Erzähltes Leben Fotostrecken

Drei Töpfe: Nudeltaschen

Alex­an­der Kas­bohm hat drei­mal Nudel­ta­schen gegessen

Rocco und seine Brü­der haben uns gelehrt: Nudel­ta­schen kom­men aus Ita­lien und hei­ßen Ravioli. Das ist unge­fähr so, als würde man behaup­ten, das orga­ni­sierte Ver­bre­chen kommt aus Ita­lien und heißt Mafia. Da lachen die Tria­den, die Yakuza, die Diebe im Gesetz oder die Nach­fah­ren der Kos­her Nos­tra. Und essen Jiaozi, Gyoza, Pirog­gen oder Kre­plach. Tat­säch­lich stammt die Nudel­ta­sche, wie das Feu­er­werk, die psy­cho­lo­gi­sche Kriegs­füh­rung und der Com­pu­ter von Aldi aus China, wo sie erfun­den wurde, als Marco Polos Reise noch der abge­lehnte Sciene-Fiction-Roman eines römi­schen Sena­tors war. Auch hier­zu­lande aß man sie schon, bevor 1952 in Würz­burg die erste Piz­ze­ria Deutsch­lands eröff­net wurde: als Maul­ta­sche. Der Name bedeu­tet ursprüng­lich Ohr­feige – angeb­lich wur­den die schwä­bi­schen Nudel­ta­schen so genannt, weil sie einer geschwol­le­nen Wange ähneln. Nudel­ta­schen sind Fum­mel­ar­beit, man braucht für sie Geschick und Zeit oder zumin­dest einige Mit­strei­ter. Wer all das nicht hat, dem blei­ben Ravioli aus der Dose – das war 1958 das erste Nudel­fer­tig­ge­richt in Deutschland.

Text: Alex­an­der Kas­bohm
Fotos: Andrea Thode

aus Effi­lee #13, November/Dezember 2010

18. Juli 2012
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