Restaurantkritik: Il Ridotto, Venedig, Italien


Chefkoch: Gianni Bonaccorsi, Murshedul Haque
Eins der sieben Sternerestaurants von Venedig, reduziert auf das Wesentliche, nämlich feine, behutsam modernisierte italienische Küche in hellem, sachlichem Ambiente und mit wenigen Plätzen. Mittags wird ein Dreigänge-menü zu einem sensationellen Preis von 28 Euro (abends dann fünf Gänge 75–80 Euro) angeboten, aber auch dafür sind die Tische hochbegehrt. Als Vorspeisen kommen über schwarzem Tee geräucherte Karotten mit Jakobsmuscheln oder -fabelhafte, leicht angebratene Langustinen mit Mandeln und Blumenkohl, Sardinen als Sandwich mit einem ganz leichten Anklang an das traditionelle sarde in saor (also mariniert mit Zwiebeln und Rosinen) oder fein geschnittener Pulpo mit feinen Gemüsen. Einige Gerichte wechseln saisonal – so war ein herbstliches Zwischengericht ein sehr sättigendes Risotto mit Esskastanien und kleinen Würfeln von Rübchen und Sellerie. Alternativ dazu findet man Pastagerichte z. B. mit Seeigeln oder klassisch mit Anchovis oder vegetarisch. Bei den sechs à la carte Hauptgängen stehen neben Fleisch die typischen Mittelmeerfische, leicht und variantenreich begleitet von Muscheln, saisonalen Gemüsen oder auch einem Stockfischpüree. Höhepunkt des Abends war eine Taube, sanft gebraten, die Keule knusprig gegrillt, dazu Stopfleber, Kirschen und ein Raviolo mit den Innereien. Kaum schlechter war Milchferkelfilet mit Bohnenpüree, Himbeeren und einem konzentrierten, hellen und klaren Jus – zum Auslöffeln! Klassische Weinkarte, mehrsprachiger, dezenter und hilfsbereiter Service.
Hinrich Sudeck

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