Rausch Riesling Diabas 2009

Zilliken – Rausch Riesling Diabas 2009 – Saar

 
Stuart Pigott bezeichnet seine Art über Wein zu schreiben als Gonzo-Weinjournalismus. Sein aktuelles Buch heißt Weinwunder Deutschland

Wenn ich die Weinzeitschriften und wichtigen Wein-Blogs lese, drängt sich mir oft der Eindruck auf, dass der deutsche Riesling heute für manche Weinfreaks und Kollegen gar nicht wild genug duften kann – und bitte unbedingt ganz ohne Fruchtaromen! Nichts gegen würzige Aromen oder mineralische Noten, die aus
meiner Sicht auch zu einem großartigen Riesling gehören. Aber wenn Frucht nicht mehr sein darf, dann sind wir wieder beim deutschen Absolutismus gelandet. Ich sage Ja zu stilistischer Vielfalt und Nein zum Geschmacks-faschismus!

Eine berauschende neue Farbschattierung zeigt das breite Spektrum des deutschen Rieslings dieses Jahr durch den erstmals erzeugten Riesling Diabas aus der Lage Rausch vom Weingut Zilliken in Saarburg. Analytisch ist der Wein ein feinherbes Pendant zum trockenen Großen Gewächs der Familie Zilliken aus derselben Lage. Diese Innovation von Tochter Dorothee duftet wunderbar nach reifer Aprikose und Mango, ist aber nicht laut im Duft, sondern wunderbar subtil. Hier funken keinerlei wilde Noten dazwischen. Die elegante Saar-Säure wird vielmehr durch eine intensive Mineralik unterstrichen, und die zarte Traubensüße sorgt dafür, dass der Wein trotz ganz erheblicher Kraft auf der verspielten Seite bleibt. Exakt der letzte Punkt hat Journalisten-Punkte gekostet, getreu dem masochistischen Motto: »Was nicht zumindest ein bisschen weh tut, kann nicht wirklich gut sein.« Allerdings scheinen echte Weintrinker begeistert zu sein: Ab Hof ist der Diabas restlos ausverkauft.

19,90 Euro bei www.weinart.de

Text: Stuart Pigott

aus Effilee #14, Januar/Februar 2011

Aus Effilee #14, Jan/Feb 2011
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