Gabriele

Gabriele – N.N. (-/14 GM) – Berlin
Das Reinstoff war ausgebucht, und so kämpften wir uns durch die Behrenstraße Richtung Brandenburger Tor, um in einem dunkel ausgestatteten Riesensaal am besten Tisch zu landen; nur ein einziger weiterer war belegt.

 

Strahlende Sonne brachten in diese mehr düstere als gediegene Atmosphäre die Teller, der empathische Service und Mademoiselle, die fleischlos aß. Zuerst ein großer Flusskrebs (Marron) mit einer Petersilienemulsion, umrandet von Selleriepüree, eine Kombination, die den Grundton des Abends anstimmte: herausgearbeitete Aromen, deren Zusammenklang in Höheres vorstieß.

Für den Herrn Gänseleber in fruchtig-karamelliger Sauce mit Steinpilzen, während ein Sepiarisotto mit Calamares die Dame hörbar erfreute. Das Paprikarisotto arbeitete alle angenehmen Töne des Gemüses einschließlich seiner Adstringenz heraus, die eine kleine, sorgfältig gebräunte Jakobsmuschel mit glasigem Kern weich auffing. Dem Karnivoren zerging dann ein angebratenes, dann vakuumiert und langsam saftig gegartes Rinderfilet auf der Zunge, das mit Artischocke und Tomate seine rechte Begleitung fand. Endlich mal helle Schokolade (Valrhona Tanariva) mit Passionsfrucht und Banane schlossen süffig das Menü Gabriele ab.

Verlässt der Blick weder Tisch, noch Teller, so war das ein spätsommerlich-heiterer Genuss, begleitet von kundigen und in einem Fall auch selbstkritischen Weinempfehlungen (nach beiderseitigem Probieren wurde eine Flasche gar gänzlich aus dem Sortiment genommen). 89 Euro für ein Menü, 59 Euro für großzügig begleitende Weine und Wasser, das ist dieser Lage angemessen.

Gabriele
Behrenstraße 72
10117 Berlin
Telefon: +49 30/20 62 86 10
www.gabriele-restaurant.de

Text: Nils Schiffhauer

aus Effilee #14, Januar/Februar 2011

Aus Effilee #14, Jan/Feb 2011
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