LSG – Lufthansa Service Holding AG

Neu-Isenburg, Deutschland

 

Zwei Flugstunden hält man notfalls ohne Alkohol aus – erst recht zehrt es sich einhundertzwanzig Minuten lang von eigenen Fettreserven. Und doch landet ein Tablett auf dem Klapptischchen. Tetrapak-Orangensaft, ein Amerikaner von Lambertz, ein Brötchen und eine Aluschale, die Rührei mit Schnittlauch, Spinat sowie Kartoffeln annonciert. Neugierig den Deckel abgezogen. Die vier Zutaten sind voneinander optisch unterscheidbar.
Die Kartoffeln: gebackene Würfel ohne Eigengeschmack, nicht einmal übersalzen. Das Rührei: anämisch und in nudelartige Streifen zerschnitten, dazwischen allerhand dumpfe Schnittlauchröllchen. Der Spinat: ein Schleim wie aus dem Babyglas, wohl mit einer Art Sahne versehen und dominiert von einem ganz und gar eindimensionalen Muskataroma, bei dem vor meinen Augen, ich kann ja nix dafür, ungelogen ein Werbeplakat von Udo Walz flimmerte, das an einer Laterne am Ku’damm hing. Meine Fresse!
Das eiskalte Brötchen? Davon gebrochen, daran gerochen, wobei ein Duft von frisch Vomitiertem hochsteigt. Man ist versucht, das Stück Butter auszupellen und zu verputzen wie ein Eskimo Robbenspeck. Und der Amerikaner! Schon die Marke macht skeptisch. Und richtig: zu dick aufgetragene Glasur kongenial mit dem Kunstaroma einer teigigen Masse verbunden, als wehte eine chemische Fabrik vorbei.
Essen ist auch Kommunikation. Was serviert wird, zeigt, was man von seinen Gästen hält. Insofern erfüllt das Gebotene den Tatbestand der Beleidigung. Frau Nachbarin: Ihre Tüte!

Fazit: Der solideste Grund für massive Flugangst
Kontakt: Auf innereuropäischen Kurzstrecken in der Holzklasse, www.lufthansa.de

Text: Nils Schiffhauer
Aus Effilee #25, Sommer 2013
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