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KNIGGE WEISS RAT
Rosarote Brille
Ein Freund wollte mir bei den Vorbereitungen für das Buffet meiner Party helfen. Aber jetzt starrt er nur noch Löcher in die Luft, weil er sich verliebt hat. Soll ich mir lieber einen anderen Helfer suchen?
»Suchet ihr einen verständigen Freund, der Euch mit weisem Rate oder mit festem Mute, mit Fleiß und dauernder Arbeit dienen soll, so wählet keinen Verliebten dazu. Ist es Euch aber darum zu tun, eine teilnehmende, empfindsame Seele zu finden, die mit Euch klage, winsle oder Euch ohne Sicherheit Geld borge, auf etwas subskribiere, ein reiches Almosen gebe, ein armes Mädchen ausstatte, einen beleidigten Vater besänftigen helfe oder mit Euch Ritterstreiche mache, Kindereien treibe oder Eure Verse, Eure Liederchen und Sonaten lobe, so wendet Euch nach den Umständen an einen glücklichen oder leidenden Liebhaber!«
Adolph Freiherr Knigge:
Über den Umgang mit Menschen
Haben Sie ein Problem?
Freiherr Knigge weiß Rat!
Schreiben Sie ihm einfach eine
E-Mail: Knigge@effilee.de
Die beste Frage wird im nächsten Heft beantwortet.
Lo Sang del Païs 2007
Domaine du Cros — Lo Sang del Païs 2007 — Marcillac, Frankreich
Axel Biesler ist gelernter Winzer und Sommelier. Er lebt, schreibt und trinkt in Köln. www.diewein.de
Unweit der mit etwa 150 Hektar geradezu niedlichen Appellation Marcillac wurde einmal Bergbau betrieben: Das pittoreske Anbaugebiet schmiegt sich an die südwestlichen Ausläufer des Zentralmassivs. Seine Weinberge reichen hinauf bis auf 400 Meter und sind überwiegend steil. Regen fällt manchmal mehr als reichlich
Weinbau ist hier kein Zuckerschlecken, zumal sich der Ruf des Marcillac-Weins auch heute noch auf den des billigen Zechweins beschränkt. Der ist rot und wird aus der uralten Sorte Fer Servadou gewonnen, hier Mansoi genannt. Dass der Wein den Bergleuten gut geschmeckt hat, ist durchaus nachzuvollziehen, denn er ist in der Regel von sympathisch herber Art und verträgt es daher gut, etwas kühler getrunken zu werden, damals wie heute.
Vor einigen Wochen probierte ich den 2007er der Domaine du Cros als einen unter unzähligen raubeinigen Gewächsen zu Ségala-Kalb mit Morchel-Risotto. Und fand ihn herrlich. Weil es ein Wein war, der nicht nur meinen Gaumen, sondern auch das Gericht erfrischte. Und weil sein Winzer, Philippe Teulier, derart sympathisch und bescheiden war. Zur ungeschminkten Art dieses Weines passt auch das Etikett mit üppigen Weinranken als volkstümlicher Blickfang und rudimentär angedeuteter Rebenlandschaft samt bescheidenem Häuschen im Hintergrund. Ein paar Striche Terroir. Davon, diese furchtlose Ausstattung in Zukunft moderner zu gestalten, kann nur abgeraten werde. Das wäre so, als würde ein Kumpel einen weißen Leinenanzug anziehen, um auf seinem Arschleder untertage zu jagen.
7,80 Euro bei www.weinhalle.de
aus Effilee #11, Juli/August 2010
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