Istanbul, mit scharfe Soße?

»Eigentlich wusste ich nichts über Türken und erst recht nicht über die Türkei«, schreibt die Berliner Illustratorin Alexandra Klobouk (siehe Effilee #11) im Vorspann von Istanbul, mit scharfe Soße?. Doch statt sich mit den gängigen Klischees zufriedenzugeben, lernte sie türkisch und zog für sieben Monate nach Istanbul. In ihrem illustrierten Reisebericht beschreibt sie mit feinem Humor, aber ganz schlicht und ohne zu werten, das Leben in der Metropole: die alltäglichen Gesten, die Gastfreundschaft, die verschiedenen Varianten weiblicher Verhüllung, den Familienzusammenhalt, die Armut, das Behördenchaos – und die Küche, vom Tee- und Mokkakochen bis zur mit Meze vollgehäuften Tafel. Türkische Gerichte tragen so sprechende Namen wie »den Imam hat’s umgehauen«, »der aufgeschlitzte Bauch« oder »Busen der Hostess«. Kein Wunder, dass Türken sich stundenlang über Essen unterhalten können.

Auf jeder Buchseite spürt man, dass Klobouk sich in die Stadt verliebt hat, und lässt sich gerne davon anstecken. Irgendwann liest man sogar in die türkischen Übersetzungen hinein, die es zu jedem Textstück gibt, und fragt sich, warum diese Sprache, die so viele Menschen in unserem Land sprechen, der Mehrzahl der Deutschen so fremd ist. Istanbul, mit scharfe Soße? ist ein schönes Beispiel dafür, wie interkulturelles Miteinander funktioniert: nicht durch Debatten um Integration und Leitkultur, sondern durch Offenheit und Neugier auf andere Menschen.

Alexandra Klobouk, Istanbul, mit scharfe Soße?, Onkel und Onkel 2010, 14,95 Euro

Text: Maike Steenblock

aus Effilee #14, Januar/Februar 2011

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