2e Cru Classé 1973

Château Leoville las Cases
St. Julien, Frankreich

 

Ich habe ein Wunder erlebt. Das Wunder, einen gereiften Bordeaux im Stadium der perfekten Reife zu erwischen. Ausgerechnet am Heiligen Abend. Aus Angst vor Oxidation haben wir auf das Dekantieren verzichtet. In schwarze, blickdichte Gläser geschenkt, wurde der Wein zu einer kompletten Überraschung: das Bukett präsentierte sich in einer nicht erwarteten Frische, auch am Gaumen ließ nichts darauf schließen, dass sich hier ein 37 Jähriger im Glas versteckte. »Ich will die Farbe sehen!« Sofort wurden die Gläser getauscht. Auch hier keine Anzeichen von Reife, volles Rot und nicht die Spur von altersbraunem Rand. Schmeichelndes Tannin und klassische Bordeaux-Aromatik, gepaart mit einer Intensität, die man diesem Jahrgang, der nicht gerade ein Jahrhundertjahrgang war, nicht zugetraut hätte. Alles in allem zeigte sich der 73er Leo viel jünger als ich selbst, übrigens auch Jahrgang 73, mich fühlte. Zu Recht gilt dieses Château als eines der Besten des gesamten Bordeaux. In unmittelbarer Nachbarschaft vom Château Latour gelegen, befindet es sich nicht nur geographisch, sondern auch qualitativ ganz in der Nähe eines Premier Crus. Ursprünglich war es größer, doch während politischer Unruhen und später durch Erbteilung entstanden eben das Château Leoville las Cases, sowie die Châteaux Leoville Barton und Leoville Poyferré, alle heute im Range eines Zweiten Gewächses. Ein medium-rare gebratenes Entrecôte von massierten Rindern ohne viel Drumherum gibt einen perfekten Begleiter ab, falls man denn etwas dazu essen möchte.

Kaufbar: ca. 75 Euro bei www.jahrhundertweine.de

Text: Erik Merten
Aus Effilee #15, Mär/Apr 2011
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2e Cru Classé 1973

Château Leoville-las-Cases – 2e Cru Classé 1973 – St. Julien, Frankreich

 
Erik Merten ist Weintrinker aus Leidenschaft, HSV-Fan und Sommelier im Landhaus Scherrer

Ich habe ein Wunder erlebt. Das Wunder, einen gereiften Bordeaux im Stadium der perfekten Reife zu erwischen. Ausgerechnet am Heiligen Abend. Aus Angst vor Oxidation haben wir auf das Dekantieren verzichtet. In schwarze, blickdichte Gläser geschenkt, wurde der Wein zu einer kompletten Überraschung: das Bukett präsentierte sich in einer nicht erwarteten Frische, auch am Gaumen ließ nichts darauf schließen, dass sich hier ein 37-Jähriger im Glas versteckte.

»Ich will die Farbe sehen!« Sofort wurden die Gläser getauscht. Auch hier keine Anzeichen von Reife, volles Rot und nicht die Spur von altersbraunem Rand. Schmeichelndes Tannin und klassische Bordeaux-Aromatik, gepaart mit einer Intensität, die man diesem Jahrgang, der nicht gerade ein Jahrhundertjahrgang war, nicht zugetraut hätte. Alles in allem zeigte sich der 73er Leo viel jünger als ich selbst, übrigens auch Jahrgang 73, mich fühlte.

Zu Recht gilt dieses Château als eines der besten des gesamten Bordeaux. In unmittelbarer Nachbarschaft vom Château Latour gelegen, befindet es sich nicht nur geografisch, sondern auch qualitativ ganz in der Nähe eines Premier Crus. Ursprünglich war es größer, doch während politischer Unruhen und später durch Erbteilung entstanden eben das Château Leoville-las-Cases, sowie die Châteaux Leoville-Barton und Leoville-Poyferré, alle heute im Range eines Zweiten Gewächses. Ein medium-rare gebratenes Entrecôte von massierten Rindern ohne viel Drumherum gibt einen perfekten Begleiter ab, falls man denn etwas dazu essen möchte.

ca. 75 Euro bei www.jahrhundertweine.de

Text: Erik Merten

aus Effilee #15, März/April 2011

Aus Effilee #15, Mär/Apr 2011
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