Anne-Sophie Pic

maxmoeger im Februar 2017: Kulinarische Jeanne d´Arc.

Ich bin 53 Jahre alt. Vor 30 Jahren habe ich zum ersten Mal in einem Dreisternerestaurant gegessen. Seitdem unzählige Abende und Mittage bei unzähligen großen Köchen. Oft hat es sehr gut geschmeckt, manchmal hat es schlecht geschmeckt, ab und zu war es irgendwo in der Mitte, grau gewissermaßen. Manche Menüs wirkten in ihrer Zusammenstellung bemüht, in anderen fügten sich die einzelnen Gänge zu einem sinnvollen Ganzen. Die einen setzen bei ihrer Küche auf Tradition, die anderen auf Moderne. Kurzum: alles gesehen.

Ich dachte, ich könnte mich nicht mehr bis in mein tiefstes Innerstes hinein begeistern. Und wurde eines Besseren belehrt. Bei jener Frau, deren funkensprühende kulinarische Intelligenz ich hier schon vor einigen Jahren überschwänglich lobte. Anne-Sophie Pic hat sich noch einmal weiterentwickelt. Teller von der Schönheit und Klarheit einer romanischen Kathedrale. Mit perfekt dosierten, perfekt passenden innovativen Elementen: Kardamom und Liebstöckel zur Auster. Kresse-Ingwer-Bergamotte-Infusion zu Ziegenfrischkäse-Ravioli. Lapsang-Souchong-Tee und Kohl zu Froschschenkeln. Steinpilze und Ingwer zum Petersfisch. Kaffee, Kapern und Artischocken zum Kalbsbries. Vanille zum Brie. Manch ein Dreisternerestaurant in Frankreich mag erstarrt sein, wie das Côte d’Or oder die Auberge de l’Ill. Das Restaurant Pic in Valence macht das mehr als wett. Frankreichs Hoffnung. Frankreichs Rettung.

Kulinarische Jeanne d´Arc.
Anne-Sophie Pic
Valence, Frankreich
www.anne-sophie-pic.com
Aus Effilee #39, Winter 16 / 17
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