Restaurantkritik: Königshof in , Deutschland

Seit ein paar Jahren herrscht in der einst so braven Münchner Restaurantszene beste Aufbruchstimmung, allenthalben scheint es eine spannende Neueröffnung zu geben. Da wirkt das Gourmetrestaurant im Traditionshotel Königshof wie ein Fels in der Brandung: ein Münchner Klassiker, der mit seinem herrschaftlichen, leicht angestaubten Ambiente ein bisschen wie aus der Zeit gefallen anmutet, kulinarisch aber nie gestrig wirkt. Im Gegenteil: Martin Fauster, Küchenchef seit zwölf Jahren, konzipiert seine Gerichte mit einem Purismus, der heute wieder sehr zeitgemäß wirkt. Das zeigt sich schon bei einem Gaumenschmeichler aus Auster, Ingwer und Rhabarber, ein Dreiklang, der sich forciert anhört, sämtlichen Zutaten aber faszinierend neue Seiten abgewinnt. Auch bei größeren Gerichten braucht Fauster nicht mehr als drei, vier Komponenten, um zu begeistern. Sei es bei einem wunderbar klar strukturierten Wolfsbarsch mit Fenchelvariation und Stabmuschel oder einer sensationell süffigen Aalrutte mit ihrer Leber, Blaue-Elise-Gnocchi, Pfifferlingen und brauner Butter – hier wie da gelingt der Küche dank pfiffiger Ideen wie der Leber oder einem Fenchel-Buttermilchfond zum Barsch jener kleine Kniff, der aus exzellentem Handwerk ein zutiefst befriedigendes Geschmacks-erlebnis macht. Mit scheinbar müheloser Souveränität zeigen Fausters Kreationen, wie zukunftsweisend es sein kann, Traditionelles einfach ein bisschen neu zu denken.

  • Autor: Kai Mihm
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