El Molino de Urdániz

hinrichsudeck im Dezember 2016: Wer hierhin pilgert, hat recht

 

Ein junger Koch bringt zwei große tiefe Teller – darin je drei Pinienkerne. Er gießt lächelnd sehr wenig klaren, dunkelbraunen, nach Harz duftenden Sud an und wünscht guten Appetit … Dafür die Anfahrt durch die Pyrenäen? Aber es geht doch gut weiter: Unter einer Gasglocke kommt, leicht mit Tannengrün angeräuchert, ein Würfel gebratener Stopfleber dazu. Hier, in Nachbarschaft eines kleinen Pilgerortes am Jakobsweg, wird für 70 Euro ein vielgängiges Degustationsmenü geboten, das auf spanischen Webseiten als beste Relation von Preis zu Qualität im Land gilt. Ausgehend von traditionellen Produkten wie lokaler Wurst, saisonalen Gemüsen (sensationell gebratener Spargel, junge geschmorte Zwiebeln) und mit modernisierten Techniken (Milchhaut, Air, Cremes) kocht Yárnoz mit kunstvoller Eleganz und einer Pinzette leicht, aber immer aromenreich. Erdbeeren werden mit Tomaten verbunden im scheinbar traditionellen Salmorejo (eigentlich eine bäuerlich-dickliche Suppe), marinierte Gurken mit Austern, geröstetem Pfeffer und Kräutercreme oder ein Schweinsfußcarpaccio mit Erdnusskaramell und Schwertmuschel. Zwischendurch fabelhaft knusprige Seezungenhaut mit Merluz in Zwiebelsud und Forellenrogen. Klassisch die Taube als Hauptgang, witzig dazu gerösteter Buchweizencrunch. Zwei Desserts sind gut aufeinander abgestimmt – zuerst eisgekühlte kandierte Honigmelone mit Kardamom, dann ein geeister Gin-Tonic-Schaum mit Zitronengras, was wieder frisch macht. Sehr freundliche Bedienung durch die (stolze) Mutter, kleine Weinkarte, ein Michelinstern.

Wer hierhin pilgert, hat recht
El Molino de Urdániz
Urdániz, Spanien
www.elmolinourdaniz.com
Aus Effilee #39, Winter 16 / 17
«
»

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.