Erzähltes Leben

Shoot the food

Blogs, die sich mit Essen befas­sen, gibt es zu zuhauf, und natür­lich kommt kei­ner davon ohne Fotos aus . Aber wie stellt man es an, Essen so zu foto­gra­fie­ren, das es inter­es­sant und lecker aussieht?

Rechteinhaber: Vijay Sapre, Lizenzvereinbarung: Nutzung nur auf Effilee

Blog­gen ist Frau­en­sa­che: 81% der Food­blogs wer­den von Frauen geschrieben

Stevan Paul grinst, als ich ihn am Tag nach dem Work­shop im Büro treffe. »Na, warst du der ein­zige Mann?« Ja, war er. Blog­gen ist Frauen­sache, Food­blog­gen erst recht. 81 Pro­zent der Food­blogs wer­den laut einer ame­ri­ka­ni­schen Stu­die von 2011 von Frauen geschrie­ben. Män­ner gucken Fuß­ball und trin­ken Bier.

Susanne Schanz und Vir­gi­nia Horst­mann sind selbst Food­blog­ge­rin­nen, beide sind aber pro­fes­sio­nell vor­be­las­tet; Susan­ne, ihr Blog heißt La Petite Cui­sine, ist Foto­gra­fin und Vir­gi­nia (Zucker Zimt und Liebe) hat jah­re­lang als Pro­dukt­ma­na­ge­rin in der Lebens­mit­tel­in­dus­trie gear­bei­tet. Ent­spre­chend pro­fes­sio­nell und auf­ge­räumt sehen ihre Blogs und die Fotos darin aus, und da Blogs häu­fig von Blog­gern gele­sen wer­den, kam bald die Frage auf: Wie macht ihr das? So ent­stand die Idee, Work­shops zu ver­an­stal­ten, in denen die Grund­la­gen der Food­fo­to­gra­fie ver­mit­telt werden.

Das Kon­zept schlug ein wie eine Bombe. Der erste Work­shop in Köln, von dem hier berich­tet wird, war in kür­zes­ter Zeit über­bucht, auch die wei­te­ren Ter­mine, zwei­mal in Ham­burg und ein­mal in Mün­chen sind aus­ge­bucht.
Die Loca­tion ist ein etwas abge­le­ge­nes Lokal in einem Gewer­be­hof in Köln Mül­heim. Hier sitzt die Fern­seh­pro­duk­ti­ons­ge­sell­schaft Brain­pool und der Bastei-Lübbe Ver­lag. Wir tref­fen uns mor­gens um halb neun; es gibt belegte Bröt­chen und Kaf­fee und man plau­dert sich ein wenig warm, wäh­rend die letz­ten Teil­nehmerinnen ein­tref­fen. Kame­ras wer­den her­um­ge­zeigt, die belieb­teste Marke scheint Canon zu sein, gefolgt von Nikon. »Für mich hat sich das jetzt schon gelohnt, weil ich in der Bahn das erste Mal über­haupt die Bedie­nungs­an­lei­tung mei­ner Kamera gele­sen habe«, sagt eine.

Bloggen ist Frauensache: 81% der Foodblogs werden von Frauen geschriebenplay Shoot the food

Die meis­ten Teil­neh­me­rin­nen haben ihre eige­nen Blogs, die mehr oder weni­ger eng um das Thema Essen krei­sen. Min­des­tens zwei sind selbst pro­fes­sio­nelle Foto­gra­fin­nen, für die viele Grund­la­gen zwar selbst­ver­ständ­lich sind, aber Essen zu foto­gra­fie­ren, das haben alle hier schon mal gemerkt, hat seine eige­nen Tücken.
Die Ver­an­stal­te­rin­nen haben für alles gesorgt, Props, also Sty­lin­g­ar­ti­kel, ste­hen auf einem Tisch bereit, Geschirr, Besteck, Tücher und aller­lei Holz­bret­ter als Hin­ter­gründe. Auf einem ande­ren ist das Essen, ein Zie­gen­käse mit Him­bee­ren und Honig, eine asia­ti­sche Lin­sen­suppe. Spä­ter sol­len noch Cup­cakes kom­men, die bringt, wie zur all­ge­mei­nen Freude ver­kün­det wird, Frau Klit­ze­klein, eine bekannte Blog­ge­rin, die sich in ers­ter Linie mit – eben – Cup­cakes beschäf­tigt.
Aber erst mal geht es an die Theo­rie. Vir­gi­nia erklärt Prin­zi­pien des Bild­auf­baus, Auf­tei­lung, Sty­ling und sol­che Sachen. Sie beschreibt, wie sie selbst dabei vor­geht, wenn sie ein Motiv plant, und wie sich ihre Her­an­ge­hens­weise im Lauf der Zeit auch ver­än­dert hat. Danach gibt Susanne einen Crash­kurs zum Thema Grund­la­gen der Foto­gra­fie: Was bedeu­tet ISO, was pas­siert, wenn die Blende wei­ter geöff­net wird, was ist ein Weißabgleich.

Der wich­tigste Satz ist: »Schal­tet jetzt mal alle den manu­el­len Modus in eurer Kamera ein!« Nur dann hat man näm­lich all diese Dinge unter Kon­trolle. Schön ist, dass beide immer wie­der auch Bil­der in ihren Vor­trag ein­bauen, die von den Teil­neh­me­rin­nen zuvor geschickt wur­den.
Dann geht es end­lich, end­lich ans Auf­bauen der Motive und ans Foto­gra­fie­ren. Gear­bei­tet wird in Grup­pen von vier Foto­gra­fin­nen und wie in der Effilee-Redaktion, wenn Ste­van und Andrea pro­du­zie­ren, wird von Anfang an hef­tig um Klei­nig­kei­ten gerun­gen. Die Dozen­tin­nen immer mit­ten­drin, sie erklä­ren, warum man viel­leicht das ganze Setup umdre­hen sollte und von der Seite foto­gra­fie­ren, legen selbst Hand an, kri­ti­sie­ren und loben. Bald ste­hen die ers­ten Teil­neh­me­rin­nen auf den Bän­ken und die ers­ten Tel­ler auf dem Boden.
Am Schluss wurde von jeder Teil­neh­me­rin das schönste Foto gezeigt und gemein­sam bespro­chen. Ins­ge­samt hat der Work­shop knapp zwölf Stun­den gedau­ert, in denen viel gere­det und gelacht wurde, alle aber auch eine ganze Menge gelernt haben.

Shoot the Food

Susanne Schanz und Vir­gi­nia Horst­mann
shootfood.wordpress.com

Text & Fotos: Vijay Sapre
5. Dezember 2012
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