
Gott sei Dank war Patrick Gebhardt, 1971 in Bremen geboren, kein zu guter Schüler. Denn eigentlich wollte er Bierbrauer werden. "Schließlich hatte ich gehört, dass es jede Woche eine Kiste Bier frei Haus gab." Doch dann legte die Firma Beck & Co. "mehr Wert auf die schulische Bildung als auf die Liebe zum Produkt. Und so wurde ich halt Koch. Unromantisch, oder?"
Aber immerhin: Bereits als 10jähriger versuchte sich Gebhardt an Spaghetti Bolognese. Noch heute steht es manchmal auf seiner Mittagskarte, "und ja: ich liebe das Zeug immer noch – obwohl ich es heute ohne Tütenhilfe koche".
Aktuell ist Gebhardt Mitinhaber des Restaurants Fillet of Soul in den Deichtorhallen in Hamburg.
Rezepteerprobung und -erfassung funktionieren bei Patrick Gebhardt in einem abgestuften Verfahren: Zunächst wird alles in ein kleines Arbeitsnotizbuch notiert, das in der Küche für Änderungen bereit liegt, "bis das Rezept 100%ig funktioniert". Dann erst wird es in ein großes Buch umgeschrieben, das Gebhardt bereits seit 15 Jahren besitzt. "Immer, wenn ich dieses Buch durchblättere, komme ich mir ziemlich alt vor."
Sein Lieblingsküchengerät ist die Küchenmaschine von Braun. "Die macht alles mit, und man kann mit ihr die tollsten Salsas und Teige herstellen." Besonderen Wert legt er aber auch auf seine Messer (und auf "alte Freunde und Weggefährten", die aber auch im erweiterten Sinne nicht zu den Küchengeräten zählen).
Gebhardts Paradegericht ist eine fünf Stunden in Rotwein geschmorte Ochsenbacke mit getrüffelter Kartoffelcreme und Estragonkarotten.
"Alle Lebensmittel, die mit Leidenschaft produziert wurden", gefallen Gebhardt – ob Kräuter, reifes Obst und Gemüse, frischer Fisch oder abgehangenes Fleisch.
Lob für "einen ganz tollen Abend" hört Gebhardt immer gern, auch und gerade, wenn die Gäste dabei positiv überrascht wurden. Was er gar nicht ausstehen kann, ist Nachwürzen, ohne probiert zu haben. "Wie dumm kann man sein?"
Dem berufsinteressierten Nachwuchs empfiehlt Gebhardt einen "Rock Bottom", Durchhaltevermögen und Ehrgeiz." Der Weg sei lang und mühselig, wenn man ein guter Koch werden wolle.
Privat reizen Gebhardt das berühmte
El Bulli in Katalonien und die kaum minder bekannte
French Laundry in Kalifornien zum Besuch. Immer wieder gern geht er derzeit ins
FUH oder ins
4Experiment, beide in Hamburg. "Oder zu Tim (Mälzer) zum Grillen." Nicht grillbar ist allerdings sein Leibgericht: Hühnerfrikassee mit Kapern.
"Es gibt viele nette und einige nicht so sympathische Kollegen", fasst Gebhardt seine Brancheneindrücke zusammen. Lernen könne man aber von jedem – und sei es etwas, das man selbst "besser lässt".
Für diese Seite empfiehlt er seine Kollegen vom FUH und vom 4Experiment sowie Enrico Dunkel vom Ritter St. Georg in Braunschweig.
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20095 Hamburg
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