Erzähltes Leben

Hauptsache satt?

Hunderte neuer Schulmensen entstehen seit einigen Jahren in Deutschland. Leider kein Grund zum Jubeln, denn die Chance, die Kinder gut und gesund zu verpflegen oder gar einen Grundstein in der Ernährungserziehung zu legen, wird selten genutzt. Warum, warum nur ist das so schwer?

Text: Maike Steenblock Fotos: Neverseconds.blogspot.de (privat)

Jochen Schepp hat einen Traum. Seine Tochter, die im nächsten Jahr in der Ganztags-Grundschule Rothestraße eingeschult wird, soll in der Schule mit einem guten Mittagessen versorgt werden. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit in einer der reichsten Volkswirtschaften der Welt – sollte man meinen. Doch seit dem Leistungsschock, den die erste PISA-Studie auslöste, geht es in der deutschen Schulpolitik drunter und drüber. Vor lauter Konzepten sieht man manchmal kaum die Schüler mehr. Das Zauberwort dagegen ist überall gut zu hören: Ganztagsschule.

Schulkinder aus aller Welt fotografieren ihr Mensaessen – auf neverseconds.blogspot.de kann man das Ergebnis bestaunen

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Schepp ist ein zurückhaltender Mann, dunkelblond, seine Augen blicken bescheiden. Doch beim Thema Schulverpflegung gerät er in Wallung. Schließlich geht es um seine Kinder.
»Im Prinzip ist die Ganztagsschule ein gutes Modell«, findet er. »Aber sie muss auf eine vernünftige Weise eingeführt werden, nicht im Hauruckverfahren. Wenn die Kinder nachmittags nur in den Klassenräumen verwahrt werden, reicht das nicht. Schon gar nicht, wenn sie auch noch ein mieses Mittag­essen essen müssen.«
Jürgen Kleine, schlank, elegant, mit grau meliertem Haar, sitzt neben ihm und nickt. Seine Miene ist so ernst wie das ­Thema. Er hat zwei Kinder in der Rothe­straße, und gemeinsam mit Schepp engagiert er sich in der Mittagessen-AG, die Lehrer und Eltern im Zuge der Umwandlung zum Ganztagsmodell an der Schule gebildet ­haben.
Die Schule Rothestraße liegt im Hamburger Stadtteil Ottensen, wo Öko und Nachhaltigkeit großgeschrieben werden. Ende 2011 stellte sie den Antrag, Ganztagsschule zu werden. Erst im Sommer 2012 kam die endgültige Zusage von der Schul­behörde. Es bleibt ein Jahr – zu ­wenig, um die Schule so umzugestalten, wie es nötig wäre. »Wir haben keine Mensa. Für die Umbaupläne gab es mal Zusagen, dann wieder Absagen. Nichts ist geregelt«, erzählen die beiden Väter. Die zuständige Behördenstelle Schulbau ist überlastet, denn bis zum Schuljahr 2013/14 soll es an allen Hamburger Grundschulen ein Ganztagsangebot geben.

Die Mittagessen-AG der Rothestraße holte Informationen ein und besuchte Schulen im nahen Umfeld, um zu sehen, wie dort die Verpflegung gehandhabt wird. »Teilweise war es wenig attraktiv, was wir zu sehen oder zu hören bekamen«, beschreibt Schepp die Zustände diplomatisch. An einer Schule wurden die Kinder im 20-Minuten-Takt durch die Mensa geschleust, denn der Raum war viel zu klein für alle Schüler. »20 Minuten, von der Essensausgabe bis zum Abwischen der Tische. Dann mussten sie wieder draußen sein.« Und an manchen Schulen wurden die schlimmsten Klischees bestätigt: Auf den Tisch kamen Pommes und Hähnchen-Nuggets.
2004 ordnete die Kultusministerkonferenz an, dass alle Ganztagsschulen eine warme, qualitativ hochwertige Mittagsverpflegung anbieten müssen. Doch bei der Umsetzung werden die Schulen alleingelassen. Nicht einmal konkrete Vorgaben für eine kindgerechte Verpflegung werden gemacht. Schulpolitik ist Ländersache, für die Finanzierung der Schulverpflegung sind wiederum Städte und Kommunen zuständig. Ein Dschungel, in dem der Schwarze Peter meist an der Schulleitung kleben bleibt. »In Hamburg bekommen die Schulleiter von der Behörde eine Liste mit Caterern an die Hand. Das ist alles.«
Die Mittagessen-AG der Rothestraße will mehr. Sie wünscht sich eine Produk­tionsküche an der Schule, in der Bio-Lebensmittel aus der Region verarbeitet werden. In Sachen Schulverpflegung ein ausgesprochen ehrgeiziges Konzept, für das eine ganze Reihe Probleme gelöst werden müssen, vor allem die Finanzierung.

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In Hamburg darf ein Schulessen maximal 3,50 Euro kosten. Davon ist kein Cent von der Stadt subventioniert. »Von dem Betrag müssen auch noch 19 Prozent Mehrwertsteuer abgeführt werden. Pro Mahlzeit sind das immerhin fast 70 Cent. Bei 400 Mahlzeiten in der Rothestraße pro Tag, wenn alle Kinder am Essen teilnehmen, wären das im Monat rund 5000 Euro«, rechnet Kleine vor. »Davon könnte man schon zwei Köche bezahlen. Wenn dieser Betrag durch eine Essenssubvention wieder an die Schulen zurückfließen würde, wäre es ja noch vertretbar. Aber das geschieht nicht.« Nebenbei bemerkt: Für Fast Food und Hundefutter sind nur 7 Prozent Mehrwertsteuer fällig.
»Weil man zu einem Preis von 3,50 Euro keine hochwertigen Mahlzeiten mit Fleisch realisieren kann, soll in der Rothestraße vegetarisch gekocht werden. Zu Hause essen wir schon mal Fleisch, aber wir achten darauf, wie es erzeugt wurde. Wir möchten nicht, dass unsere Kinder Wiesenhof-Kram essen. Sie werden auch in der Kita vegetarisch verpflegt, das funktioniert super.« Schepp schwärmt von Martin Sievers, dem Koch der Kita Die Motte, die seine Tochter derzeit besucht. »Er kennt alle Kinder, weiß, was sie gerne mögen und bezieht sie mit ein. Er schafft es, sogar Gemüsemuffel dazu zu bewegen, Gemüse zu probieren, oft mit nachhaltigem Erfolg. Von ihm weiß ich: Für Kinder kann man nicht einfach kochen wie für eine Betriebskantine.«
Wichtiger noch als die Nährstoffe im Essen ist den Vätern das pädagogische Gesamtkonzept. »Mit einer Küche vor Ort kann man die Kinder viel direkter ans Thema heranführen. Sie sehen, wie gekocht wird – das ist in vielen Familien nicht mehr selbstverständlich. Schulen könnten einen großen Einfluss ausüben, wenn sie die Ernährungserziehung ernst nehmen.«

Auf neverseconds.blogspot.de sind Schulessen aus aller Welt zu bestaunen

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»Wenn man zumindest einem Teil der Kinder nachhaltig ein besseres Ernährungsverhalten vermitteln kann, hätte das doch auch Auswirkungen auf andere Bereiche.« Kleine ist schon wieder am Rechnen. »Auf den Kauf hochwertiger Lebensmittel. Auf medizinische Folgekosten.« 40 bis 60, nach anderen Studien sogar 70 Milliarden Euro geben die Krankenkassen jährlich für ernährungsbedingte Krankheiten aus. »Sogar die Klimakosten ließen sich senken, wenn an allen Schulen vegetarisch gekocht würde.«
Alle Kinder sollen in der Rothestraße am Mittagessen teilnehmen. Erstens sinkt der Preis pro Mahlzeit, wenn die Zahl der Teilnehmer steigt. Außerdem ist es der AG wichtig, dass alle Kinder ein gesundes, warmes Essen bekommen und dass gemeinsam gegessen wird. »Aber damit kommen wir zum nächsten Problem: Wenn alle teilnehmen sollen, muss das Essen auch für alle bezahlbar sein.« 3,50 Euro sind notwendig, um die Kosten zu decken, aber für diejenigen, die mehrere Kinder auf der Schule haben, wird es schnell teuer. Städtische Subventionen könnten helfen, doch dazu fehlt offenbar der politische Wille.
»Immer wird auf die klammen Kassen verwiesen, obwohl für andere Projekte anscheinend Geld da ist«, ärgern sich die Väter. »Die steigende Zahl der Ganztagsschulen soll belegen, wie erfolgreich das Konzept ist. Aber wie es konkret an den Schulen aussieht, wie die Qualität der Betreuung, die Arbeitsbelastung für Lehrer und Schulleiter, der Alltag für die Kinder aussieht, das scheint nicht zu interessieren. Schon gar nicht das Essen.«
Mehr als 10 000 Ganztagsschulen gibt es in Deutschland mittlerweile. In gut zwei Dritteln davon wird die Mittagsverpflegung extern geliefert, manchmal von einem Caterer, manchmal aus einer Zentralküche, die Krankenhäuser oder Altenheime versorgt, manchmal vom örtlichen Schlachter. Warmhaltezeiten von mehr als fünf Stunden sind keine Seltenheit – Vitamine haben sich da längst ins Nirwana verflüchtigt, von Geschmack und Konsistenz ganz zu schweigen. An anderen Schulen kochen ­Eltern oder des Hausmeisters Frau. Auch das ist oft keine optimale Lösung, denn es fehlt an küchentechnischem Know-how, manchmal sogar an Hygienestandards.
Nach einer Strukturanalyse der Deutschen Gesellschaft für Ernährung von 2008 waren in den Schulmensen durchschnittlich 2,43 Euro pro Mahlzeit zu zahlen. In Berlin darf die Verpflegung in manchen Bezirken gerade mal 2 Euro kosten. Davon bleiben nach Abzug von Mehrwertsteuer, Personal- und Gerätekosten 40 bis 45 Cent Wareneinsatz übrig – ein Witz, der nicht zum Lachen ist. Die Durchfallepidemie, die Ende September mehr als 10 000 Kinder, Jugendliche und Betreuer in den neuen Bundesländern erfasste, macht unschön deutlich, wohin das Billiggebot führen kann, auch wenn die Cateringfirma Sodexo, die die Mehrzahl der betroffenen Schulen und Kitas belieferte, die Verantwortung für die Krankheitswelle zurückweist.

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An Projekten und Initiativen zur Verbesserung der Situation mangelt es auf den ersten Blick nicht. Alle machen mit: das Bundesministerium mit der Gesundheitskampagne in Form, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung mit dem Projekt Schule + Essen = Note 1, Wissenschaftler, der Deutsche LandFrauenverband, der Europa­verband von Slow Food, neuerdings und auf den Spuren von Jamie Oliver, der für Qualität in britischen Schulmensen kämpft, auch prominente Köche. Offensichtlich kommt wenig davon dort an, wo es gebraucht wird.
»Die Bilanz ist traurig«, seufzt Michael Polster. Seit zwei Jahren ist er für das DNSV, das Deutsche Netzwerk Schulverpflegung aktiv, einen Verein, der aus privater Initiative entstand und sich durch Spenden und Fördermitglieder finanziert. Er organisiert Kongresse und Veranstaltungen zum Thema und versucht, den Informa­tionsaustausch unter den Beteiligten zu fördern. Auch etliche Köche unterstützen das DNSV, unter anderem Johann Lafer, der am Gymnasium am Römerkastell in Bad Kreuznach im Projekt food@ucation gerade selbst eine Vorzeige-Schulmensa entwirft, die im November 2012 ihre Türen öffnet.
»Die Verpflegung von Kindern darf man nicht dem Gesetz der Marktwirtschaft überlassen, wie es durch die Politik aktuell geschieht. Man sieht ja, was dabei herauskommt.« Polsters Stimme wird grimmig. »Es gibt keine verbindlichen Vorschriften. Die Standards sind teils vage formuliert, und nirgends findet eine zentrale Qualitätskontrolle statt. So wurschtelt jeder vor sich hin, und jede Schule muss das Rad neu erfinden.«
Der Teufel steckt oft im Detail. Zum einen ist da die geringe Teilnahme an der Schulverpflegung, die das Essen verhältnismäßig teuer macht. Meist essen nur 10 bis 20 Prozent der Kinder in der Schulmensa. Vor allem die älteren Schüler, die das Schulgelände verlassen dürfen, versorgen sich anderswo. »Mensa ist uncool«, lautet das Motto. Da lärmen die Fünftklässler am Nachbartisch, und dann gibt’s Gemüseauflauf. Womöglich mit Haaren im Essen. Nee, da zieht man sich lieber Burger, Döner oder Pizza von um die Ecke. Is’ doch eh billiger. Zumindest gefühlt. Die Kleinen, die auf dem Schulgelände bleiben müssen, ziehen gekonnt nach: Wer keinen älteren Kumpel losschicken kann, bestellt sich per Handy den Pizzaservice ans Schultor.
Viele Mensen haben nicht mehr Charme als eine Bahnhofshalle, doch das Geld für Umbaumaßnahmen fehlt. Manchmal sind die Pausen zu kurz zum Essen, weil der Zeitplan mit dem öffentlichen Nahverkehr konform gehen muss. Schulleiter und Lehrer sind oft überfordert. Sie sind keine Ernährungsexperten und ohnehin oft schon durch die Lehrtätigkeit überlastet.
»In anderen Ländern ist die Schulver­pflegung schon lange etabliert und hat einen viel größeren Stellenwert«, erzählt Polster sehnsüchtig. »In Schweden ist das Schulessen kostenlos, es wird aus Steuergeldern finanziert. In Rom gibt es an jeder Schule eine Küche, die von einem Caterer betrieben wird, mit Bio-Lebensmitteln und Fleisch aus nachhaltiger Erzeugung. Aber in Deutschland scheint kaum Interesse zu bestehen, die Kinder gut zu verpflegen.« Jetzt wird auch Polster wütend. »Es fehlt vollkommen an einer Ernährungs­erziehung. Wie soll man eine gute Schulverpflegung umsetzen, wenn die Lehrer in der Pause selber lieber Fast Food essen?«
Mit einer Unterschriftenaktion protestiert das DNSV gegen den hohen Mehrwertsteuersatz auf die Schulverpflegung. »Inzwischen haben wir mehr als 10 000 Unterschriften gesammelt und an die Bundesregierung geschickt. Aber es hat lange gedauert, bis wir bei der Politik überhaupt Gehör fanden.«
Braucht es erst den Skandal, damit nachhaltig und flächendeckend gehandelt wird?
Wer mehr will als den unbefriedigenden Standard, muss sich selbst engagieren. Am Hamburger Christianeum, einem humanistischen Traditionsgymnasium im betuchten Stadtteil Othmarschen, sind es knapp 130 Eltern, die für den Betrieb der Mensa sorgen.
Auf den ersten Blick wirkt die Schule wenig einladend: ein funktionalistischer Betonbau der frühen 70er-Jahre, der irgendwie mit der Landschaft verschmelzen soll, aber mit seinen Schornsteinen eher nach Fabrik ausschaut. Die dunkle ­Decke hängt schwer über der lang gezogenen Eingangshalle. Einziger Lichtblick sind die bunten Stühle der Schulmensa, blaue, gelbe und türkisfarbene Tupfen in einer Ecke des Raums.
Es ist 12 Uhr. Hinter dem Holztresen vor der Küche der Mensa bereiten sich fünf Mütter auf den Mittagsansturm vor. Heute wird er eher mau ausfallen, denn es ist Montag, und am Nachmittag finden nur AGs statt. Die Mütter legen letzte Hand an die vorbereiteten Salatteller, nebenbei halten sie Klönschnack über die Kinder, die Lehrer, die Schule.
MiC nennt sich die Schulmensa, was sowohl Mittag wie Mütter im Christianeum bedeutet, denn es sind ausschließlich Frauen, die hier ehrenamtlich im Einsatz sind. »Wir versuchen immer wieder, auch Väter zu rekrutieren«, erzählt Ulrike Lorenzen, eine der fünf Mütter des Organisationsteams, das den Mensabetrieb koordiniert. »Aber bislang gibt es eben nur Frauen. Es wird auch zunehmend schwieriger, helfende Mütter zu finden, weil immer mehr berufstätig sind.« Freundlich zeigt sie die kleine Küche, grüßt hier einen vorbeikommenden Lehrer, wechselt dort ein paar Worte mit einer Mutter und prüft routiniert, ob irgendwo etwas fehlt.
»Früher kam das Essen von einem Caterer, der es zwischen 5 und 7 Uhr morgens zubereitet hat. Dann wurde es bis zum Mittag warm gehalten. Vor einiger Zeit haben wir das System umgestellt. Wir haben den Caterer gewechselt, außerdem bereiten einige Mütter des Organisationsteams das Essen teilweise selbst zu und verfeinern es. Frisch belegte Brötchen und Obst runden das Sortiment ab. Und statt des Online-Vorbestellsystems gibt es Essensmarken, die die Kinder in der Mensa kaufen können. So müssen sie sich vorher nicht fest­legen und bezahlen nur, wenn sie auch wirklich in der Mensa essen.«
Von den 130 Helferinnen hat jede im Schnitt einmal im Monat Einsatz. Alles organisieren sie selbst: den Einkauf der Lebensmittel, die Bestellung beim Caterer und die Mengenkalkulation, die Buchhaltung, die Schichtpläne, den Betrieb der Küche. Unterstützt werden sie von einer Küchenhilfe, die auf Minijobbasis angestellt ist. Demnächst soll eine zweite Kraft dazukommen, denn die Zahl der ausgegebenen Essen steigt.
Von Montag bis Donnerstag gibt es warmes Mittagessen, wahlweise ein Hauptgericht oder eine kleinere Mahlzeit wie Ofenkartoffeln, Kartoffelpuffer oder Pfannkuchen. Das Essen wird gekühlt vom Caterer Mr. Deliver geliefert. Die Mütter wärmen es auf und stellen es fertig, bereiten Salat, eine Tagessuppe und Gemüsesnacks wie geschälte Karotten zu. Einen kleinen Salat gibt es als Beilage zu den Hauptgerichten, man kann auch einen großen Salatteller mit Brot bekommen. »Der ist besonders bei den Mädchen beliebt.« Neben den warmen Gerichten können die Kinder Müsliriegel, Kekse, belegte Brötchen, Croissants und Äpfel kaufen. Auch eine Truhe mit Eis steht hinter dem Tresen – ganz ohne Süßes geht es wohl nicht.
In dieser Woche stehen Nudeln mit Lachs und Tomatensauce, Lasagne Bolognese und Putengeschnetzeltes mit Rösti­ecken auf dem Plan. Montags, wenn nur etwa 50 Kinder in der Mensa essen, gibt es ein Überraschungsessen, das die Mütter aus eingefrorenen Resten der vorigen Woche zubereiten. Heute ist das Chili con Carne mit einer großzügigen Portion Reis und Nudelauflauf mit Schafskäse.

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Die Mensa wirtschaftet weitgehend unabhängig. Nur bei größeren Anschaffungen springt der Schulverein ein, ansonsten trägt sich der Betrieb durch die Einnahmen beim Essen, 3 Euro für das Hauptgericht, 1,50 Euro für die kleine Mahlzeit oder den großen Salat.
Um kurz nach eins ertönt die Pausenklingel. Es dauert noch ein Weilchen, dann tröpfeln die Kinder gruppenweise an den Mensatresen. Manche holen sich warmes Essen, viele kaufen auch Müsli­riegel oder ein Eis. An den Tischen herrscht bald Leben. Heute finden alle Platz, aber am Dienstag, wenn etwa 400 Essen ausgegeben werden, wird es eng. Insgesamt besuchen 1200 Schüler das Gymnasium. Schon länger wünschen sich die Mütter einen eigenen Mensabau mit größerer Küche und einem schöneren Essbereich. Bislang ist noch nichts daraus geworden – auch das Christianeum hängt im Stau bei der zuständigen Behördenstelle Schulbau.
Dank des Einsatzes der Eltern funktioniert das Mensasystem, und die Mütter sind stolz auf das Erreichte. »Aber ich vermute, wir sind hier auf einer kleinen Insel«, sagt Lorenzen. Dann verabschiedet sie sich, um nach Hause zu fahren und für ihre Kinder zu kochen – die haben heute schon am Mittag Schulschluss.
Zu denjenigen, die beim Stichwort Schulverpflegung in Wut geraten, gehört auch Volker Peinelt, Professor für Ökotrophologie an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. Seit Jahren schreibt er Artikel, Bücher und hält Vorträge über die Schulverpflegung. Stundenlang könnte er über das Thema sprechen. In Rage geredet hat er sich schon nach einer Minute.
Anfang 2012 veröffentlichte sein Institut eine Studie, für die fünf Jahre lang Daten von rund 200 Schulen gesammelt wurden. Das Ergebnis: In 90 Prozent der untersuchten Mensen gab es Qualitätsmängel, meist war der Standard schlechter als in Betriebskantinen und Hochschulmensen.
»Eins der größten Probleme ist, dass wir in Deutschland in diesem Bereich überhaupt keine Professionalisierung haben, wie es in anderen Ländern der Fall ist«, klagt Peinelt. »Die skandinavischen Länder und Frankreich haben dagegen vorbildliche Systeme aufgebaut. Besonders beeindruckt hat mich Japan: Da haben die Schulen einheitliche Küchen mit ausgebildetem Personal. Das Essen wird höchstens eine halbe Stunde warmgehalten, die Schüler servieren es selbst in den Klassenzimmern, die dazu umgerüstet werden. Alle nehmen daran teil, das gemeinsame Essen gehört zum Schulprogramm. Es gibt Themenwochen in den Schulmensen, auf saisonale und regionale Speisen wird großen Wert gelegt.«
2005 entwickelte Peinelts Institut aufgrund zahlreicher Nachfragen von Schulen zusammen mit der Verbraucherzentrale Nordrheinwestfalen ein Zertifizierungssystem für Caterer und Schulmensen. Die dazu ins Leben gerufene AG Schulverpflegung formulierte Qualitätsstandards, die sämtliche Aspekte der Verpflegung umfassen, von Arbeitsrecht und Hygiene über Kommunikation und Service bis hin zum Speiseplan. »Der muss eine vollwertige, abwechslungsreiche Ernährung enthalten. Aber nicht nur die Nährstoffe sind wichtig, das Essen muss von den Kindern auch akzeptiert werden«, betont Peinelt. Denn was Kinder nicht mögen, bleibt auf dem Teller liegen – so viel ist erwiesen. Es muss einen Mensabeirat geben, in dem Schüler, Schulpersonal, Eltern und Caterer oder andere Produzenten vertreten sind. Die Reklamation von schlechtem Essen muss Konsequenzen haben.
Seit 2007 wird die Zertifizierung angeboten, doch bislang haben sich kaum Küchen prüfen lassen, und nur 19 Produzenten haben das Zertifikat – eine, zwei oder drei Kochmützen – erhalten. Peinelt ärgert sich, dass die Vernetzungsstellen der Länder nicht mit der AG Schulverpflegung kooperieren. »Erst fordert man Qualitätsstandards und ein Prüfmodell, dann hält man sich vornehm zurück. Als ob es uns ums Geldverdienen ginge. Dabei machen wir das allenfalls zum Selbstkostenpreis.«
3000 Euro kostet die Zertifizierung. Kein Pappenstiel, aber für einen Betrieb eine sinnvolle Investition, wenn sie ihm Kunden beschaffen würde, die auf geprüfte Qualität Wert legen. »Es ist etwas anderes, ob ein Caterer, der Krankenhäuser und Altenheime beliefert, nebenbei auch noch für Schulen mitkocht, oder ob sich ein Betrieb professionell auf die Verpflegung von Kindern ausrichtet – auf spezielle Nährwertanforderungen und auf den Geschmack.« Doch die Caterer haben meist nur einen Jahresvertrag, da lohnen größere Investitionen in das Projekt nicht.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bietet inzwischen ebenfalls eine Zertifizierung an, doch die wird nur unwesentlich mehr genutzt als die Zertifizierung der AG Schulverpflegung. Die Kampagnen, Konzepte und Initiativen von staatlicher Seite sind für Peinelt purer Aktionismus. »Was bringt es, wenn einmal im Jahr an der Schule ein Ernährungstag durchgeführt wird, wo alle ein Essen probieren können?« Ihm geht es darum, nachhaltig und flächendeckend eine gute Ernährung für Schulkinder umzusetzen. Alle sollen erreicht werden, nicht nur die Kinder der Oberschicht oder die, die das Glück haben, auf ein engagiertes Erwachsenenumfeld zu treffen.
»Das Ideal wären natürlich Küchen vor Ort an den Schulen, aber die sind aus Kostengründen kaum zu realisieren.« Deshalb schlägt er ein entkoppeltes Verpflegungssystem vor: In kommunalen Zentralküchen soll das Schulessen zubereitet und dann auf 3 bis 0 Grad heruntergekühlt oder schockgefroren werden. In den Mensen der Schulen müsste es nur noch aufgewärmt werden. »Verwendet man hochwertige Zutaten, käme man dabei auf 4 bis 5 Euro pro Mahlzeit. Das kostet insgesamt auch die derzeitige externe Warmverpflegung. Die scheint bloß billiger, weil in den Kommunen nicht über alle Posten Buch geführt wird. Natürlich müsste man Geld investieren, aber auf lange Sicht wäre ein solches System sogar günstiger als eine schlechte Warmverpflegung. Rund 2 Milliarden Euro würde den Staat eine Schulverpflegung im entkoppelten System kosten, an der alle Schulkinder kostenlos teilnehmen können.« Das entspricht ungefähr der Summe, die für das von CSU und CDU geplante Betreuungsgeld errechnet wird.
Manchmal sind es die Kinder selbst, die die Sache in die Hand nehmen. Die britische Schülerin Martha Payne, ganze neun Jahre alt, machte vor, wie das gehen kann: Mit ihrem Blog Neverseconds sorgte sie im Mai international für Aufsehen – einfach dadurch, dass sie das Essen fotografierte, das ihr täglich in der Schulkantine serviert wurde. Das sah nicht nur miserabel aus, es reichte oft nicht mal zum Sattwerden. Mal drückte sich ein Stückchen Pizza mit einer einsamen Krokette und ein paar tristen Maiskörnern auf dem Plastiktablett herum, mal ein trockenes Burgerbrötchen mit einer käsegetränkten Frikadelle, zwei Kroketten und drei Gurkenscheibchen.

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Die zuständige Behörde versuchte, den Blog zu verbieten, doch die Protestwelle war bereits zu groß. Selbst Jamie Oliver schickte Unterstützungsgrüße an Martha. Und dann, sehr schnell, änderte sich tatsächlich etwas: An Marthas Schule gab es größere Portionen, bald wurde durchgesetzt, dass die Schüler unbegrenzt Salat, Obst und Brot essen durften. Noch mehr Positives hat der Blog angestoßen: Kinder aus aller Welt tauschen sich jetzt dort mit Fotos und Kommentaren über ihr Schul­essen aus. Martha rief zu einer Spendenaktion für die Hilfsorganisation Mary’s Meals auf, die sich für Schulessen in den ärmsten Ländern der Welt einsetzt. Mehr als 100 000 britische Pfund sind inzwischen dabei zusammengekommen, ein Erfolg auf der ganzen Linie.
Auch an der Husumer Klaus-Groth-Grundschule waren Kinder an der Einführung von Projekten rund um die Ernährung beteiligt. Überall in den lichtdurchfluteten Fluren der Schule sieht man die Ergebnisse: Fotos von Kindern beim Kochen, bei der Arbeit im Schulgarten und bei Bewegungsprojekten.
»2008 hatten wir unseren ersten Gebbi-Tag«, erzählt Inga Muhl. Sie ist Mitte 30 und unterrichtet seit einigen Jahren an der Schule, außerdem ist sie Mitglied der Lehrer-Arbeitsgruppe Ernährung.
Gebbi steht für die pädagogischen Eckpfeiler des Konzeptes Gesunde Schule: Gemeinschaft, Erleben, Bewegung, Ernährung und Stille. Es bedeutet aber auch, gesunde Ernährung braucht besondere Initiativen. An denen mangelt es an der Klaus-Groth-Schule nicht. Etliche Urkunden im Flur weisen darauf hin: Unter anderem wurde sie zur Zukunftsschule Schleswig-Holstein ernannt und von der Gesundheitskampagne in form ausgezeichnet.
Der Gebbi-Tag war die erste Ernährungsinitiative der Schule. Ausgedacht haben sich das Projekt Schüler des benachbarten Fachgymnasiums, das einen Fachzweig Ernährung und Chemie anbietet. »An mehreren Stationen konnten die Kinder etwas über Essen, Kochen und Bewegung erfahren. Jede Station wurde von Lehrern und von älteren Schülern des Gymnasiums betreut. Ich hatte so meine Zweifel, ob das gut geht – immerhin haben wir 350 Schüler, das gibt ein ganz schönes Gewusel – aber es war ein voller Erfolg. Seither veranstalten wir den Gebbi-Tag jedes Jahr im Mai. Zwei ehemalige Schüler des Fachgymnasiums sind gelernte Köche. Sie helfen uns ehrenamtlich, bereiten in der Nacht vorher das Essen vor und machen am Tag ein Show-Kochen. Gezeigt werden einfache, aber leckere und gesunde Gerichte. Zum Beispiel Pommes Rot-Weiß: Ananasstreifen mit Himbeersauce und Joghurt. Die sind super angekommen.«
Die positive Resonanz des Gebbi-Tages hat weitere Aktionen nach sich gezogen. Regelmäßig macht Muhl mit ihren Schülern den aid-Ernährungsführerschein. Für die Erstklässler gibt es eine Brotdosen-Aktion, bei der ihnen und ihren Eltern erklärt wird, was in eine Pausenbox gehört: Vollkornbrot, Obst und Gemüse. »Das ist leider keine Selbstverständlichkeit«, seufzt Muhl. Im BUND-Schulgarten werden Kräuter, Obst und Gemüse angebaut, einmal hat eine Referendarin sogar eine Honigschleuder mitgebracht. Außerdem wird in der Küche der Schule gekocht.
»Wir haben zum Beispiel Gemüse im Schulgarten geerntet und daraus Suppe gekocht.«
Aber die alte, graue Einbauküchenzeile in der Schulküche ist viel zu klein und für die Arbeit mit Kindern nicht richtig ausgestattet. An den weißen und kirschroten Wänden prangen zwar zwei fröhliche, wundervoll dickbäuchige Köche, die der Stadtmaler von Husum für die Schule gemalt hat. Aber es gibt nur einen Herd. »Wenn ich mit einer Klasse von 26 oder 27 Kindern hier koche, kann ich nur etwas vormachen. Die Kinder möchten natürlich alle mal im Topf rühren, aber das ist kaum möglich.«
Also nahm die Schule mit einem Nutzungskonzept am Wettbewerb Küchen für Deutschlands Schulen teil, der von Tim Mälzer unterstützt und von Nolte-Küchen gesponsert wird – mit Erfolg. Anfang 2013 wird die neue Küche eingebaut. »Dann soll es kleine Kochinseln mit Arbeitsflächen in kindgerechter Höhe geben, an denen die Kinder selbst arbeiten können.«
Jeden Tag gibt es in der Küche eine Brötchenecke, in der Mütter Pausenbrötchen schmieren. »Man bekommt dort auch Schalen mit klein geschnittenem Obst und Gemüse. Die kommen auch bei den Lehrern sehr gut an.« Sogar ein kostenloses Frühstück wird vor Unterrichtsbeginn angeboten, für die Kinder, die zu Hause keins bekommen. »Es gibt Müsli mit Milch, denn wir wollen, dass alle Kinder gut versorgt in den Schultag starten können. Man muss sich dafür nicht anmelden. Die Kinder kommen ganz von alleine.« Und es sind nicht wenige.
Die Lebensmittel für das Frühstück, die Brötchenecke, Aktionen wie der Gebbi-Tag und die Pausenbrotdosen werden durch Sponsoren finanziert. Im Flur der Schule, neben den Fotos und den Urkunden, hängt eine Tafel, auf der sie genannt werden: der Rotary Club, die AOK und etliche Privatleute. Größere Aktionen wie die neue Schulküche werden durch Wettbewerbe finanziert. »Anders ginge es nicht.« Muhl zuckt mit den Schultern. Für sie ist das Engagement eine Selbstverständlichkeit. Das Kollegium ist jung, viele haben am Thema Essen Interesse, und sie sind bereit, zusätzliche, unbezahlte Arbeit in Projekte zu stecken.
»Yeah, Pfannkuchen!«
Drei kleine Zeigefinger patschen begeistert auf den Aushang mit dem Speiseplan der Woche, denn unter den Pfannkuchen steht ein magisches Wort: Nutella.
»Aber das ist doch für Mittwoch«, dämpft einer der Jungs die Vorfreude. »Heute ist Dienstag.«
Und am Dienstag gibt es Nudelauflauf, wahlweise mit Schinken oder Brokkoli. Die Mundwinkel sacken nur kurz herunter, dann stürmen die drei an einen der sieben Kindertische im Hort Max und Milla. Der Hort liegt im ersten Stock der Klaus-Groth-Schule und wird vom Kinderschutzbund betrieben. Hier bekommen die Kinder, die nachmittags bleiben, ein warmes Mittagessen. Etwa 70 Kinder nutzen das Angebot. Mehr Anmeldungen liegen vor, aber die Kapazitäten des Hortes sind erschöpft.
Grüne Besteckständer, Wasserflaschen, Gläser und Serviettenhalter stehen auf den Tischen. Bald haben sich 15 Kinder an die Tische gesetzt. Um 12 Uhr waren Erst- und Zweitklässler an der Reihe, jetzt, um 13 Uhr, sind es die Dritt- und Viertklässler. André Christen, der Erzieher, gibt das Startsignal, und die erste Tischgruppe holt sich Teller vom Geschirrwagen und stellt sich vor die Arbeitsfläche der Küchenzeile, an der eine Kollegin von Christen den Nudelauflauf ausgibt. Nach Wunsch kommt noch ein großzügiger Klacks Tomatensauce darüber, dann wird gefuttert. Die Kinder unterhalten sich leise und entspannt. Christen, der mit an einem der Tische sitzt und ebenfalls isst, ragt groß zwischen ihnen heraus.
»Können wir noch einen Nachschlag bekommen?« Die drei Jungs an Christens Tisch haben den Auflauf bereits verputzt. Der Erzieher schaut kurz in die Runde, wie weit die anderen Kinder sind, dann nickt er. Mehr als die Hälfte holen sich eine zweite Portion.
»Seit einigen Wochen wird das Essen vom Husumer Restaurant ›Zum Seehund‹ geliefert«, erzählt Christen. »Vorher kam es aus der Küche des Altersheims. Es gab Schwierigkeiten mit den Absprachen, außerdem hat es mengenmäßig oft nicht gereicht. Manche Kinder essen fünfmal in der Woche im Hort, da sollen sie eine vernünftige Mahlzeit bekommen und satt werden.«
»Aber früher gab es Nachtisch.« Max, einer der Jungs an Christens Tisch, hat ein gutes Gedächtnis für die wesentlichen Dinge.
Christen grinst trocken. »Wir sind der Meinung, dass die Eltern den Zuckerhaushalt ihrer Kinder schon selbst gut genug regeln«, sagt er in meine Richtung.
Der Inhaber des Seehunds war vor etlichen Jahren Koch im Altersheim, dann hat er sich selbstständig gemacht. »Unser Geschäftsführer Gregor Crone hat sich an ihn erinnert und ihn gefragt, ob er nicht das Essen liefern kann.« Christen und die Kinder sind im Großen und Ganzen zufrieden mit seiner Küche. »Wir sind noch in der Testphase. Manche Gerichte kommen gut an, andere weniger. Letzte Woche gab es zum Beispiel einen Quarkauflauf, der ging gar nicht.«
»Der hat nach Mehl geschmeckt«, erklärt Max bestimmt.
»So etwas können wir dann mit dem Seehund besprechen und den Plan entsprechend ändern.«
2,50 Euro kostet eine Mahlzeit, Salat oder Obst ist beim Essen nicht dabei. »Nachmittags gibt es noch eine Zwischenmahlzeit. Wir haben die Eltern gebeten, ihren Kindern dafür etwas mitzugeben, Obst zum Beispiel, weil das im finanziellen Rahmen des Hortes leider nicht drin ist.« Aber längst nicht alle haben etwas dabei.
»Und was gibt es abends bei euch zu ­essen?« fragt Christen die Jungs.
Nachdenkliches Schweigen. »Ich hole mir nachher einen Döner«, sagt schließlich einer von ihnen. »Ich esse Wurst«, meint der zweite.
»Ohne Brot?«
Na ja, Brot ist wohl auch dabei.
Max weiß es nicht genau. »Manchmal essen wir abends warm. Manchmal gibt es Brot.«
Die Teller sind leer, schnell ist das Thema Essen vergessen.
»Dürfen wir aufstehen?« Christen nickt, und die drei bringen ihre Teller zurück zum Geschirrwagen. Auch ihren Tisch wischen sie ab, bevor sie den Raum verlassen.
Christen erzählt, wie er als Jugend­licher an einem Schulaustausch nach Frankreich teilgenommen hat. »Da gab es damals schon zwei Sozialarbeiter an der Schule, das war ganz normal. Sie waren Vertrauenspersonen für die Kinder, nicht ein verlängerter Arm des Sozialamtes, wie es hier oft der Fall ist. Deutschland hat es seit Jahrzehnten versäumt, in die Schulentwicklung zu investieren, auch, was Verpflegung und Ernährung betrifft. Das lässt sich so schnell nicht nachholen.«
Es wird wohl noch dauern, bis in Deutschland gute Schulmensen Standard sind. So wie an der Schule Rothestraße, wo Jochen Schepp jetzt schon weiß, dass seine Tochter im nächsten Jahr wohl erst einmal Essen vom Caterer in einem räumlichen Provisorium bekommt – falls nicht ein kleines Wunder geschieht. 

20. Februar 2013Von Dirk Müller
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Ein Kommentar

  1. Vanessa
    Am 23. Februar 2013 um 19:47 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Liebe Schüler und Eltern der Schule in der Rothe­s­traße und liebes Effillee-Team,

    in Hamburg gibt es an der HAW den Studiengang Ökotrophologie. Dort lehrt Prof. Dr. Ulrike Arens-Azevedo. Diese ist auch bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung immer wieder tätig und lehrt gerade das Thema Gemeinschaftsverpflegung. Weiterhin gibt es an der HAW viele gute und begeisterte Studentinnen und Studenten der Ökotrophologie, die immer wieder im 3. und 4. Semester ein Projekt absolvieren müssen. Oft wurden schon solche Schulmensen „eingerichtet“ und mit entsprechendem Essen versorgt. Wer also Hilfe benötigt, kann sich also vor Ort an heranwachsende Experten und bereits existierende Experten wenden, welche auch immer gerne helfen.
    Falls das zu viel Aufwand ist, gibt es auch die Porschke Menümanufaktur, http://porschke-menuemanufaktur.de/, die nicht nur biologisch kocht, sondern ALLES frischt herstellt.

    Viele Grüße und ich hoffe ich konnte weiterhelfen;)

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