Horváth

Berlin, Deutschland
Sebastian Frank

 

Mit einem Paukenschlag hebt das Drei-Gänge-Menü Tradition an: Zanderfilet mit Kohlrabi, schwarzer Walnuss und Birne. Die eingelegte, weiche Nuss erinnert ein wenig an Lotos, der in zarteste Scheiben geschnittene Kohlrabi haucht einen Schärfekuss in den Gaumen, dazu der feine Zander – großartig. Aber ach, der Zauber will sich beim zweiten Gang nicht fortsetzen: Die Roulade tadellos, gefüllt mit Speck und Möhre, aber das Püree mit darübergestreuten Zwiebeln geschmacklich fast schon neutral. Versöhnlich stimmt dann der Abschluss, Grießknödel mit Kürbis-Krokant-Eis und süßem Kürbis, die beiden Knödel markig kompakt, grießig-körnig, und der Kürbis ein Freudebringer.
Ein gelungener Auftakt des ­Menüs Innovation die Entenstopfleber – in Bierteig und als Terrine –, zu der das roh marinierte Weißkraut den entscheidenden Akzent setzt. Vom Flussbarsch bleibt eigentlich nur seine Unterlage, der gesottene Schweinebauch in Erinnerung, dafür in bester. Danach ein Knaller: Gelbschwanzmakrele mit Holunderschaum und gestocktem Fenchelöl. Die Petersilienwurzel danach, nun ja … es folgen ja noch die Rehkeule – zartes, feines Fleisch, in bester Harmonie mit der Säure eines Essigquitten-Chutneys – und der Käse vom Markt, ein Brie de Meaux, gekrönt von Kamillengelee und roh mariniertem, feinst geschnittenem Fenchel – beides der pure Genuss. Am Ende des etwas flott durchservierten Menüs steht das Sorbet der Urkarotte, das ein leichtes Spiel mit dem Karottenküchlein hat.

Fazit: Wer sich an der Wirtshaus­atmosphäre nicht stört und den Hauschampagner meidet, hat ein echtes Vergnügen (3 von 5 Punkten)

Anschrift: Restaurant Horváth, Paul-Lincke-Ufer 44a, 10999 Berlin, www.restaurant-horvath.de

Text: Lars Brönske
Aus Effilee #20, Frühling 2012
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