2015 Weißburgunder ­trocken Sternenglanz, Alexander Gysler, Rheinhessen, Deutschland

Ursula Heinzelmann im April 2017: Was für eine Wohltat, und welch Vergnügen: weder Aschenbrödel noch Operndiva

 

In den 1990ern war Weißburgunder eine richtige Entdeckung, im gewissen Sinne der bessere Chardonnay, der ohne Holzaromatisierung und/oder Malobutterkaramell Struktur und Charakter ins Glas brachte. Rainer Bergdolt demonstrierte damals als einer der Ersten, was für großartige Weine so möglich waren. Die Sorte schüttelte das Aschenbrödelmäntelchen ab, das ihr die Elsässer durch die fehlende Anerkennung verpasst hatten. Anders als ihr grauer naher Verwandter Pinot gris durfte und darf der weiße Pinot keine Grands Crus übersetzen, sondern muss als Alltagswein und Edelzwicker-Füllmasse herhalten. Dann folgten Mandelberg aus der Südpfalz, Winklerberg vom Kaiserstuhl. Paul Fürst zeigte uns, dass Holz und Weißburgunder trotzdem Sinn machen können, und zwar großartigen Sinn. Allerdings öffneten sich damit auch die Schleusen der weißburgundrigen Üppigkeit. Oh Geister … Lange Zeit herrschte Masse statt Klasse, ziellos wirkende Power statt Sinn und Fokus. Daher erfreut mich dieser Sternenglanz ganz besonders. Alexander Gysler ist als Mensch ein Stiller, und seine Weine wirken leise, nicht zuletzt durch viele Jahre biodynamischer Bewirtschaftung. Unprätentiös und doch ganz präzise. Fein leuchtend, nie blendend. Ein neuer Weg für den weißen Pinot.

Was für eine Wohltat, und welch Vergnügen: weder Aschenbrödel noch Operndiva
Aus Effilee #40, Frühjahr 2017
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