Für Jiaozi muss man alles klein hacken. Ganz klein. Noch ein bisschen kleinerRocco und seine Brüder haben uns gelehrt: Nudeltaschen kommen aus Italien und heißen Ravioli. Das ist ungefähr so, als würde man behaupten, das organisierte Verbrechen kommt aus Italien und heißt Mafia. Da lachen die Triaden, die Yakuza, die Diebe im Gesetz oder die Nachfahren der Kosher Nostra. Und essen Jiaozi, Gyoza, Piroggen oder Kreplach. Tatsächlich stammt die Nudeltasche, wie das Feuerwerk, die psychologische Kriegsführung und der Computer von Aldi aus China, wo sie erfunden wurde, als Marco Polos Reise noch der abgelehnte Sciene-Fiction-Roman eines römischen Senators war. Auch hierzulande aß man sie schon, bevor 1952 in Würzburg die erste Pizzeria Deutschlands eröffnet wurde: als Maultasche. Der Name bedeutet ursprünglich Ohrfeige – angeblich wurden die schwäbischen Nudeltaschen so genannt, weil sie einer geschwollenen Wange ähneln. Nudeltaschen sind Fummelarbeit, man braucht für sie Geschick und Zeit oder zumindest einige Mitstreiter. Wer all das nicht hat, dem bleiben Ravioli aus der Dose – das war 1958 das erste Nudelfertiggericht in Deutschland.
Fotos: Andrea Thode