Robert Rant

Oberkellner Robert Rant: Finger weg!

Im richtigen Leben arbeitet Robert Rant im Service eines sehr guten Restaurants. Höflich und formvollendet kümmert er sich um seine Gäste. Was er sich dabei denkt, steht hier.

Oberkellner Robert Rant: Darth Waiter

In New York, klagt meine Bekannte, bekam sie mit dem Espresso sofort die Rechnung! Direkt danach folgte die Aufforderung des Kellners, sie nannte ihn zu diesem Zeitpunkt Steve, sie zur Garderobe zu begleiten, denn es seien neue Gäste da.

Oberkellner Robert Rant: Der Gast ist König? Nein, Patient!

Gäste sind auch nur Patienten: kranke Menschen, die der Behandlung bedürfen. Dank der kulinarischen Prekariats-Formate ist die Küche beim Volk angekommen – neulich hat der Patient sogar gelesen, was rückwärts gebraten ist.

Oberkellner Robert Rant: Die Weinkennerin

Es ist Freitagnacht, halb zwei, die Stadt ist bunt beleuchtet und ich wünsche mir Musik von der Lee Baby Simms Show im Radio. Ich parke im Halteverbot vor meiner Lieblingsbar, um noch bei meinem Freund Tom vorbeizuschauen. Es tut gut, nach der Arbeit mit Menschen zu sprechen, die nicht etwas bestellen wollen. Und selber etwas zu bestellen. »Welches Tonic soll’s sein?«, fragt Tom. Wir überlegen und entscheiden uns für ein Fever Tree mit Tanqueray Ten und etwas Zeste. Schnelle Beratung, schnelle Entscheidung. Eine Sprache.

Oberkellner Robert Rant: geht essen

Die Sterne-Gastronomie eignet sich selten für Dates. Die Sterne-Gastronomie ist für Snack-Checker, Essens-Instagrammer und verkopfte Verkoster. Nichts für eine kleine intime Fresserei. Zu viele Barrieren, Verhaltensmuster und Regeln. Man könnte sich auch in Nordkorea am Strand verabreden. Das Korsett des Etablissements schnürt einem stets die Luft ab

Oberkellner Robert Rant: Kalter Kaffee

»Warum bist Du eigentlich immer dagegen?«, fragt mich eine Freundin, als ich eine Starbucks–Filiale als Treffpunkt ablehne. In Lokalen, in denen die Bestellung einer Tasse Kaffee zu einer Quizshow mutiert, fühle ich mich eben nicht wohl. Ich weiß nicht mal, in welche Getränkegruppe ich Triplefrozen-raspberry’n’macadamiayoghurccinos einordnen soll. Irgendwie scheint der Kuchen schon mit drin zu sein – Trinktorte, quasi. »Niemand verbietet dir, einfach einen Espresso zu bestellen«, entgegnet meine Freundin und bezichtigt mich des Kulturpessimismus. Jeder soll sein Business machen, erwidere ich, aber ich muss diese maßlose Überzeichnung der Lifestyle-Aktie nicht gut finden.

Oberkellner Robert Rant: Kritikerkritik

»Warum wirst du eigentlich nicht Gastrokritiker?« fragt eine Freundin. »Der ›Gastro-Castro‹ würde passen. Gastronomia o muerte!«

Oberkellner Robert Rant: Rohkost

Im richtigen Leben arbeitet Robert Rant im Service eines sehr guten Restaurants. Höflich und formvollendet kümmert er sich um seine Gäste. Was er sich dabei denkt, steht hier

Oberkellner Robert Rant: Samstagsgäste

Wann immer es regnet, kommt es mir so vor, als ob es keine Zeit gäbe. Es ist zu allererst eklig und nass, erst dann irgendwie spät oder früh. Ich betrete meine Lieblingsbar und wundere mich, wie absurd voll es heute ist.

Oberkellner Robert Rant: Schlagseite

Im richtigen Leben arbeitet Robert Rant im Service eines sehr guten Restaurants. Höflich und formvollendet kümmert er sich um seine Gäste. Was er sich dabei denkt, steht hier

KNIGGE WEISS RAT

Der Schwätzer

Mein Chef hat mich und einige ­Kol­le­gen zu sei­nem berüch­tig­ten Gän­sees­sen ein­ge­la­den. Ich habe gehört, das ist eine furcht­bar öde Ver­an­stal­tung, denn wenn mein Chef redet, redet kein ande­rer, und eigent­lich redet mein Chef immer, aber es wäre sehr unhöf­lich, nicht zu erschei­nen. Was soll ich tun?

»Öfters sind wir in dem Falle, dass uns durch Gesprä­che Lan­ge­weile gemacht wird. Ver­nunft, Vorsichtig­keit und Men­schen­liebe gebie­ten uns dann, wenn nun ein­mal nicht aus­zu­wei­chen ist, Geduld zu fas­sen und nicht durch belei­di­gen­des Betra­gen unsern Über­druß zu erken­nen zu geben. Man kann ja, je see­len­lo­ser das Gespräch und je geschwät­zi­ger der Mann ist, um desto freier neben­her an andre Dinge den­ken; und wäre auch das nicht – ei nun! es geht im mensch­li­chen Leben so man­che ver­träumte Stunde ver­lo­ren! Ist man denn nicht einige Auf­op­fe­rung der Gesell­schaft schul­dig, mit wel­cher man umgeht?«

Adolph Freiherr Knigge:
Über den Umgang mit Menschen


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Die beste Frage wird im nächsten Heft beantwortet.