Nachdem die Nationalmannschaft der Bundeswehrköche bei der Olympiade der Militärköche in Erfurt vor zwei Jahren die Goldmedaille erkochte, waren im November die Erwartungen bei der Weltmeisterschaft in Luxemburg hoch. Leider reichte es nur für den dritten Platz, hinter der Schweiz und Großbritannien. An der Ausrüstung dürfte es aber wohl nicht gelegen haben, denn die Olympiasieger verlassen sich im Ernstfall auf bewährte Technologie Made in Germany, sie kochen auf der taktischen Feldküche TFK 250 – wie übrigens auch der Rest der NATO.
Entwickelt und hergestellt wird die für den Einsatz unter Air-Land-Battle-2000-Bedingungen optimierte Gulasch– kanone von der Firma Kärcher in Winnenden. Den meisten Haus– oder Gartenbesitzern ist Kärcher eher als Hersteller von Hochdruckreinigern oder Teichpumpen bekannt. Tatsächlich erlöst das Familienunternehmen aber nur 50% seines Umsatzes von immerhin fast 1,5 Milliarden Euro mit Baumarktware. Der Rest wird mit professionellen Reinigungslösungen bis hin zu Trinkwasserauf bereitungsanlagen und Dekontaminationscontainern erwirtschaftet.
Wer Olympiasieger ausrüstet, sollte eigentlich auch mit seiner Kantine punkten können. Am Stammsitz im schwäbischen Winnenden werden fast 2000 der weltweit 6000 Mitarbeiter versorgt. Das Ambiente der Kantine im 2. Stock ist dann aber schon ein erster Dämpfer: Uninspiriert, wülig, verwinkelt und laut, möbliert wie eine Jugendherberge.
Auch die Speisen sind nahe an dem, was man sich als Ungedienter in einer Bundeswehrkantine vorstellt: Schweinegeschnetzeltes Gyros-Art mit Tzatziki am Montag für 1,65, Schweinehalsbraten in der Senfkruste für 2,60 am Freitag. Für ganz Abgebrühte wird am Donnerstag in der Rubrik Kalte Gerichte Camembert mit Sauce Vinaigrette serviert.
Obwohl jeden Tag selbst gekocht wird, setzt sich auf dem Teller der Eindruck des Ambientes fort. Zugegeben, das Salatbuffet ist ordentlich und Wasser wird kostenlos und unbegrenzt verteilt. Aber von einem Unternehmen, dessen Kunden auch mal drei Sterne auf der Schulter haben, hatte ich mir mehr erhofft.

Ein Kommentar
Guten Tag,
als ehemaliger Kärcher Mitarbeiter frage ich mich schon, welcher Maßstab an eine Kantine gesetzt werden muss bzw. was Kärcher dem Autor angetan hat. Die Preise der Gerichte sind aus meiner Sicht fehlerhaft dargestellt um die Kantine in Richtung Mena zu drücken, in diesen Preisen ist weder eine Beilage noch ein Salat beinhaltet. Ich kann nur betonen, dass die Mitarbeiter die Qualität der Kantine gerne loben und das Preis-Leistungsverhältnis äußerst schätzen.
Vielleicht sollte der Staat in der neuen Etat-Planung die Erwartungshaltung der Bundeswehr prüfen, wenn es in diesen Kreisen eine bessere Versorgung gibt.