
Krautwickel vom Rheinzander ist eines von Wolfgang Nagels Paradegerichten
Wer in der elterlichen Gastronomie aufwächst, der muss nicht später zwingend auch professionell den Kochlöffel schwingen. Manchen reicht die Erfahrung aus der Kindheit für den Rest ihres Lebens. Bei Wolfgang Nagel, geboren 1956 in Karlsruhe-Neureut, war das allerdings anders, denn schon als kleinem Jungen haben ihm die Aufgaben in der Küche immer viel Spaß bereitet. Und sogar in der Schule hat er immer bei den Mädchen mitgekocht – was selbst in Baden für diese Zeit sehr ungewöhnlich war. Damals wusste er allerdings noch nicht, dass man den Herd nach dem Kochen putzen muss…
Sein erstes „professionelles“ Gericht war ein Pfeffersteak, welches er für Gäste zubereitete, während seine Eltern auf dem Elternabend seiner Schule weilten. Auch heute noch wirft er gelegentlich ein solches Steak in die Pfanne, obwohl es nicht offiziell auf der Speisekarte steht. Manche Gäste mögen es halt, genauso wie er selbst. An der Rezeptur hat er seitdem nichts verändert. Warum auch? Was damals einfach gut war, ist es auch heute noch.
Aus der Praxis
Seine Rezepte notiert sich Wolfgang Nagel auf alten Speisekarten. Nicht jeder kann diese dann mühelos entziffern, seine Mitarbeiter mittlerweile jedoch schon. Wenn gar nichts hilft, greift er auch auf seine eigenen Kochbücher zurück, die es ordentlich gedruckt und verlegt gibt. Das wichtigste „Hilfsmittel“ in Nagels Küche ist – obwohl sie nun wahrlich kein Küchengerät ist – seine Frau Kerstin. Weder in der Küche noch im Service könnte er auf sie verzichten. Nach ihr kommt auf der Liste erstmal lange nichts, bevor dann der Pacojet in Erscheinung tritt. Mit ihm lässt sich laut Nagel das beste, bekömmlichste und cremigste Eis bzw. Sorbet herstellen. Genauso wichtig sind ihm allerdings auch sein japanisches Fischmesser sowie eine Pinzette, mit der man nicht nur zubinden, sondern Fische und andere fein strukturierte Stücke auch wenden und behandeln kann.
Krautwickel vom Rheinzander, von denen es diverse Variationen gibt, zählt zu seinen absoluten Paradegerichten. Geht es um seine Lieblingsprodukte, dann stehen Fisch sowie Schalen– und Krustentiere ganz oben auf der Liste. Täglich fallen ihm hierzu neue Ideen ein. Was aus dem Süßwasser stammt, findet man auf Nagels Speisekarte stündlich fangfrisch aus dem Rhein. So schmeckt es am besten. Dank der heutzutage sehr ausgeklügelten Logistik, stehen allerdings ebenso wunderbare frische Produkte aus dem Atlantik bei ihm zum Genuss bereit.
„Machen Sie mir das, was gerade da ist!“ – Gäste, die mit dieser Bitte an Wolfgang Nagel herantreten, sind ihm am liebsten, denn sie setzen damit großes Vertrauen in seine Kochkunst und so etwas ehrt und freut. Ein tolles Erlebnis, welches er jeden Tag genießen kann. Seine Kreativität als Koch wird immer dann überfordert, wenn unangemeldet eine größere Gruppe Gäste das Restaurant besucht – die Geschichte von der wundersamen Brot– und Fischvermehrung hat schließlich schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Das kann ihn dann schon nerven. Schön findet er es zudem, wenn Gäste das Essen genießen, sprich auch mal dran schnuppern und nicht gleich bedingungslos reinhauen. Wenn der Gang am Tisch genauso lange dauert wie seine Zubereitung in der Küche, dann ist schon sehr viel gewonnen.
Wer heutzutage Koch werden will, der sollte laut Nagel vor allem viel Liebe zum Beruf mitbringen. Unabdingbar ist zudem eine hohe Wertschätzung gegenüber den Produkten aus der Region, in der man lebt, arbeitet und isst. Ohne ein überdurchschnittliches Engagement kommt man zudem nicht weit, denn die körperlichen Strapazen, speziell was die Arbeitszeiten anbelangt, sollte man nicht unterschätzen. Das schlaucht schon gewaltig. Berufsanfängern sollten diese Umstände unbedingt rechtzeitig vermittelt werden.
Privates
Nagels persönlicher Restaurantfavorit ist das „La Table“ von Joël Robuchon in Paris. In Sachen Leibspeise gibt er sich bodenständiger: Rindsroulade mit Püree und Rotkohl. Schlicht aber gut, da geht für ihn nix drüber.
Sehr schätzen tut er alle Kollegen, die sich voll in ihren Beruf reinhängen und das Allerbeste für ihre Gäste möglich machen. Dazu zählen Monsieur Limousin und Monsieur Simonin, Joël Robuchon und eigentlich alle Chefs aus Paris. Für Effilee empfiehlt er Michael Oberleiter vom Parkhotel Krefelder Hof in Krefeld, Josef Viehhauser aus Hamburg, Karl-Josef Fuchs vom Romantikhotel Spielweg in Münstertal, Mike Fuchs aus Speyer sowie Marc Becker aus Bad Dürckheim.
Wolfgang Nagels Kochbuch „Kochen mit Lust und Liebe“ ist für 9,80 Euro in seinem Restaurant erhältlich.
Stationen
- „Lamm“ in Baden-Baden-Neuweier
- 4 wöchiges Praktikum bei Joel Robuchon im „La Table“ im März 2006
- Februar 2007: zweiwöchige Stagé bei Joel Roubuchon
- Aktuell: Chef des Restaurants „Nagel’s Kranz“ in Karlsruhe-Neureut
Erwähnenswertes
- Jüngster Sterne-Koch Deutschlands mit 22 Jahren (1978 bis 1983)
Kontakt
Nagel’s Kranz
Neureuter Hauptstraße 210
76149 Karlsruhe
Tel: +49 (0)721 7 05 742
Fax: +49 (0)721 7 83 62 54
Ein Kommentar
Uhhhhhmmmm super sehr gut…Congratulations!!!!!!!!!!!