
Eine schöne Sache: Essen mit Herz
Was bisher geschah: Um den kleinen Ort Bredow an der Onk vor der Pleite zu retten, wollen Input und sein Freund Langweilig ihn in Herrlichtanken umtaufen und in ein Delikatessendorf verwandeln. Fortsetzung folgt, aber erst später, denn gerade hat der Ich-Erzähler Input ein Problem.
(fortgesetzt aus Folge 29)
„Ich kann nicht weitererzählen, ich habe eine Krise. Eine Persönlichkeitskrise.“
„Wie meinst du das, Input?“
„So, wie ich es sage. Ich habe „Beef“ gelesen, das neue Kochmagazin für Männer, und jetzt weiß ich nicht mehr, ob ich wirklich ein Mann bin. Du bist jedenfalls keiner. Du Frauenversteher! Vermutlich bist du sogar eine Frau. Und das geht gar nicht. Also raus aus meiner Küche!“
Okay, mal im Ernst. Die FDP will dafür sorgen, dass in den Schulen Jungen stärker gefördert werden, weil sie in unserer modernen Welt deutlich mehr Probleme haben als Mädchen, und dazu passend hat der Großverlag Gruner & Jahr („Stern“, „Geo“, „Brigitte“) in der vergangenen Woche drei Magazine für Jungs mit Problemen raus gebracht. Also eigentlich für größere Jungs, welche, die schon arbeiten, aber das ist möglicherweise ein Teil des Problems. Wobei „Gala Men“ als Frauenzeitung für Männer noch einigermaßen verständlich ist: Wer mehr über Modetrends, Pflegemittel und das Privatleben der Stars wissen will, sich aber nicht traut, Frauenzeitungen zu kaufen oder sich gar bei jedem Frauenzeitungskauf hanebüchene, unglaubwürdige Ausreden ausdenkt
(Wie zum Beispiel: „Die ist für meine Freundin, der ist es peinlich, die „Gala“ zu kaufen.“ Da weiß jeder, dass es eine Lüge ist, denn „Gala“ ist keiner Frau peinlich, und warum auch, ist doch eine prima Zeitschrift.)
ist mit „Gala Men“ bestens bedient. Abwegiger ist „Business Punk“, ein Magazin wie aus dem Unterbewusstsein von Patrick Bateman, dem Frauen vergewaltigenden und ermordenden Protagonisten des Romans „American Psycho“, der in „Business Punk“ sogar vorkommt – auf einer Visitenkarte aus Trockenfleisch. Im Heft geht es um Männer, die 24 Stunden durcharbeiten, Karrieretipps von Zehnjährigen und sexy Sekretärinnen, die offensichtlich dringend flachgelegt werden wollen. Und schließlich ist da „Beef“, ein Kochmagazin für Männer. „Beef“ informiert darüber, dass es Stühle gibt, die aussehen wie Tomaten, wie man Saucen macht, die in jedem Schulkochbuch stehen, dass aus unterschiedlichen Ländern unterschiedliche Steaks kommen und dass man eine Frau nicht ins Bett kochen kann, wenn sie nicht ohnehin Interesse hat, was wohl zumindest für die Leser von „Business Punk“ eine neue Information wäre. So weit, so na gut. Wesentlich verstörender finde ich die Haltung, die hinter dem Heft zu stehen scheint. Das beginnt bereits im Editorial, wo der Chefredakteur Jan Spielhagen über seinen Freund Christoph schreibt, für den er das Magazin angeblich gemacht habe: einen 42-jährigen Hobby-„Feinkoch“ mit Geld und Sinn für Qualität. Das klingt eher nach Zielgruppe als nach Mensch, aber Schwamm drüber. Jedenfalls schreibt Spielhagen weiter:
„Drei-, viermal treffen wir uns mit Jörn, Thomas, Fabian und Matze zum Kochen bei mir. Meine Frau geht dann aus. Das sind so Abende, an denen wir keine Kompromisse machen. (...) Und vor allem diskutieren wir. Ob wir lieber mit Induktion oder mit Gas kochen, von welchem Jäger der Rehrücken war, wo es die besten Ölmühlen gibt, welcher Lieferant guten Safran hat und warum man mit Frauen besser nicht kocht.“
Worüber anscheinend nicht gesprochen wird: Kinder, was an Frauen gut ist, das Familienleben, Freundschaften, das Älterwerden, Freuden, Sorgen, Sehnsüchte, Ängste. In diesem emotional recht engen Rahmen, der klingt, als hätten ihn sich schlecht gelaunte Emanzen aus den 70er Jahren ausgedacht, ist das gesamte Heft gehalten. Der Höhepunkt ist eine Satzung für Männerkochclubs, in der unter Stichworten wie „Urzeitliche Härte“, „Das Prinzip der Furchtlosigkeit“ oder „Frauenverbot“ die dumpfesten Männerklischees, ähm, aufgekocht werden. Nun gut, könnte man sagen, solche Männer gibt es eben auch – aber genau daran habe ich meine Zweifel. Denn eigentlich lernt doch der, der sich intensiv mit einem Handwerk oder einer Kunst beschäftigt, nicht nur das Handwerk, sondern auch etwas fürs Leben. Wer zarten Geschmacksnuancen oder dem Effekt winziger Veränderungen in der Dosierung einzelner Gewürze nachforscht, wer Texturen und Aromen zu sinnlichen Symphonien verbindet oder eine Dramaturgie in der Abfolge von Speisen entwickelt, wer also, kurz gesagt, über sensorische Harmonien nachdenkt, kann doch nicht ansonsten hart wie Stahl, zäh wie Leder und dumm wie Kommisbrot durch die Gegend laufen. Oder doch? Wer sein Leben mit dem Ausfüllen und Überprüfen von Excel-Tabellen verbringt, okay, der möchte vielleicht tatsächlich von einem Adrenalin-Wirtschaftsmagazin seine Männlichkeit bewiesen bekommen. Doch wer so kochen kann, dass man sich vor, während und nach dem Essen angenehm warm fühlt, wird sich doch nicht auf niedrigstem Niveau selbst beweisen, indem er sich von Frauen abgrenzt, plakativ seine männliche Härte zur Schau stellt und bloß nicht über seine Gefühle redet. Oder doch? Tja, da stehe ich jetzt, und so gebe ich diese Frage nun an euch weiter: Macht das Kochen den Koch zu einem sensibleren, freundlicheren, offeneren, kurz besseren Menschen? Oder kann man wunderbares Essen machen und ansonsten trotzdem völlig vernagelt durch die Welt laufen? Und übrigens, klar, es gibt immer Ausnahmen. Aber gibt es auch so etwas wie eine Grundregel? (Fortsetzung folgt)
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claudine meint :Also ich habe das Blatt … als Frau … gekauft, die schriftliche Auswertung im Blog ist in der Mache. Mir ist dieses Man-Seins/Frau-Ihrs ehrlich gesagt zu banal häufig erwähnt.. Da lobe ich mir Kochblogfreunde (m.), die mich zu einem guten Rezept auf brigitte.de verweisen. Die haben sehr klar verstanden, worum es bei diesem Küchenzauber tatsächlich geht. Trennung der Geschmäcker, nicht der Geschlechter. Am meisten aber hat mich beim Lesen der Beef! dieser impertinente Glaube einer ganzen Redaktionscrew abgestoßen, nur teuer könnte sehr gute Ergebnisse in der Küche entstehen lassen. Beef! wird nur einen Beweis auf dauer antreten: dass sich mit monetärer Armut leckerer kochen lässt als mit emotionaler Armut. Und darauf heute einen Steckrübeneintopf nach Omas Art! (Alleine die Fotos machen teilweise viel Spaß in dem Magazin, der Messer-Artikel als auch das ausgekochte Design ist sehenswert.) |
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wonderkey meint :Wunderbarer Kommentar! Wiese gibt es hier keinen "Gefällt mir!"-Button??? Nur teuer ist gut, das kennen wir doch vom Feinschmecker!?. Vielleicht sind hier auch einige alt genug, um sich noch an die Schweizer "marmite" zu erinnern!? Die war anfänglich (mit einer Frau als Chefredakteurin) super, ählich kreativ und dem Genuss verpflichtet wie die Effilee, und später (mit einem Mann als Chefredakteur) sprach man dann nur noch über Preise, Etiketten und die Rote Bete Suppe mußte mit Blattgold serviert werden! Diese Zeitschriften werden alle wieder verschwinden, noch bevor man sich richtig aufregen kann! Gruß -wonderkey |
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jens meint :Der "Gefällt mir!"-Button findest du oben unter dem Bild von Peter Lau. |
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alec_trik meint :Geradezu dreist geklaut ist ja das kleine Symbol, das in "Beef" zum Umblättern animieren soll: ein stilisiertes Messer in der Horizontalen, links der Griff links, die Spitze rechts, die Schneide nach unten -- wo haben wir das nicht gleich schon mal gesehen? |
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Nanc meint :Um mal auf die Frage des Autors einzugehen (insofern sie nicht rhetorisch war): Es ist, nach meiner Erfahrung, durchaus möglich völlig "vernagelt" wunderbar zu kochen. Ich halte das aber eher für Ausnahmen oder eine sehr gute Fassade. ;) |
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Ela Ruether meint :...ich wollte ja auch schon lange auf die Frage antworten, ob man durch das Kochen zu einem besseren Menschen wird, bzw. ob sich die Fähigkeiten gut zu kochen und die "vernagelt" zu sein ausschließen. Ich denke, dass die Fähigkeit, kochen zu können, noch nicht allzu viel über den Charakter eines Menschen aussagt. Natürlich ist es eine musische Tätigkeit, es kann meditativ und kreativ sein und es ist schön, Leute mit Essen glücklich zu machen. Man ist geneigt, Menschen, die so etwas schönes können, automatisch andere positive Eigenschaften zuzusprechen. Wie man geneigt ist, einem Dichter zu unterstellen, er sei irgendwie besser oder reiner als andere. Oder wie meine Oma Ärzten, Pastoren und Lehrern unterstellt, sie hätten übermenschliche Kräfte... Aber all diese Fähigkeiten sind leider nur kleine Teile eines Menschen. Ob die Tatsache, dass jemand gut/leidenschaftlich kochen kann, also irgend etwas über seinen sonstigen Charakter aussagt oder darüber, ob er gut oder böse ist oder was er noch so auf Lager hat, das würde ich hiermit stark bezweifen... |
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Norbert Hartl meint :Ich bin erst vor einigen Tagen auf die Beef! aufmerksam geworden. Morgens fand ich eine Werbungsbeilage der Beef! auf meinem Küchentisch. Bis jetzt denke ich noch, ich hätte sie der efilee Ausgabe entnommen. Kann das sein? Zuerst dachte ich, die Beilage wäre als Scherz gedacht, erst ein Blick auf die Website machte mich glauben, dass das Magazin wirklich existiert. Nach ein paar Minuten konnte ich mich immerhin soweit begeistern, dass ich sie bestellt habe. Ich bin wirklich gespannt. Dieser Artikel trägt zur gesteigerten Neugierde an der Beef! bei. Ich finde, er ist so gespickt mit Wertungen und romantisierten Stereotypen, dass ich mich frage, wie die Beef! das unterminieren soll. Um auf die Frage des Artikels einzugehen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was bezogen auf diesen Kontext ein "besserer Mensch" sein soll. Deshalb habe ich auch keine Antwort. |
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Michakaramel meint :Moin moin, wie Manuela Ruether schreibt, sagt die Fähigkeit, kochen zu können, noch nicht allzu viel über den Charakter eines Menschen aus. Doch nach meiner Erfahrung als (Hobby-)Musiker und (Hobby-)Koch hat diese kreative Ader eines Menschen, durchaus etwas mit Koch-Kunst zu tun. "Böse Menschen kennen keine Lieder" - kochen sie auch nicht gut? Kochen ist, wie ela schreibt, eine musische Tätigkeit, kann meditativ sein und kreativ - es ist schön, seine Gäste mit gutem Essen glücklich zu machen. Mir gibt d a s die grösste Befriedigung und ist Ansporn immer besser zu werden... als Mensch (Mann?) und Koch. Was dabei dann die verschwurbelte, spät-feministische "Trennung der Geschlechter, nicht der Geschmäcker" soll, wie Claudine fragt, ist mir auch schleierhaft und scheint populistisch zu sein um einen Platz im Blätterwald zu finden. Das meint Micha-karamel zu Karfreitag und zu "Beef!", wünscht "Frohe Ostern" bei leckerem Essen ;-) |
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