Otito

Berlin
Nguyen van Hien

 

Wir drei Vietnamveteranen fanden unser Glück in Mitte, wo einen lärmender Qualmverkehr sofort nach Hanoi oder Saigon versetzt. Wie die Gerichte, die aus dieser Garküche stammen. Pho, eine nahrhafte Nudelsuppe in aromatisch-scharfklarer Brühe; vegetarisch, mit Fisch oder Fleisch ist ein Hauptgang, angesichts dessen, ginge es gerecht auf der Welt zu, sich unter allen Pommesbuden ein Loch auftun müsste. Sommerrollen läuteten diese Kumme ein: blanchierte, knackige Gemüsestreifen mit Reisnudeln, gehackten Erdnüssen, Chili und Koriander sowie – für den Herrn – mit Garnelen: Fest umhüllt in durchscheinendem Reispapier tunkt man sie in einen Chiliessig.
Zur Linken kam Cary Gà auf den Tisch, ein gelbes Curry mit Galgant, Ingwer, Chili von Zitronengras, dem Kokos­milch, Süßkartoffeln und Möhren ein wenig zu viel Süße einhauchten. Rechts freute sie sich an angebratenem Tofu auf Reisnudeln, Erdnüssen und Kräutern, mit Zitronengras und ­Chili, wobei Sojasauce der Vegetarierin die Limetten-Fischsauce ersetzte.
Eine Flancreme aber ist doch nicht vietnamesisch? Denk an die Plantagenszene in Apocalypse now (Redux)! Kaffee (ca phe) zum Abschluss: Ölig tröpfelt ein vanillig-schokoladiger Sud aus dem Alufilter auf die schneeweiße gesüßte Kondensmilch im Glas. Macht den Kopf klar, ohne das Herz in Raserei zu schicken.

Text: Nils Schiffhauer
Aus Effilee #23, Winter 2012
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