Hanmi

Nils Schiffhauer im November 2016: Man sitzet stumm und staunet. Einer meiner Lieblingsplätze, nicht nur in Hamburg

Sterneküche hat ja auch was von Mengen-rabatt: 20 Teller zu je 10 Euro – weißte Bescheid? Aber an noch mehr Tagen möchtest du ja ein Mittagessen zum Preis eines halben solchen Tellers haben. Da hab ich was: drei Vorspeisen, Suppe, ein Hauptstück und noch Dessert, komplett zu 10 Euro. Bei mir kamen noch zwei Bitburger bei diesem Koreaner dazu, schon dessen kantinenartiges Ambiente absolut landestypisch ist. Landsleute stehen am Herd, arbeiten im Service, sitzen am Tisch und schaufeln -herzhafte Leckereien in sich hinein. Kartoffeln mit warmweichem Pulpo, Spinatblätter, gesprenkelt von weißem Sesam und Kimchi, diese hier selbst angesetzte fermentierte und scharfe Weißkohlköstlichkeit, machten den Anfang. Eine recht klare Suppe ließ mit wohliger Schärfe, etwas Rauch und subtilen Kohlrabischeiben die Geschmacksknospen aufblühen für heute. Desi Bulgogi: brodelnd in einer Eisenkumme dünnst geschnittener und herrlich ausgebratener Schweinebauch, Kohl, Spitzpaprika, Frühlingszwiebel, was alles durch eine geheimnisvoll-pastöse Verbindung von erhellender Schärfe zusammen-gehalten wurde. Jeder Happs mit den Metallstäbchen schmeckt intensiv anders. So, dass ich erst vergaß, das zweite Bier zu bestellen. Das rann dann zum Yakbab, einem karamellisierten Klebereisküchlein mit Kastanien, etwas Sojasauce, Sesamöl plus der Harzigkeit vierer Pinienkerne. Was hier an großer Küche zum kleinsten Preis auf die Tische kommt, ist nicht nur authentisch, sondern nicht genug zu preisen – als ein umfassendes Menü, bei dem man sich nur überlegt, wie das ins Deutsche übersetzt aussähe.

Man sitzet stumm und staunet. Einer meiner Lieblingsplätze, nicht nur in Hamburg
Hanmi
Rentzelstraße 36
20146 Hamburg
Deutschland
Aus Effilee #38, Herbst 2016
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