Effilee
 
 

Geht nicht, gibt’s doch

Geht nicht, gibt’s doch

Heute wollte ich Steckrüben kaufen. Ok, kurz überlegen,... wie sahen die noch mal aus? Ja, stimmt eine kleine runde Knolle mit oben ein bisschen Grün dran. Hatte sie wieder vor Augen, so ungefähr jedenfalls. Super! Aber wo bekommt man denn sowas? Im Supermarkt, beim Türken oder auf dem Markt? Ach, was mach ich mir überhaupt Gedanken darüber. Wir leben im 21. Jahrhundert. In der Zeit, in der man jedes Gemüse und Obst zu jeder Zeit überall bekommen kann. Sogar gelbe Tomaten bei Penny und Artischocken im kleinen Einkaufsmarkt um die Ecke, Kohl im Sommer und Beeren im Herbst. Globalisierung juchhe, ich muss mich nicht anstrengen oder weit laufen und ich muss mir auch nicht die Mühe machen, zu schauen, wann welches Lebensmittel erhältlich ist. Ich gehe einfach los, gucke, kaufe und bin glücklich.

Tja, das dachte ich. Bis heute. Bis die Steckrüben auf meinem Einkaufszettel standen. Vorbei ist es mit dem unbekümmerten Einkauf:

„Tut mir leid, das ist ein Wintergemüse. Das bekommen sie jetzt nicht. Es ist Juli!“ Ein vorwurfsvoller Blick begleitet den belehrenden Satz.

Woher soll ich denn das wissen? - Ja, ich hätte es wissen können, aber nein, ich kenne den Saisonkalender nicht auswendig. Und ganz abgesehen davon, war ich doch wirklich etwas geschockt oder sagen wir lieber irritiert von dem Satz: „Das bekommen Sie jetzt nicht.“

Habe doch gerade erörtert, dass alles immer zu kaufen ist! Und nun: „Das gibt es nicht.“ Ich brauch das aber heute – irgendwie bin ich plötzlich ziemlich hilflos. Geht nicht. Schluss, Aus! Das sagt mir die Frau einfach eiskalt ins Gesicht.

Aber so leicht gebe ich mich nicht geschlagen, was weiß schon die Gemüse-Aufschichtfrau im Supermarkt! Ich geh zum Türken. Der hat doch immer alles frisch. Oder es sieht jedenfalls so aus. Woher das wohl kommen mag?

Egal... muss man nicht weiter drüber nachdenken, denn der Mann aus dem sonnigen Land hat auch keine Steckrüben. Er freut sich ungefähr genauso schelmisch über mein anscheinend abwegiges Anliegen wie die Frau im Supermarkt. Aber irgendwo auf der Welt müssen die Dinger doch zurzeit angebaut werden. Irgendwo am Mittelmeer oder meinetwegen in China oder so...!

Anscheinend nicht.

Verzweiflung kommt auf.

Aber nur kurz, denn ich habe noch eine Idee: Die Tiefkühltruhe, in der gibt es doch alles. Abgesehen von Pizza und Nudelgerichten findet man hier alle Sorten an Gemüsen, die nicht frisch vorhanden sind, Sie liegen eiskalt in der Truhe, vor Monaten geerntet und gleich schockgefroren, damit sie auch ja keineVitamine verlieren und jederzeit verwertbar sind. Tolle Erfindung!

Leider gibt es nicht alle Sorten: Ich sehe Spinat, Karotten, Erbsen, Spargel, Brokkoli, Zwiebeln (Wer kauft denn eigentlich TK-Zwiebeln?), Porree und diverse Mischungen aus etwaigem Gemüsezeug. Aber aus einem unerfindlichen Grund liegt kein Beutelchen mit Steckrüben dazwischen. Und im Regal steht auch keine Dose (das hatte ich zwischendurch schon abgecheckt).

Tja, dann muss ich es wohl langsam akzeptieren. Es geht doch nicht immer alles. Es gibt keine Rüben. Dafür ist genügend anderes Gemüse im Angebot. Das muss reichen. Die Zeit für die kleine Knolle wird kommen und bis dahin freue ich mich, dass in der Welt doch noch einen Hauch von Natürlichkeit existiert.

Natürlich ein bisschen ärgerlich, dass das gerade bei den Steckrüben sein muss...

2 Kommentare bisher:

Kommentare

Ich bin Koch!

zuckerreh meint :

Wunderbare Geschichte... und ich kann es so gut nachvollziehen. Mir geht es im Moment ähnlich, allerdings mit Endiviensalat. Wir alle wissen, es handelt sich um einen Wintersalat, wir wissen auch, es ist Winter, aber hier in meiner kleinen Stadt war und ist es unmöglich, spontan irgendwo ( Supermarkt, Gemüselädchen, Türke, Grossmarkt, Marktplatz.....) diesen "Exoten" zu bekommen. Den will hier keiner, hiess es jedesmal, und ich könnte ihn aber bestellen ( für übermorgen ), was ich nun regelmässig mache. Ich finde es zwar jedesmal etwas befremdlich mitten in Deutschland so einen Salatklassiker bestellen zu müssen, aber wenns funktioniert..... da will ich gar nicht meckern.

Das Zuckerreh

pastasciutta meint :

Dass man im Juli keine Steckrüben bekommt, damit kann ich leben. Zu dem ganzen Mist, der unnötig durch die Gegend geflogen wird, brauche ich nicht auch noch Steckrüben.

Der Kommentar zu Endivien im Winter offenbart dagegen das wahre Ärgernis. Wenn ich heimisches Obst und Gemüse zur Saison nicht bekomme, dann ist das in weiten Teilen Deutschlands leider Alltag. Endivien sind irgendwie aus der Mode und ich gehöre ebenfalls zu den Leuten, die das bedauern.

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