Restaurantkritik: Geisels Werneckhof in 80802 München,

 

Im ersten Moment glauben wir, die falsche Tür erwischt zu haben: dunkelbraune Holzvertäfelung an Wänden, Stuck an den Decken, in der Mitte ein schmiedeeiserner Kronleuchter und in der Ecke ein altdeutsches Buffet. Aber doch, ja, wir sind schon richtig. In diesem an ein feineres Wirtshaus erinnernden Ambiente gibt es eine der kreativsten Küchen Münchens. Und der Kontrast aus bürgerlich-bayerischer Gemütlichkeit und Modernismus auf dem Teller trägt durchaus zum Charme des Erlebnisses bei.

Küchenchef Tohru Nakamura, holt mitten in Schwabing die Welt auf den Teller. Oder anders gesagt: Er kombiniert mitteleuropäische Geschmacksbilder mit Aromen aus Fernost und dem Mezzogiorno. Klingt wild, funktioniert aber fast immer prächtig. Nehmen wir die Rotbarbe mit Rosenkohl, Kürbis und Kokos: Mit jedem Bissen changiert dieses Gericht zwischen Mittelmeer, Mitteleuropa und Asien – trotzdem schmeckt es so harmonisch, als hätten die gegensätzlich klingenden Zutaten schon immer aufeinander gewartet. Oder der Flussbarsch mit butterweichem Lauch aus dem Salzteig: Die Kombi ist für sich schon eine Wonne, bekommt aber durch einen feinsäuerlichen Bergamottejus den entscheidenden Kick. Eine hochfeine Sache ist auch das Rindertatar mit Rettich, Rucola und Lorbeerjus, bei dem Nakamura gewissermaßen die bayerische Brotzeit in die weltläufige Spitzenküche übersetzt. Früher hätte man diesen Stil wohl als fusion cuisine bezeichnet. Heute nennen wir ihn einfach großartig.

Anspruchsvoll und trotzdem unkompliziert: die Welt zu Gast in München
Geisels Werneckhof
Werneckstraße 11
80802 München
www.geisels-werneckhof.de
Aus Effilee #40, Frühjahr 2017
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