Koch

Escoffier, Georges Auguste

Unter Geor­ges Auguste Escof­fier ent­stan­den unter ande­rem die unter­schied­li­chen Pos­ten in der Küche und die Spei­se­kar­ten für die Gäste. Er hat das Kochen nach­hal­tig beeinflusst

auguste escoffier 198x266 Escoffier, Georges Auguste

Geor­ges Auguste Escof­fier wurde 1846 geboren

Geor­ges Auguste Escof­fier (28.10.1846 –13.2.1935) hat die von Marie-Antoine Carême (1784–1833, Koch) und Jean-Anthelme Brillat-Savarin (1755–1826, Schrift­stel­ler, Phi­lo­soph und Restau­rant­kri­ti­ker sowie Autor –Haupt­werk: Phy­sio­lo­gie des Geschmacks -) begrün­dete Ess­kul­tur in Frank­reich moder­ni­siert. Er hat damit die Grund­lage der heu­ti­gen welt­wei­ten Domi­nanz Frank­reichs in der Hoch­kü­che geprägt.

Lehr­zeit

Escof­fier wurde 1846 als Sohn eines Schmie­des und Tabak­pflan­zers in einem klei­nen Städt­chen namens Villeneuve-Loubet, 15 km von Nizza gebo­ren. In sei­ner Jugend begann er zu malen, doch eine Kar­riere als gro­ßer Maler blieb ihm ver­währt. 1859 nahm sein Vater ihn mit 13 Jah­ren von der Schule und schickte ihn nach Nizza, wo er bei sei­nem Onkel im Restau­rant Français als Lehr­ling in der Küche begann. Escof­fier fand sehr schnell Freude an der Küchen­ar­beit und ent­wi­ckelte rasch ein gro­ßes Geschick beim Kochen und im Orga­ni­sie­ren der Küche. Nach sei­ner Aus­bil­dung fand er sofort eine Anstel­lung im nahe gele­ge­nen Hôtel Bel­le­vue. Dort blieb er nicht lange, denn bald dar­auf bekam er ein Ange­bot vom Besit­zer des modi­schen Restau­rants Le Petit Mou­lin Rouge in Paris. Es war ein gro­ßer Schritt, mit 19 aus der Pro­vinz in das kuli­na­ri­sche Zen­trum des Uni­ver­sums, nach Paris, zu wech­seln. Escof­fier begann als com­mis rôtis­seur, wurde aber schnell sau­cier. Schon nach 5 Mona­ten musste er Paris wie­der ver­las­sen. Es kam der Ein­zug in die Armee.

Dienst bei der Armee

Escof­fier ver­brachte ins­ge­samt 7 Jahre bei der Armee. 1870, als der preu­ßi­sche– fran­zö­si­sche Krieg aus­brach, wurde er chef de cui­sine im Haupt­quar­tier der Rhein­ar­mee in Metz. In die­ser Zeit des Not­stands lernte Escof­fier zu impro­vi­sie­ren, doch es war eigent­lich egal, ob impro­vi­siert oder nicht. Es hat zu die­ser Zeit keine Offi­ziere gege­ben, die woan­ders solch feine Spei­sen im Krieg zu essen beka­men wie im Haupt­quar­tier in Metz. Escof­fiers Ein­falls­reich­tum schien keine Gren­zen zu ken­nen. Als die Deut­schen Metz bela­ger­ten und der Nah­rungs­nach­schub aus­blieb, ser­vierte Escof­fier Pfer­de­fleisch: Gedüns­tet, geschmort, gebra­ten, als Gehack­tes ser­viert mit Mak­ka­roni, Lin­sen, Boh­nen, Erb­sen­pü­ree oder Ei. So meis­terte er jede pein­li­che Situa­tion, in der es schien, als ob er dies­mal nichts auf den Tisch brin­gen könnte. Noch Jahre nach dem Krieg sagte Escof­fier: „Pfer­de­fleisch ist vor­züg­lich, wenn man in der rich­ti­gen Ver­fas­sung ist, es gebüh­rend wür­di­gen zu können!“

Der Anfang der gro­ßen Kariere

Nach dem Krieg kochte Escof­fier 1872 eine Sai­son in Nizza als chef de cui­sine im Hotel Luxem­burg. 1873 kehrt er als Küchen­chef in das Petit Mou­lin Rouge nach Paris zurück. 1876 eröff­net Escof­fier in Can­nes sein ers­tes eige­nes Restau­rant, Le Fai­san Doré. Par­al­lel war er aber auch noch im Petit Mou­lin Rouge tätig, wo er sein Enga­ge­ment erst am 15. August 1878 auf­gab. Ein paar Tage spä­ter, am 28. August, hei­ra­tete Escof­fier seine zweite große Liebe (neben dem Kochen) Del­phine Daf­fis. Zusam­men hat­ten sie drei Kinder.

1879 über­nahm er die Direk­tion des Mai­son Che­vet am könig­li­chen Palast in Paris. Danach arbei­tete Escof­fier als Küchen­chef im Casino à Boulogne-sur-Mer und im Restau­rant Maire in Paris. Doch es war in Can­nes in sei­nem Restau­rant, wo er die wich­tigste Bekannt­schaft sei­ner beruf­li­chen Lauf­bahn machen sollte: César Ritz.

Ritz –Escof­fier das kon­ge­niale Duo

César Ritz war der Gene­ral Direk­tor des Grand Hôtel in Monte Carlo und hatte von die­sem bril­lan­ten jun­gen Chef Namens Auguste Escof­fier gehört. Außer­dem war gerade sein berühm­ter Küche­chef Jean Giroix (damals einer der bes­ten Chefs Frank­reichs) zur Kon­kur­renz über­ge­lau­fen. Ritz bot Escof­fier einen Pos­ten als Chef im Grand Hôtel an und die­ser nahm an. Die bei­den Män­ner ergänz­ten sich ideal und hal­fen sich gegen­sei­tig. Ritz pro­bierte Escof­fiers Sau­cen und gab sein Urteil ab und Escof­fier wirkte beim Ein­kauf von Tafel­sil­ber, Ess­ge­schirr, und Kris­tall mit. Escof­fier arbei­tete ins­ge­samt sechs sehr erfolg­rei­che Jahre im Grand Hôtel in Monte Carlo. 1889 ging Ritz nach Lon­don, er folgte dem Ruf des Iren Richard D’ Oyly Carte. D’ Oyly Carte war gerade dabei, in Lon­don ein Hotel zu eröff­nen (das Savoy), und nach sei­nem Besuch in Monte Carlo enga­gierte er Ritz als Mana­ger. Ritz sollte die Qua­li­tät der eng­li­schen Hotels ver­bes­sern. Ritz wie­derum enga­gierte natür­lich sei­nen kon­ge­nia­len Part­ner Escof­fier für die Lei­tung der Küche. Der Erfolg des Savoy war somit von Anfang an gesi­chert. Das Savoy war immer aus­ge­bucht; alles was Rang und Namen hatte, logierte in die­sem Hotel, welt­be­rühmte Sän­ger und Sän­ge­rin­nen wie Nel­lie Melba oder die Brü­der De Res­zke, die hells­ten Sterne des Thea­ters wie Sarah Bern­hardt, Henry Irving oder Ellen Terry. Prin­zen im Exil oder ein­fach pro­fes­sio­nelle „Schön­hei­ten“ aus dem inne­ren Kreis des „Marlborough-House-Set“, geschmückt mit Juwe­len. All diese Rei­chen und Schö­nen fan­den im Savoy den Luxus und das Essen, das ihren Ansprü­chen gerecht wurde. In der Zeit im Savoy kre­ierte Escof­fier eine Viel­zahl sei­ner welt­be­rühm­ten Gerichte, wie den pêche Melba-benannt nach der aus­tra­li­schen Sopra­nis­ten Nel­lie Melba: Pfir­sich mit Vanille-Eiskrem, über­zo­gen mit Himbeer-Püree, ser­viert zwi­schen aus Eis geschnitz­ten Flü­geln eines Schwans und gespon­ne­nem Zucker. Ein­mal gab der Prince of Wales ein Fest im Savoy und Escof­fier kre­ierte ein Gericht, das er cuis­ses de nym­phes à l’aurore nannte — Frosch­schen­kel, die eis­kalt in Gelee mit Sahne, Mosel­wein und Paprika (der die Rosen­farbe des Mor­gens erzeu­gen sollte) ser­viert wurde. Mit die­sem Gericht wurde Escof­fier als der Mann bekannt, der den Eng­län­dern das Frö­schees­sen bei­brin­gen wollte. Die Schau­spie­le­rin Sarah Bern­hardt inspi­rierte Escof­fier zu Rüh­rei­ern mit Knob­lauch, einer Suppe, einem Erd­be­er­des­sert und einem Souf­flé aus Erd­bee­ren, Cura­çao und Maro­nen. 1898 ver­wirk­lichte sich César Ritz sei­nen Traum und eröff­nete mit Hilfe von Escof­fier sein eige­nes Hotel in Paris. Das Ritz wurde das modernste Hotel sei­ner Zeit. Es ver­fügte über elek­tri­sches Licht. Die Glüh­bir­nen waren apri­ko­sen­rosa getönt, um den Teint und den Klei­dern der Damen zu schmei­cheln. Die Möbel wur­den nach denen aus Ver­sailles, Fon­tai­ne­bleau und dem Lou­vre nach­ge­baut. Es gab Bac­ca­rat Kris­tall, ein­ge­baute Klei­der­schränke und rie­sige Bade­zim­mer. Es gab zwei Wein­kel­ler — einen direkt unterm Hotel, extra so kon­stru­iert, dass kei­ner­lei Erschüt­te­rung des Stra­ßen­ver­kehrs den 4000 edlen Jahr­gangs­wei­nen etwas anha­ben konnte, und einen Reser­vek­el­ler ein paar Stra­ßen wei­ter, in dem 180.000 Fla­schen lager­ten. Escof­fier plante die Küche. Es wur­den Öfen ange­schafft, die nur mit Koks oder Holz geheizt wur­den, die Wände wur­den mit kup­fer­nen Pfan­nen und Töp­fen behängt, die wegen ihrer Hit­ze­lei­tung von allen Küchen­chefs bevor­zugt wur­den. Nur ein knap­pes Jahr spä­ter eröff­nete das Team Ritz– Escof­fier ein wei­te­res Hotel, das Carl­ton in Lon­don. Durch ihre bera­tende Tätig­keit ver­hal­fen sie Hotels in Luzern, Rom, Buda­pest, Madrid, Mon­treal, New York, Pitts­burgh und Phil­adel­phia zu Welt­ruhm. Ritz über­dachte die Hotel­pläne und begann eine kleine Revo­lu­tion. Er ent­fernte über­flüs­sige Staub­fän­ger und Orna­mente aus den Hotels und leuch­tete die Spei­se­säle hell aus. Außer­dem sorgte er dafür, dass das Per­so­nal adrett geklei­det war– weiße Kra­wat­ten und Schür­zen für die Kell­ner, schwarze Kra­wat­ten für die Maî­tres d’ hôtel und Fracks für den Hotel­di­rek­tor und sei­nen Stab. Escof­fier hin­ge­gen plante Küchen und trai­nierte ganze Bri­ga­den zu leis­tungs­fä­hi­gen Teams. Diese wur­den in die ver­schie­de­nen Hotels geschickt. Damit wur­den sie zu Mis­sio­na­ren der klas­si­schen fran­zö­si­schen Küche auf der gan­zen Welt; natür­lich im Namen Escof­fiers. 1901 kam das trau­rige Ende des Erfolg­teams. Ritz erlitt mit 51 einen Ner­ven­zu­sam­men­bruch und konnte die Lei­tung sei­ner Hotels nicht wei­ter­füh­ren. Escof­fier arbei­tete bis 1919 im Carl­ton und ging mit 73 Jah­ren in den Ruhe­stand. Im sel­ben Jahr wurde er vom Staats­prä­si­den­ten Ray­mond Poin­caré zum Rit­ter der Ehren­le­gion ernannt und kurz dar­auf sogar in den Stand eines Offi­ziers die­ses Ordens erhoben.

„Der Ruhe­stand“

Von Ruhe­stand konnte aber eigent­lich keine Rede sein, denn er arbei­tete wei­ter als Bera­ter und reiste in zahl­lose Städte, in denen sei­ner Mei­nung nach seine Anwe­sen­heit der Wei­te­r­end­wick­lung der Küche die­nen würde. Am 12 Februar 1935 ver­starb Escof­fier 2 Wochen nach sei­ner Frau in sei­ner Villa in Monte Carlo. Beide wurde in sei­nem Geburts­ort Vil­le­neuve– Lou­bet begraben.

Escof­fier

Men­schen, die Escof­fier wäh­rend sei­ner Zeit beglei­te­ten, beschrie­ben ihn als ein Gent­le­man von Kopf bis Fuß, mit gesetz­ten Manie­ren und immer makel­los geklei­det. Lehr­linge aus sei­ner Zeit im Carl­ton berich­te­ten, er habe immer hohe Absätze getra­gen, um den Abstand zwi­schen sei­nem Kopf und der Hitze des Her­des zu ver­rin­gern. Außer­dem soll er über einen solch aus­ge­präg­ten Geschmacks­sinn ver­fügt haben, dass er immer mit Sicher­heit sagen konnte, wann ein Körn­chen Salz oder ein Trop­fen Fleisch­ex­trakt fehlte, um das Gericht die letzte Voll­kom­men­heit zu geben. Man sagt, Escof­fier hätte sogar eine Die­s­tel genieß­bar machen können.

Die Ver­dienste

In der Zeit nach Carême ver­än­derte sich das Leben in Frank­reich und in ganz Europa rasch, es begann die Indus­tria­li­sie­rung und das Tempo nahm ste­tig zu. Es war kaum noch mög­lich, jedes Mahl wie eine Zere­mo­nie aus­zu­rich­ten. Die Men­schen hat­ten ein­fach zu wenig Zeit. Escof­fier erkannte dies und ver­ein­fachte die Menüs. Er kam damit beson­ders Urbain Dubois ent­ge­gen, wel­cher die Ein­füh­rung des rus­si­schen Ser­vier­stils for­derte. Bis dahin war eine unüber­seh­bare Zahl von Gerich­ten gleich­zei­tig auf den Tisch gestellt wor­den und die Spei­sen waren meist kalt gewe­sen, bevor sie auf dem Tel­ler des Gas­tes gelang­ten. Escof­fier begann seine Menüs Gang auf Gang zu ser­vie­ren und damit kamen die Spei­sen immer mit der gewünsch­ten Tem­pe­ra­tur auf den Tisch. Die­ser Ser­vier­stil ver­an­lasste Escof­fier, den Küchen­stab zu reor­ga­ni­sie­ren, damit die ver­schie­de­nen Gerichte so schnell wie mög­lich ser­vier­be­reit waren. Er teilte die Küche in ver­schie­dene Pos­ten ein und defi­nierte prä­zise ihre Auf­ga­ben. Und so ent­stan­den: Gar­de­man­ger (Koch der kal­ten Küche), Bou­cher (Küchen­metz­ger), Sau­cier (Soß­en­koch,) Pois­so­nier (Fisch­koch), Entreme­tier (Bei­la­gen­koch), Legu­mier (Gemü­se­koch), Rôtis­seur (Bra­ten­koch), Bro­cheur (Spieß­bra­ten­koch), Pota­ger (Sup­pen­koch), Gril­lar­din (Grill­koch), Cocot­tier (Eier­koch), Fri­tu­rier (Frit­tier­koch), Four­nier (Ofen­koch), Tou­rier (Teig­koch), Con­fi­seur (Süß­spei­sen­koch), Gla­çier (Eis­koch), Pâtis­sier (Kon­di­to­rei­koch), Tran­cheur (Gemü­se­schnit­zer), Tournant (Wech­sel­koch, Sprin­ger), App­renti (Lehr­ling) und Plon­geur (Spü­ler). Im Hotel Carl­ton war Escof­fier Chef über eine Küchen­bri­gade von 60 Köchen. Um dem Gast einen klei­nen Über­blick der Spei­sen­folge zu geben, ver­zeich­nete er diese auf einer klei­nen Karte. So bekam jeder Gast zugleich ein klei­nes Sou­ve­nir, das an den schö­nen Abend erin­nerte. Die größ­ten Leis­tun­gen Escof­fiers waren aber die Ver­brei­tung der klas­si­schen fran­zö­si­schen Küche auf der gan­zen Welt und natür­lich seine Schrif­ten. Seine Bücher doku­men­tie­ren die gesamte Ent­wick­lung der Küche sei­ner Zeit und die­nen noch heute als Gesetz­ge­ber der klas­si­schen Küche. Gibt es Streit­fra­gen, so schaut man ein­fach im Guide culi­n­aire (indem 5000 Rezepte ver­fasst sind) nach und rich­tet sich nach Escof­fier. Wei­tere Bücher sind Le Livre des Menus, Ma Cui­sine, Les Fleur en cire, ein Buch über sein Ste­cken­pferd wäh­rend des Krie­ges, der Wachs­blu­men­her­stel­lung und seine Memoi­ren »L’aide-mémoire culi­n­aire«. 1909 spen­dete er seine Rechte der Kriegs­er­in­ne­run­gen als Koch an ein Alten­heim für Köche. Zu Beginn des Krie­ges 1914 grün­dete Escof­fier einen Aus­schuss, der Fami­lien fran­zö­si­scher Köche, wel­che in den Kriegs­dienst ein­be­ru­fen wur­den, unterstützte.

Text: Hans-Ole Hagen
Quel­len: Wiki­pe­dia+ Die klas­si­sche fran­zö­si­sche Küche von Craig Clai­borne, Pierre Fra­ney und der Redak­tion der Time-Life Bücher erschie­nen 1983 beim Uni­part– Ver­lag, Stuttgart
7. Februar 2007
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