Put a egg on it

»In der seltsamen Zeit zwischen dem Erntedankfest und Weihnachten beginnt eine teuflische Puppe an meine Tür zu klopfen und mein Dopamin mit Pessimismus und bösen Blicken abzusaugen. Das ist der Moment für einen wärmenden Eintopf, der den Botschaftern der Traurigkeit ihre Grenzen zeigt …« So beginnt Anti-Depressant Stew, ein Prosa-Rezept des New Yorker Dichters Max Blagg, das Kurzgeschichte, Lebenshilfe und Kochanweisung zugleich ist – ein kleines Meisterwerk, über das ich zudem den Bluesgitarristen Junior Kimbrough kennengelernt habe. Ist man hier angelangt, ist Put A Egg On It leider fast schon vorbei: 36 Seiten im DIN-A5-Format sind nicht viel im Zeitalter telefonbuch-dicker Modemagazine und endloser Blogs. Dafür ist das Tasty Zine ein Monument der Authentizität: Jede Seite erfreut mit lebendigen, ehrlich wirkenden Geschichten und Bildern aus dem Alltag der Mitwirkenden. Da erzählt die Food-Historikerin Elizabeth Pearce aus New Orleans, wie sie erst ihren Freund und dann ihren Appetit verlor. Paul Gerard, Chefkoch des Soho Grand Hotels, schwärmt von den New Yorker Hart-aber-herzlich-Köchen der 80er-Jahre. Und Herausgeber Ralph Emerson McGinnis dankt seiner Freundin, die sein kulinarisches Leben verändert hat – und damit seine Inner Culture. Mahlzeiten mit Freunden und große Gefühle, kleine Haushaltstipps und erprobte Rezepte – Put A Egg On It ist wie ein Filet, rausgeschnitten aus dem wahren Leben. Und das ist immer noch das Beste, was wir haben.

Put a egg on it, R&S Media 2010, 2,50 US-Dollar

Text: Peter Lau

aus Effilee #14, Januar/Februar 2011

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