Koch

Kömpel, Martina

Mar­tina Köm­pel kam als Quer­ein­stei­ge­rin zum Kochen. Inzwi­schen hat sie den Meis­ter­kurs an der renom­mier­ten Pari­ser Koch­schule „Ecole Supe­riore de Cui­sine Française Fer­randi“ bestan­den, kocht im Fern­se­hen und hat ihr eige­nes Café im Pari­ser Goethe-Institut

Ein kur­ven­rei­cher Weg

Zum Fern­se­hen sollte es gehen, nicht an den Koch­topf. Und so absol­vierte Mar­tina Köm­pel keine Koch­lehre, son­dern stu­dierte — Thea­ter­wis­sen­schaf­ten, Eth­no­lo­gie und Psy­cho­lo­gie stan­den auf dem Stu­di­en­plan. Ein Job in der Fern­seh­pro­duk­tion sicherte den Kon­takt zur Wunsch­be­rufs­welt. Alles bes­tens geplant, aber… Ein zwei­ter Neben­job bei einem Par­ty­ser­vice führte Köm­pel in die Gas­tro­no­mie. Die Che­fin des Unter­neh­mens erkannte Köm­pels Talent und ließ sie irgend­wann eigen­ver­ant­wort­lich Gäste bekochen.

martinakoempel 198x297 Kömpel, Martina

Mar­tina Köm­pel absol­vierte den Meis­ter­kurs an der »Ecole Supe­riore de Cui­sine Française Ferrandi«

Doch das Ziel stand fest. Nach Abschluss des Stu­di­ums begann Köm­pel, in der Pro­duk­ti­ons­lei­tung zu arbei­ten. Erst meh­rere bio­gra­phi­sche Wen­dun­gen führ­ten dazu, dass sie auch heute wie­der fürs Fern­se­hen tätig ist — aller­dings nicht in der Pro­duk­tion, son­dern als Mode­ra­to­rin der WDR-Kochsendung „Ran an den Herd“.

In Kürze lau­ten diese Wen­de­punkte wie folgt. Ers­tens: Köm­pel zieht mit ihrem fran­zö­si­schen Ehe­mann nach Paris und bekommt zwei Kin­der. Zwei­tens: Nach einer drei­jäh­ri­gen Berufs­pause miss­lingt der Wie­der­ein­stieg bei fran­zö­si­schen Pro­duk­ti­ons­fir­men. Drit­tens: Köm­pel bekocht Freunde mit einer Kür­bis­suppe und ent­schließt sich, ange­spornt von dem begeis­ter­ten Lob, das ihre Freunde auf die Suppe anstim­men, ihre Füh­ler wie­der in die Gas­tro­no­mie auszustrecken.

Eine gold­rich­tige Ent­schei­dung. Bereits drei Tage spä­ter konnte sie als Gesel­lin im „Lucas Car­ton“ anfan­gen, einem Pari­ser drei-Sterne-Restaurant unter der Lei­tung des Chef­kochs Alain Sen­de­rens. Jedoch ließ auch eine vierte Wen­dung nicht auf sich war­ten. Sen­de­rens beschloss, seine Sterne abzu­ge­ben, und löste damit einen Skan­dal in der Pari­ser Gas­tro­no­mie­szene aus. Für Köm­pel bedeu­tete das: neue Pläne schmie­den. Dies­mal machte sie Nägel mit Köp­fen. Sie bewarb sich an der renom­mier­ten Pari­ser Koch­schule „Ecole Supe­riore de Cui­sine Française Fer­randi“ und bestand die Aufnahmeprüfung.

Ihren Meis­ter­kurs hat Köm­pel mit Diplom 2007 bestan­den. Sie arbei­tet im Pari­ser Ritz-Hotel mit Michel Roth, ist TV-Köchin im ZDF bei »Lanz kocht!« und regel­mä­ßig Juro­rin bei der »Küchen­schlacht«. Außer­dem kocht sie in ihrem »Café Knus­per­fee« im Pari­ser Goethe-Institut.

Küche, Rezepte, Produkte

Tee-Pralinen stan­den am Anfang von Köm­pels kuli­na­ri­schen Expe­ri­men­ten. Als Weih­nachts­ge­schenk sollte es die geben, für die ganze Fami­lie, was viele mühe­volle Arbeits­stun­den bedeu­tete. Als Labor nutzte Köm­pel die hei­mi­sche Wasch­kü­che und wählte damit instink­tiv den rich­ti­gen Ort — der Raum besaß eine ideale Tem­pe­ra­tur für die Pra­li­nen­her­stel­lung. Etwas scho­ckiert war Köm­pel aller­dings, als ihr in so lan­ger Arbeit her­ge­stell­tes Nasch­werk inner­halb von kür­zes­ter Zeit in den Mün­dern der Fami­lie ver­schwun­den war.

Ein beson­de­res Lieb­lings­ge­richt hat Köm­pel nicht. Sie isst alles gern, mit weni­gen Aus­nah­men, zu denen zum Bei­spiel Schweins­kopf zählt, auch wenn die fran­zö­si­sche Küche dar­aus als Spe­zia­li­tät Schweins­kopf­ter­ri­nen (Fro­mage de tête) herstellt.

Gern arbei­tet Köm­pel mit Kar­da­mom und mit Safran. Dane­ben zäh­len zu ihren Lieb­lings­pro­duk­ten fri­sche Gar­ten­kräu­ter, die sie als grüne Sauce bei­spiels­weise zu jun­gen Pell­kar­tof­feln reicht. Für das Notie­ren von Rezep­ten macht sie manch­mal Fotos von ange­rich­te­ten Tel­lern und hält schrift­lich Ein­zel­hei­ten wie Gar­zeit oder Gewürze fest. Am liebs­ten nutzt sie aber ihre Geschmacks­ner­ven. Sie pro­biert ein Gericht, erkennt die Zuta­ten und spei­chert diese im „Gedächt­nis“ ihres Geschmacks­sinns ab. Auf das Trai­ning von Geschmacks– und Geruchs­sinn legt sie gro­ßen Wert, schließ­lich bedeu­ten sie für einen Koch wesent­li­che Werkzeuge.

Ange­hen­den Köchin­nen und Köchen rät Köm­pel nicht nur, zunächst ein Prak­ti­kum in der Gas­tro­no­mie zu machen, um einen Ein­blick in die Berufs­rea­li­tät zu erhal­ten. Wer kochen will, sollte auf jeden Fall gerne essen und mit Neu­gierde auf die Tel­ler der Nach­barn bli­cken, das heißt: rei­sen und in andere Küchen hin­ein­gu­cken. Schon die deut­schen Bun­des­län­der unter­schei­den sich, erst recht die euro­päi­schen Regio­nen. Ler­nen kann man von allen Köchen. Ein­zig den Geschmack muss man sel­ber ent­wi­ckeln und trai­nie­ren. Dafür ist es hilf­reich, ein paar mal eine Zeit lang mit sehr guten Köchen zusam­men zu arbeiten.

6. August 2007
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