Pasteten Pasteten Pasteten

Ein Buch über Dekadenz, Völlerei und die Liebe zum Fett

 
Rechteinhaber: selbst erstellt, Lizenzvereinbarung: Creative Commons Attribution 2.0 Germany License
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Dekadenz wird gemeinhin mit Verschwendung assoziiert, aber nicht immer geht es um die Verschwendung von Ressourcen. In unserer Zeit, in der viele aus Angst vor der Krise, der Zukunft oder dem sozialen Abstieg sich den Genuss im Wortsinn ersparen, scheint die Verschwendung von Lebenszeit ein größeres Problem.

Pasteten Pasteten Pasteten kann helfen, das zu ändern. Es gibt in dem schmalen, zart bebilderten Band auch einige Rezepte für die Pasteten der Armen, doch grundsätzlich ist das Buch von der Freude an Fettliebe geprägt. Die kurzen Texte handeln von dem römischen Prasser Apicius und der Völlerei hinter Klostermauern, von riesigen Pasteten, in denen von Vögeln über Zwerge bis zu ganzen Orchestern allerlei verborgen war, oder von der Königin der Pasteten: der getrüffelten Gänseleber­pastete. Die Rezepte passen dazu: Neben einigen simplen Kompositionen stehen wundervolle Dokumente des kulinarischen Wahnsinns, allen voran Königin Christinas Römische Pastete à la Trèbes mit 12 Ferkel­koteletts, Hühnerbrüsten, Kalbsbries, kandierten Früchten, Trüffelscheiben, Pilzen und Pistazien.

Historisch ist die Autorin etwas schwach, so wiederholt sie den Mythos, das Katharina von Medici die französische Küche reformiert habe (siehe Effilee #7), und selbstverständlich tranken die Griechen keinen römischen Mulsum. Doch die meisten Anekdoten klingen ohnehin nach Mythen, und der durchgehend euphorische Ton wischt jede Kritik als kleinlich beiseite. Denn das hier ist vor allem eines: Ein Hoch auf den Exzess! Dafür danke.

Charlotte Birnbaum – Pasteten Pasteten Pasteten – Verlag der Buchhandlung Walther König – 2009 – 28 Euro

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Text: Peter Lau

aus Effilee #8, Januar/Februar 2010

Aus Effilee #8, Jan/Feb 2010
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