Restaurantkritik: Hexagone in Paris, Frankreich,

Während sein Vater Bernard Pacaud mit dem legendären Dreisterner L‘Ambroisie an der noblen Place des Vosges residiert, hat Mathieu Pacaud sich für sein erstes eigenes Restaurant eine kaum weniger edle Adresse ausgesucht: In der vornehmen Avenue Kléber serviert er im Hexagone französische Klassiker, die er zeitgemäß interpretiert – so zumindest die Idee. Die Realität sieht leider weniger spannend aus. Da werden Jakobsmuscheln mit plumper Nusskruste und fad angemachtem Friséesalat serviert; ein Rinderfilet Rossini mit gebratener Foie gras punktet mit exzellenten Produkten, hat aber kompositorisch nichts von der Eleganz, die man dieser Kombination entlocken kann. Es schmeckt nicht einmal opulent, sondern einfach nur wuchtig. Eine Frechheit ist das Dessert aus einer Unmenge bröselig-trockenem Baiser mit einer Handvoll Walderdbeeren und etwas Sahne – in jeder Pariser Konditorei bekommt man spektakulärere Kreationen. Es gibt auch Lichtblicke, etwa ein pochiertes Ei mit hochfeinem Kresse-Erbsencoulis, Spargel und Kaviar. Bezeichnenderweise handelt es sich dabei um die Variation eines Klassiker aus dem L’Ambroisie. Allerdings scheint die Rechnung von Pacaud junior aufzugehen: Der Laden brummt, vor allem für die Geschäftsleute aus den umliegenden Büros ist das glatt gestaltete Hexagone ein beliebter Anlaufpunkt. Für alle anderen gibt es in Paris bessere (und günstigere) Optionen, als zwischen dunklen Nadelstreifenanzügen uninspirierte Menüs zu essen.

  • Autor: Kai Mihm
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Hexagone


Paris, Frankreich
www.hexagone-paris.fr

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