Mülheim ist einer der Hotspots im kulinarisch sonst chronisch unterversorgten Ruhrgebiet. Komischerweise weiß das kaum jemand, weshalb es immer noch als Geheimtipp gilt. Was Sven Nöthel dort mit seiner Gang auf die Teller bringt, ist von großartiger, präziser Sachlichkeit unter größtmöglichem Verzicht auf die Infantilisierung des Geschmacks. Sprich: pure Produkte, geschickt aufeinander abgestimmt ohne die immer öfter zu gewärtigende süße Komponente. Die Taubenbrust selbst sorgte in dem exzellenten Gang mit Rettich und Radieschen und Grapefruit für die Süße, das Wurzelwerk sorgte pikant für Schärfe, die dorthin gehörte. Grapefruit gab Frucht und Saft. Auch Flusskrebse, Petersilie und Trüffel laufen zu neuer Höchstform auf, bevor sie als reverse Version nach dem Hauptgang als Pre-Dessert nochmals auftauchen. Eine mutige, höchst durchdachte und vor allem perfekt umgesetzte Art, für die es kein Beispiel gibt. Chefin und Köche bringen das Essen an den Tisch, die meisten Gäste nehmen das Menü, das in drei verschiedenen Größen angeboten wird, das große Acht-Gänge-Menü zum Schnapper von 99 Euro.

Eine Weinkarte gibt es nicht, und das ist in Zeiten, in denen die Leute eh nur noch begleitend trinken, auch sinnvoll, statt für horrendes Kapital aus musealen Gründen Weinnamen auf Büttenpapier zu drucken. Die Weine sind ausnahmslos auch für Fortgeschrittene mehr als zufriedenstellend, ebenso wie die perfekt abgestimmten alkoholfreien Begleiter. Hinfahren, aufessen!

4

4 von 5 in seiner Kampf­klasse mit Bonus-Sympathiepunkt

Restaurant am Kamin

Striepensweg 62
45473 Mülheim/Ruhr
Deutschland

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.