2011 Müller, Müller-Thurgau

Enderle und Moll
Ortenau, Deutschland

 
Sebastian Bordthäuser schreibt über Wein, Sake und Cocktails und ist Sommelier in Steinheuers Restaurant
Sebastian Bordthäuser schreibt über Wein, Sake und Cocktails und ist Sommelier in Steinheuers Restaurant
Text: Sebastian Bordthäuser

Furore machen Sven Enderle und Florian Moll mit ihren Pinots, dabei rundet auch Weißwein ihr Portfolio ab. Unter anderem der arme Müller. Er guckt etwas bedröppelt auf dem Etikett, dabei stünde ihm etwas mehr Freude gut zu Gesicht.
Bei diesem Wein geht es um den Sortencharakter, ohne Lagen- und Terroirgezauber. Das wäre auch schlecht möglich, er ist ein Gemeinschaftsprojekt mit Stefan Steinmetz von der Mosel. Der eine Teil des Weines wird dort gelesen und vergoren. Ist er fertig, vermählen Enderle und Moll ihn mit ihrem Müller aus der Ortenau. Die Weinbereitung passiert ähnlich wie bei den Pinots: langsames Pressen mit der Spindelpresse, Vergärung mit eigenen Hefen teils im großen Holzfass, teils im Stahl. Es folgt eine lange Hefestandzeit bevor nur mit einem Sieb der grobe Trub herausgefiltert wird. Geschwefelt wird auch sehr wenig (20–40 mg/l). Der Wein hat in der Nase den typischen Muskatton, etwas Kräuter und Nüsse, dafür keine lauten Fruchtaromen. Wer die sucht, soll Obst kaufen. Im Mund haben wir einen stoffigen, cremigen Wein mit enormer Spannung und ganz zarter Würze. Im Abgang kitzelt ein feiner Bitterton. Das ist so herrlich unaufgeregt, dass sich die Flasche quasi im Alleingang leert. Beschwingte 11,5 % Alkohol tun ihren Teil dazu. Dazu eine schöne Stulle mit einem salzigen Stück Käse, und die Welt ist in Ordnung.
Müller-Thurgau mit Bumms
7 Euro bei info@la-vincaillerie.de

Aus Effilee #26, Herbst 2013
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