Restaurantkritik: Alexander Herrmann in Wirsberg, Deutschland

  • Autor: Stefan Chmielewski

Schon lange ist Alexander Herrmann abendlicher Gast im heimischen Wohnzimmer. Dabei vergisst man schnell, dass der Oberfranke auch noch in fünfter Generation den Familienbetrieb Romantik Posthotel führt. Im verwinkelten, über die Jahre gewachsenen Haus hält er mit Küchenchef Tobias Bätz die Küche für das Bistro und den Gourmet-Saal (70 pax) zusammen. Bis auf durchaus humorige Eskapaden wie einer Schiefer-trüffel-Schnitte, die hier Hanuta heißt, einer Butter in Buddha-Form als Anspielung auf die fränkische Vokal-sprache und etwas seltsamen Kärtchen zu jedem Gang, ist das eine geschmacklich seriöse Angelegenheit mit einer gewissen Individualität. Beim vegetarischen Gang, einer auf Salz gedörrten Roten Bete mit Pflaume, fermentierten Schalotten, Kakaobohnen-Kardamom-Karamell und Rote-Bete-Lassi löst er locker das Gewürze-Versprechen anderer TV–Kollegen ein. Geradezu begeisternd ist das heimische Texas-Longhorn-Rind, bei dem besonders der Rücken im aromatischen Pilzsud puristisch begleitet von geflämmter Birne dem klasse Fleischgeschmack Raum zum Atmen lässt. Auch Desserts können sie in Wirsberg, wie die herbe Praline von dunkler Schokolade mit schwarzem Tee, gedörrtem Apfel und Bohnenkraut beweist. Ein kleiner Wermuts-tropfen ist die ausbaufähige Weinkarte. Stattdessen widmet man sich einer ausgefalleneren Getränkebegleitung mit Sake, Bier und Säften. Besonders aber das Essen wirkt authentisch und ohne vordergründige Showeffekte.

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Alexander Herrmann: Diese Küche nimmt die einen mit und überrascht die anderen positiv

Alexander Herrmann


Wirsberg
Marktplatz 11
Deutschland
www.alexander-hermann.de

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