Pinot Blanc Leithaberg 2011

Weingut Prieler
Burgenland, Österreich

 

Georg Prieler machte unlängst in Köln Station, stellte ein paar Flaschen auf die kahlen Holztische eines freundlichen Gasthauses und strahlte. Gut gelaunte Menschen können mir ja zuweilen mächtig auf den Keks gehen, vor allem wenn sie etwas verkaufen möchten. Auch Prieler möchte das. Doch auf den Keks ging er mir dabei nicht. Der Mann scheint Gleichmut gepachtet zu haben und geht behutsam mit dem Verteilen von Worten um. Seinen 2011er Pinot Blanc Leithaberg goss er indes großzügig in meinen Kelch. Der Leithaberg ist so hoch wie der angrenzende Neusiedlersee flach ist. An seiner höchsten Stelle misst er gerade einmal 400 Meter, der See an seiner tiefsten (und nur wenn’s tüchtig feucht ist) 180 Zentimeter. Von hier kommen herausragende Weine. Prielers Weißburgunder ist einer von ihnen. Die Reben wachsen zum großen Teil auf Kalk und zum kleinen auf Schiefergestein. Bei seinem 2011er baute Prieler beide Terroirs zunächst getrennt aus, gönnte den Trauben vom Kalk einen und denen vom Schiefer drei Tage auf der Maische. Die Gärung setzte spontan, also ohne den Zusatz von Reinzuchthefen ein. Das Ergebnis ist brillant. Ein ungemein feiner, salziger, mineralischer Weißburgunder mit immerhin 14 Umdrehungen, die man nicht schmeckt, sondern nur spürt, wenn man davon getrunken hat. Und das schmeckt nicht nur köstlich, sondern fühlt sich auch gut an.

Text: Axel Biesler
Aus Effilee #24, Frühling 2013
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